Dirk Steffens schreibt in seinem Buch „Hoffnungslos optimistisch“: „Wer an Lösungen glaubt, hat bessere Chancen auch tatsächlich welch zu finden. Wenn wir die Zukunft eher als Chance und weniger als Bedrohung sehen, ist das bereit der erste Schritt in die richtige Richtung.“ Besonnenheit, ein bisschen entspannten Nachdenken sind segensreich, damit wir auf der Flucht vor unseren Sorgen nicht aus Versehen Richtung Abgrund losrennen. Die gesamte Menschheitsgeschichte ist schließlich gespickt von Momenten, in denen disruptive Änderungswünsche über die Vernunft gesiegt haben. Verzweiflung trieb Suchende immer wieder in die Arme wirrer Propheten, brutaler Diktatoren, gewissenloser Populisten oder naiver Weltverbesserer. Aber den Untergang als unumkehrbare Sache zu betrachten, ist in Deutschland, in dem wir so frei, so gesund und so wohlhabend wie niemals zuvor leben, dann doch ziemlich idiotisch. Dirk Steffens ist einer der bekanntesten und renommiertesten Wissenschaftsjournalisten Deutschlands, spezialisiert auf Umwelt- und Naturthemen.
Alle Schritte in die Zukunft sollten wohlüberlegt sein
Also würzt Dirk Steffens die fade Untergangssuppe mit ein bisschen Optimismus. Optimist zu sein, bedeutet nicht, naiv zu sein. Homo sapiens könnte in die selbst gegrabenen Gruben fallen. Er könnte. Er muss aber nicht. Um nicht zu fallen, sollte jeder Schritt, den wir Richtung Zukunft machen, sondern wohlüberlegt sein. Unser Blick sollte dabei nicht nur auf den fernen Horizont, sondern auch auf das gerichtet sein, was unmittelbar vor unseren Füßen liegt. Wir müssen auch auf die kleinen Dinge achten.
Alltagsfrust prägt das Denken vieler Menschen in nicht unerheblichem Maße, und das ist gefährlich, weil er nur einen zufälligen kleinen Ausschnitt aus der unendlichen Realität erfasst. Dirk Steffens rät: „Wir sollten daher unseren subjektiven Wahrnehmungen und Emotionen misstrauen und sie nicht ungeprüft zur Grundlage unserer Entscheidungen machen.“ Denn das kann zu krassen Fehlurteilen führen und die Welt dann auch tatsächlich schlechter machen.
Es gibt zum Optimismus keine vernünftige Alternative
Mit Blick auf unsere Sorgen und Nöte, im Kampf gegen Klimawandel, Artensterben und die Bedrohungen für unsere Demokratie gilt: „Ihr könnt euch entscheiden wegzusehen, aber ihr könnt nie wieder sagen, ihr hättest es nicht gewusst.“ Auf der anderen Seite gilt: Man kann fast alles erreichen, wenn man einfach mal anfängt. Am besten mit einer kleinen, einfachen Aufgabe, weil dann der Erfolg garantiert ist. Es gibt zum Optimismus keine vernünftige Alternative.
Optimistische Narrative verstärken eine kollektive Dynamik. Statt etwa Umweltschutz nur als Erzählung von Verzicht, Verteuerung und Verboten zu verstehen, sollten wir über die Möglichkeiten sprechen, die er uns bietet: mehr Sicherheit, mehr Wohlstand. Unabhängigkeit von zweifelhaften Energielieferanten. Saubere Luft, Städte ohne Lärm und Smog, neue Jobs in nachhaltigen Energiefeldern. Mehr Gesundheit, mehr Glück. Menschen können alles Mögliche tun, um die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Nur nicht nichts. Denn dann haben sie keine Zukunft.
Hoffnungslos optimistisch
Ein ziemlich wissenschaftlicher Blick in die Zukunft
Dirk Steffens
Verlag: Penguin
Gebundene Ausgabe: 144 Seiten, Auflage 5: 2025
ISBN: 978-3-328-60469-3, 20,00 Euro
Von Hans Klumbies
