Richard David Precht schreibt: „Das kapitalistische Wirtschaften, allen voran sein Update als freie und soziale Marktwirtschaft, ist jedem anderen Wirtschaftssystem haushoch überlegen. Planwirtschaft dagegen ist nicht nur ineffizient, sondern der menschlichen Natur widersprechend.“ Nur der Kapitalismus entfaltet die kreative Energie des Menschen und führt zu hocheffizientem Wirtschaften. Und nur kapitalistische Wirtschaftssysteme mit freien Märkten ermöglichen die sofortige Fehlerkorrektur durch Anpassung an den Markt, deren Mangel Planwirtschaften ins Leere laufen lässt. Ein solches liberales Wirtschaften aber ist einzig und allein in parlamentarischen Demokratien möglich, in Staaten, welche die Wirtschaft zwar sanft moderieren, sie aber nicht leiten und lenken; in Staaten zugleich, die ein hohes Maß an Presse- und Meinungsfreiheit zulassen der deren Rechtsstaat die Rechte des einzelnen Bürgers bestmöglich schützt. Der Philosoph, Publizist und Autor Richard David Precht zählt zu den profiliertesten Intellektuellen im deutschsprachigen Raum.
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Passende Bücher bei Amazon findenDie Evolution kennt keinen Endpunkt
Für einen Wimpernschlag der Geschichte schien damit bewiesen, was in den Zeiten des Kalten Krieges zuvor nur theoretisches Selbstverständnis, mithin eine plausible Vermutung gewesen war: Liberale Demokratien sind die erfolgreichste Staats- und Wirtschaftsform der Geschichte. Aber hätte sie nicht gleichwohl das versöhnliche Ende der gesellschaftlichen Evolution sein können? Richard David Precht weiß: „Tatsächlich kennt die Evolution, die biologische wie die kulturelle, keinen Endpunkt – weder in der Naturgeschichte noch in der Menschheitsgeschichte.“
Den Menschen als Endpunkt zu sehen, ist schlechte Metaphysik. Richard David Precht erklärt: „Man erfindet ein Fundament und allgemeine Strukturen, Gesetze und Zwecksetzungen, die beweisen sollen, dass das, was nicht notwendig ist, zwangsläufig, und was flüchtig ist, von Ewigkeit umhaucht sei soll.“ Nicht anders dürfte es um die liberalen Demokratien als vermeintlichen Endpunkt bestellt sein. Sie mögen aus der Sicht vieler, die in ihnen leben, mit sehr überzeugenden Argumenten wünschens- und erhaltenswert sein.
Die westlichen Industriestaaten leiden unter zunehmenden Bedeutungsverlust
Doch kein evolutionäres Telos und kein Engel der Geschichte garantieren ihren Ewigkeitswert. Politik, Ökonomie und Moral verfügen über Eigengesetzlichkeiten, die sich nur über kurze Zeit in vergleichsweiser Harmonie zueinander befinden. Richard David Precht stellt fest: „Schon die geringsten Erschütterungen lassen sie auseinanderstäuben wie erschrockene Pferde.“ Die Rösser am Seelenwagen Staates können augenscheinlich nicht auf Ewigkeit im Gleichschritt gezügelt und gebändigt werden.
Die kleinste Unebenheit auf dem politischen Terrain lässt den Wagen holpern, und Affekt und Begehren schaukeln ihn hin und her. Richard David Precht erläutert: „Diese Unebenheiten, welche die von ehemals ruhiger Hand gelenkten Pferde aufbäumen lassen, sind heute der relative Abstieg und der zunehmende Bedeutungsverlust der westlichen Industriestaaten auf dem Globus.“ Die Selbstgewissheit des Exklusivbesitzes an der optimalen Bauanleitung politisch und wirtschaftlich erfolgreichen Handelns ist einer Verstörung gewichen. Quelle: „Der Jahrhundert der Toleranz“ von Richard David Precht
Von Hans Klumbies
