Die klimatischen Bedingungen in der Arktis haben sich verschoben

Keine Frage, dass sich die klimatischen Bedingungen – gerade auch in der Arktis – verschoben haben, wie neuere Studien einmal mehr zeigen. Matthias Glaubrecht erklärt: „Demnach kam es in den beiden vergangenen Jahrzehnten zu knapp einem Dutzend Hitzewellen in den Randgebieten es Arktischen Ozeans mit durchschnittlich um mehr als zwei Grad wärmeren Meerestemperaturen and er Oberfläche.“ Auch in der Arktis waren 2023 und 2024 die wärmsten Jahre seit Beginn der meteorologischen Aufzeichnungen vor anderthalb Jahrhunderten, wobei die fünf wärmsten je registrierten Jahre alle nach 2016 auftraten und zu einer unterdurchschnittlichen Ausdehnung des Meereises führten. Und keine Frage, dass sich damit die Umwelt der Eisbären ändert. Das wärmere Wasser und der anhaltende Verlust des Meereises beeinflussen das gesamte arktische Ökosystem, in dem es etwa zum Abriss von Nahrungsketten kommt und das Fundament der Nahrungspyramide ins Wanken gerät. Der Evolutionsbiologe und Biosystematiker Matthias Glaubrecht ist Professor für Biodiversität der Tiere an der Universität Hamburg.

Der Klimawandel muss das Überleben der Eisbären nicht gefährden

Mit dem Klimawandel verschlechtern sich beispielsweise die Lebensbedingungen für Planktonorganismen in der Arktis, wie Studien von Meeresbiologen zeigen. Matthias Glaubrecht ergänzt: „Vom Plankton aber ernähren sich viele Fische, deren Bestand ebenso wie die anderer Arten in Folge abnehmen, was zum Rückgang der biologischen Vielfalt vor allem im und am Meer führt.“ Von Fischen ernähren sich mit Vorliebe die Robben, die wiederum bevorzugte Nahrung der Eisbären sind.

Allerdings wird die Jagd auf ihre Hauptbeute und damit auch die Versorgung ihres Nachwuchses für Eisbären derzeit nur in einigen Gebieten schwieriger. Matthias Glaubrecht erläutert: „So ist es keineswegs ausgemacht, dass bei fortschreitendem Klimawandel langfristig das Überleben der Eisbären insgesamt gefährdet ist, selbst wenn einige ihrer südlichen Vorkommen verschwinden werden, während sie weiterhin im hohen Norden etwa der kanadischen Arktis-Inseln und im nördlichen Grönland vorkommen.“

Der Klimaschutz ist in der Gesellschaft und der Politik angekommen

Daher kann Matthias Glaubrecht festhalten: Wenn es um den Erhalt von Arten und Artenvielfalt weltweit geht, gibt es wahrscheinlich andere Probleme, und dabei spielt das Klima, man muss es nochmals betonen, in den allermeisten Fällen nachweislich allenfalls eine untergeordnete Rolle. Dennoch reden gegenwärtig alle nur noch vom menschengemachten Klimawandel, wenn es um Umwelt und Natur geht. Das Thema war spätestens 2019 in Gesellschaft und Politik angekommen, als Hunderttausende freitags auf die Straße gingen, um für mehr Klimaschutz zu protestieren.

Matthias Glaubrecht stellt fest: „Zwar steht das Klima nach den Schocks von Pandemie und Inflation, Krieg in der Ukraine und der durch russische Aggression und chinesische Expansion ausgelösten geopolitischen Sachlage nicht mehr allein im Zentrum der Aufmerksamkeit. Dafür rücken die Wettersysteme umso nachdrücklicher in den Blick, wenn sie uns mit ihren Extremen wie Hitze, Starkregen oder Stürmen buchstäblich um die Ohren fliegen.“ Tatsächlich, so die aktuellen Meldungen, waren nicht nur das Jahr 2023, sondern auch 2024 due wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen und zugleich die nassesten. Quelle: „Das stille Sterben der Natur“ von Matthias Glaubrecht

Von Hans Klumbies