Was ist die Zukunft? Auf den ersten Blick erscheint die Antwort auf diese Frage einfach. Florence Gaub erklärt: „Die Zukunft ist etwas, was noch nicht da ist, was jeder Einzelne von uns hat, und wenn man dem Mainstream Glauben schenkt, ist sie heutzutage völlig unvorhersehbar.“ Doch bei genauerem Hinsehen ist die Zukunft alles andere als einfach: Wir alle können sie uns zwar vorstellen, aber manche können es besser als andere. Für manche liegt sie räumlich vor uns, für andere dagegen hinter uns, weil man sie nicht sehen kann. Für die einen ist sie der Stoff, aus dem Filme und Serien sind, für die anderen ist sie die Zeit, an die sie nie denken wollen. Dr. Florence Gaub ist Politikwissenschaftlerin, Militärstrategin und Zukunftsforscherin. Sie leitet als Direktorin den Forschungsbereich am NATO Defense College in Rom.
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Passende Bücher bei Amazon findenDie Zeitwahrnehmung weicht oft von der Zeitmessung ab
Zunächst das Offensichtliche: Die Zukunft ist eine Zeit, in der es um Dinge geht, die kommen werden. Florence Gaub ergänzt: „Sie hat zwei Zeitgeschwister: die Gegenwart, in der es um das Jetzt geht, und die Vergangenheit, die hinter uns liegt. So weit, so einfach.“ Aber was ist Zukunft überhaupt? Zunächst einmal ist Zeit relativ, was heißt, dass sie von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich wahrgenommen werden kann. Dieser Gedanke ist vergleichsweise neu.
Lange Zeit dachte man, dass Zeit absolut sei, ein Phänomen, das unabhängig vom Menschen existiert, ähnlich wie Blumen oder die Sonne. Florence Gaub blickt zurück: „Natürlich fiel es auch unseren Vorfahren schon auf, dass die Zeitwahrnehmung oft von der Zeitmessung abwich, aber niemand hatte eine rechte Erklärung dafür.“ Und so spielte Zeit, und mit ihr die Zukunft, so gut keine Rolle in der antiken und mittelalterlichen Philosophie und deren Überlegungen zur menschlichen Existenz.
Die Zeit bewegt sich von der Vergangenheit in die Zukunft
Das änderte sich mit der Aufklärung, als Philosophen wie Immanuel Kant über die Frage nachzudenken begannen, ob Zeit überhaupt real sei. Florence Gaub fügt hinzu: „Dank Albert Einstein wissen wir heute, dass Zeit etwas ist, das alle Menschen teilen, was sich aber je nach Kontext und Person ausdehnen und zusammenziehen kann.“ Und Zeit wird nicht nur individuell unterschiedlich wahrgenommen, sondern Physiker sind heute auch davon überzeugt, dass ihre Richtungsabfolge nur eine sehr starke menschliche Illusion ist.
In Wirklichkeit gibt es in der Zeit keine klare Abfolge von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – sie existieren alle gleichzeitig. Florence Gaub stellt fest: „Innerhalb dieser Illusion von Zeit gibt es zwei Dinge, die unbestritten sind: Zeit wird als Pfeil wahrgenommen, der in eine Richtung fliegt – von der Vergangenheit in die Zukunft –, und sie ist ein Kontinuum – sie setzt nicht aus und fängt dann wieder an.“ Das bedeutet, dass die Zukunft als objektiv betrachtetes Phänomen nicht wirklich existiert. Quelle: „Zukunft“ von Florence Gaub
Von Hans Klumbies
