Zwei besondere Eigenschaften der digitalen Technologie erklären, warum diese den Raum des Möglichen für die Menschheit dramatisch erweitert und deutlich über alles bisher Mögliche hinausgeht: Null-Grenzkosten und universelle Programmierbarkeit. Albert Wenger erläutert: „Sobald eine Information im Netz vorhanden ist, kann sie überall im Netz ohne zusätzliche Kosten abgerufen werden. Und da immer mehr Menschen auf der ganzen Welt Internetzugriff haben, bedeutet überall im Netz zunehmend überall auf der Welt.“ Die Server, Netzwerkverbindungen und Endgeräte sind ohnehin in Betrieb. Es kostet also nichts, eine zusätzliche digitale Kopie der Informationen anzufertigen und sie über das Netz zu übertragen. In den Wirtschaftswissenschaften spricht man in diesem Fall von Null-Grenzkosten. Das bedeutet nicht, dass man nicht versuchen wird, für diese Informationen Geld zu erlangen und es in vielen Fällen auch tut. Aber auch hier spielt nur der Preis, nicht die Kosten, eine Rolle. Albert Wenger ist ein weltweit beachteter Investor.
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Passende Bücher bei Amazon findenIn der Regel sind die Grenzkosten höher als null
Null-Grenzkosten unterscheiden sich grundlegend von allem, was in der analogen Welt gültig war, und sie ermöglichen ganz erstaunliche Dinge. Wir können die Welt mit Informationen „füttern“. Albert Wenger erklärt: „Ein zusätzlicher Videoaufruf bei YouTube, ein zusätzlicher Zugriff auf Wikipedia der ein zusätzlicher Verkehrsbericht bei Waze haben allesamt null Grenzkosten. Uns mögen diese Vorgänge nicht mehr erstaunen, doch aus der Sicht einer Zeit, in der es nur gedruckte Enzyklopädien gab, kann die Fähigkeit, das gesamte menschliche Wissen überall auf der Welt zum Null-Grenzkostenpreis verfügbar zu machen, nur wie Zauberei erscheinen.“
Null-Grenzkosten sind uns ungewohnt. Die derzeitige Wirtschaftslehre beruht auf der Annahme, dass die Grenzkosten immer höher als null sind. Albert Wenger ergänzt: „Null-Grenzkosten sind somit etwas wie eine wirtschaftliche Singularität, ähnlich der Division durch null in der Mathematik. Nähert man sich dem Phänomen an, geschehen seltsame Dinge.“ Wir erleben die Entstehung digitaler Beinahemonopole, mit all den Problemen, die dies mit sich bringt.
Computer sind universelle Maschinen
Zudem beobachten wir eine den Potenzgesetzen folgende Verteilung von Einkommen und Vermögen, bei der kleine, oft zufällige Abweichungen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen führen. Albert Wenger fügt hinzu: „Darüber hinaus nähern wir uns dem Sonderfall der Null-Grenzkosten derzeit auch in vielen anderen Branchen, die in erster Linie aus Informationen beruhen, wie zum Beispiel im Finanz- und Bildungswesen.“ Null-Grenzkosten, so lässt sich zusammenfassend feststellen, sind das erste Merkmal der digitalen Technologie, mit dem sich der Raum des Möglichen dramatisch erweitert.
Dies kann zwar zur Monopolbildung führen, birgt aber auch die Chance, allen Menschen Zugang zum Wissen der Welt zu gewähren. Albert Wenger stellt fest: „Neben den Null-Grenzkosten gibt es eine zweite, den Raum des Möglichen erweiternde Eigenschaft der digitalen Technologie, die in mancher Hinsicht noch erstaunlicher ist.“ Computer sind universelle Maschinen, die im Prinzip jedes erdenkliche Rechenproblem lösen können, wenn genügend Speicherplatz und Zeit vorhanden sind. Quelle: „Die Welt nach dem Kapital“ von Albert Wenger
Von Hans Klumbies
