Viele Hochkulturen sind an Umständen gescheitert, die sie selbst zu verantworten hatten. In keiner dieser Gesellschaften erkannte man die Zusammenhänge. Stefan Klein nennt bei Beispiel: „Die Indus-Zivilisation im heutigen Pakistan etwa gehörte zu den drei frühesten Hochkulturen überhaupt. Sie war wohl auch die erste Zivilisation, die durch eine selbstverschuldete Umweltkatastrophe zugrunde ging. Das geschah um die Wende zum zweiten Jahrtausend vor Christus.“ Die Gelehrten in den prächtigen Städten am Indus, wo die Häuser sogar wassergespülte Toiletten hatten, ahnten nicht, warum die Ernten ausblieben. Die Gründe ähnelten, wie man heute weiß, denen, die auch den Niedergang der Maya bewirkten. Zu intensiver Ackerbau erodierte die Böden, Rodung der Wälder verringerte die Niederschläge. Stefan Klein zählt zu den erfolgreichsten Wissenschaftsautoren der deutschen Sprache. Er studierte Physik und analytische Philosophie in München, Grenoble und Freiburg.
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Passende Bücher bei Amazon findenDas römische Weltreich erstickte an seinem eigenen Erfolg
Als dann auch noch ein Klimawandel den Zyklus der Monsunregen störte, kollabierte die Landwirtschaft und mit ihr die Städte. Selbst die Geschichtsschreiber im römischen Weltreich begriffen nicht, was geschah. Bedeutende spätantike Historiker wie Ammianus Marcellinus erkannten zwar, dass die Tage des Imperiums gezählt waren. Stefan Klein erklärt: „Doch sie führten den Niedergang auf den Verlust alter Tugenden, Korruption und Einfälle von Barbaren zurück.“
Sie übersahen, dass diese Zustände eher Symptome als Ursachen der Machtauflösung waren. Heute gilt als gesichert, dass weder Dekadenz noch Reitervölker aus dem Osten das Imperium zerstörten. Stefan Klein ergänzt: „Vielmehr erstickte das römische Weltreich an seinem eigenen Erfolg. Die Besetzung immer größerer Gebiete verschlang immer höhere Kosten, welche die Steuereintreiber ab dem dritten Jahrhundert nach Christus nicht mehr aufbringen konnten. Hinzu kam ein Wirtschaftssystem, das auf Ausplünderung der Provinzen angelegt war.“
Die Menschen stürzten blind in die Katastrophe
Die römischen Ingenieure glänzten im Bauwesen und konstruierten geniale Maschinen für das Militär; bessere Technik für eine Industrie oder eine produktivere Landwirtschaft dagegen schien niemanden zu interessieren. Stefan Klein stellt fest: „So bewirtschaftete man im Rom der Kaiserzeit die Äcker noch immer mit weitgehend denselben primitiven Werkzeugen wie tausend Jahre früher zur Zeit Alexander des Großen.“ Die Großgrundbesitzer hatten ja Sklaven. Wenn es ihnen an Arbeitern mangelte, lag das Land brach, mit der Folge, dass der Staat noch weniger Steuern einnahm.
So wurden ausgerechnet die Gewohnheiten, die das Imperium groß gemacht hatten, zu einem Fluch. Das Weltreich musste enden, weil seine Gesellschaft unfähig war, sich zu verändern. Stefan Klein erläutert: „Der Niedergang des Römischen Reichs, die Hungersnöte am Indus, der Untergang der Maya und der Zusammenbruch vieler anderer Zivilisationen haben eines gemeinsam: Die Menschen stürzten blind in die Katastrophe.“ Sie konnten das Unglück nicht abwenden, weil sie weder die Situation noch ihren eigenen Beitrag daran verstanden. Quelle: „Aufbruch“ von Stefan Klein
Von Hans Klumbies
