Weltweit sind Millionen Menschen durch die globale Erwärmung bedroht

Matthias Glaubrecht stellt fest: „Die drei wärmsten Jahre nach Beginn der Aufzeichnung vor etwa anderthalb Jahrhunderten wurden in Europa alle nach dem Jahr 2020 verzeichnet, die zehn wärmsten seit 2007.“ Und auch das Oberflächenwasser erreichte 2023 im Nordatlantik wie im Pazifik vielfach Temperaturen auf Rekordniveau. Die Folgen in Form von Extremwettereignissen – Dürren und Waldbrände hier sowie Stürmen und Überschwemmungen dort – sind mittlerweile hinreichen bekannt und vielfach beklagt. Unübersehbar ist überdies, dass mit fortschreitender globaler Erwärmung die Lebensbedingungen auf der Erde beeinträchtig werden, wovon bereit jetzt weltweit Millionen Menschen betroffen sind. So stellt der Klimawandel nicht nur die Landwirtschaft und die Wasserwirtschaft vor große Herausforderungen, er belastet auch die Gesundheit der Menschen und die Ernährungssicherheit. Der Evolutionsbiologe und Biosystematiker Matthias Glaubrecht ist Professor für Biodiversität der Tiere an der Universität Hamburg.

Die Temperaturen auf der Erde bewegen sich in die falsche Richtung

Und natürlich setzt der Klimawandel den Ökosystemen zu, da Pflanzen und Tiere sich innerhalb kürzester Zeit an steigende Temperaturen und damit einhergehende Veränderungen anpassen müssen. Matthias Glaubrecht weiß: „Wenig überraschend ist, dass laut einer aktuellen Umfrage in Europa die Menschen den Klimawandel im kommenden Jahrzehnt als die größte unmittelbare Bedrohung für ihre Lebensweise ansehen.“ Fest steht, dass sich die Temperaturen auf der Erde in die falsche Richtung bewegen, und das schneller als je zuvor.

Was insofern kein Wunder ist, als sich seit Jahrzehnten nichts daran geändert hat, dass massiv Treibhausgase, insbesondere Kohlendioxid, durch das Verfeuern fossiler Brennstoffe und die Abholzung von Wäldern in die Atmosphäre gelangen, wodurch sie die Erde in einer mathematisch berechenbaren linearen Abhängigkeit von Emission und Temperatur erwärmt. Matthias Glaubrecht erklärt: „Seit Jahrzehnten wissen wir um diese Korrelation und Kausalität, können inzwischen sogar den Grad der Erwärmung und seine weltweiten Folgen für die kommenden Jahrzehnte mit wenigsten einiger Wahrscheinlichkeit vorhersagen.“

Die Hauptursache für das Artensterben ist der Verlust an Lebensraum

Das sind die ernüchternden Tatsachen – und hinzu kommt die Frage, ob wir nicht den falschen Fokus in Sachen Umwelt haben, spielt doch eine andere große Krise – die der Arten – in der Wahrnehmung der meisten Menschen bisher kaum eine Rolle. Matthias Glaubrecht erläutert: „Dabei ist das Artensterben keineswegs, wie häufig angenommen und irrigerweise unterstellt, nur eine Begleiterscheinung und ein Nebenschauplatz des Klimawandels, dem nun leichtfertig alles untergeschoben wird.“

Vielmehr ist der Verlust der biologischen Vielfalt ein ganz eigenes Problem – und eines von enormer ökologischer und ökonomischer Brisanz, das erhebliche gesellschaftliche Sprengkraft besitzt. Denn es hat mit uns, unserem Wirtschaften und dem Verbrauch von Ressourcen zu tun. Matthias Glaubrecht fügt hinzu: „Zwar ist unbestritten, dass sich das Risiko des Artensterbens durch den Klimawandel noch weiter verschärft. Aber die Hauptursache für die Biodiversitätskrise ist der Verlust an Lebensraum für andere Arten.“ Quelle: „Das stille Sterben der Natur“ von Matthias Glaubrecht

Von Hans Klumbies