Die verschiedenen Ebenen der Verbundenheit von Menschen werden allerdings durch zwei Faktoren, die in der Geschichte eng zusammenhängen, verschleiert: die technokratische Ideologie und die Herrschaft des Geldes Fabian Scheidler nennt ein Beispiel: „Wenn ich über genügend Geld verfüge, kann ich zum Beispiel glauben, ich sei als souveränes, unabhängiges Individuum in eine Laden gegangen und habe mir von einem anderen autonomen Wirtschaftssubjekt einen Computer gekauft.“ Doch diese Art, die Geschichte zu erzählen, blendet das große Netzwerk von Beziehungen zwischen Menschen und natürlichen Systemen aus, ohne die es weder einen Computer noch eine Laden, noch das Geld in meiner Tasche geben würde. Das Geld, das zusammen mit dem Atomismus im antiken Griechenland entstanden ist, nährt die Illusion, es gebe so etwas wie isolierte Individuen. Der Publizist Fabian Scheidler schreibt seit vielen Jahren über globale Gerechtigkeit.
Passende Literatur zu diesem Thema:
Aktuelle Angebote zu "Die Maske des Geldes verdunkelt das Netz menschlicher Beziehungen"
Passende Bücher bei Amazon findenEin Teil der Menschheit wird systematisch ausgebeutet
Es war eines der großen Verdienste von Karl Marx, erkannt zu haben, dass Geld im Grunde eine Chiffre für menschliche Beziehungen ist, die von der Geld- und Warenform jedoch verdunkelt werden. Fabian Scheidler erklärt: „Für diejenigen, die über viel Geld verfügen, ist diese Illusion äußerst nützlich, weil sie behaupten können, sie hätten Besitz und Eigentum aus eigener Kraft geschaffen – während tatsächlich Tausende von Menschen unzählige Ökosysteme für sie gearbeitet haben.“
Die Maske des Geldes verdunkelt so das große Netz menschlicher Beziehungen, ohne das wir nicht existieren könnten. Fabian Scheidler stellt fest: „Die systematische Ausbeutung eines Teils der Menschheit durch einen anderen kann so unsichtbar bleiben. In analoger Weise verschleiert das mechanistische Weltbild unsere Beziehungen zur nichtmenschlichen Sphäre und liefert auf diese Weise die ideologische Grundlage zur endlosen Ausbeutung der Natur.“ Wenn alles nur aus toten, unverbundenen Atomen besteht, dann ist nichts Verwerfliches daran, die Welt in Stücke zu zerlegen und neu zusammenzusetzen.
Die technokratische Ideologie verbreitet falsche Behauptungen
Und wenn diese passiven Teilchen linearen, berechenbaren Gesetzen gehorchen, dann lassen sie sich durch menschlichen Willen steuern und beherrschen. Obwohl die mechanistische Weltsicht sich im Laufe der Wissenschaftsgeschichte als unhaltbar erwiesen hat, ist sie nach wie vor gesellschaftlich tief verankert und wirkmächtig. Fabian Scheidler ergänzt: „Mehr noch: Statt als überholt und ad acta gelegt zu werden, hat sie sich in den vergangenen 100 Jahren zu einer umfassenden technokratischen Mythologie ausgeweitet.“
Diese durchzieht alle Lebensbereiche, von der Medizin über die Ökonomie und die digitale Sphäre bis zum Geo-Engineering. Fabian Scheidler weiß: „Das liegt vor allem daran, dass diese Ideologie eng mit der wirtschaftlichen und politischen Organisationsweise unserer Gesellschaft zusammenhängt und sich von ihrer Entwicklung nicht trennen lässt.“ Einige Behauptungen, auf denen die technokratische Ideologie beruht, sind jedoch nachweislich falsch. Zum Beispiel ist die Welt der erlebten Qualitäten unsere primäre Wirklichkeit, an deren Existenz wir nicht sinnvoll zweifeln können. Quelle: „Der Stoff aus dem wir sind“ von Fabian Scheidler
Von Hans Klumbies
