Die Hoffnung unterscheidet sich von den meisten anderen Gefühlen

Inwieweit Hoffnung als ein Gefühl bezeichnet werden muss, hängt natürlich davon ab, was man unter „Gefühl“ versteht. Lars Svendsen erklärt: „In der Alltagssprache wird Hoffnung oft als ein Gefühl beschrieben, und sie hat zweifellos emotionale Aspekte, unterscheidet sich aber auch von den meisten anderen Gefühlen, da bei ihr die Rationalität so stark involviert ist.“ Wenn Lars Svendsen hofft, dass der Kleptokrat Wladimir Putin die Macht verliert, bedeutet das mehr, als wenn er es nur wünsche – es beinhaltet auch, dass er sich die reale Möglichkeit, dass dies geschieht, vorstellen kann und mitunter auch Gedanken dazu hat, was erforderlich ist, damit es geschehen kann. Lars Frederik Händler Svendsen ist Philosoph und Professor für Philosophie an der Universität Bergen. Seine Werke wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt und mehrfach ausgezeichnet.

Das Gefühl gibt der Hoffnung seinen besonderen Klang

Noch deutlicher tritt dieser Aspekt womöglich hervor, wenn von „Verlierern der Hoffnung“ die Rede ist. Lars Svendsen erläutert: „Die Hoffnung zu verlieren kann nicht als deckungsgleich damit beschrieben werden, dass nur ein bestimmtes Gefühl verschwunden ist. Hoffnung basiert auch auf Gründen, und verliert man die Hoffnung, so hat man auch einen oder mehrere Gründe verloren, zu hoffen.“ Der österreichische Philosoph Ludwig Wittgenstein stellt die Frage, ob das Gefühl dem Ausdruck „Hoffnung“ erst seine Bedeutung verleiht.

Ludwig Wittgenstein schreibt: „Das Gefühl gibt dem Wort „hoffen“ vielleicht seinen besonderen Klang; das heißt, es hat seinen Ausdruck im Klang. Wenn das Gefühl dem Wort seine Bedeutung gibt, so heißt „Bedeutung“ hier: das, worauf es ankommt.“ Es mag eindeutig erscheinen, dass die Hoffnung ein Gefühl ist, und trotz allem sagen wir, dass wir uns hoffnungsvoll fühlen. Die Alltagssprache unterscheidet nicht so klar zwischen dem, was Gefühle sind und was nicht.

Der Ausdruck „Gefühl“ bezeichnet eine große Vielfalt an Phänomenen

So sind Angst und Wut paradigmatische Beispiele für Gefühle, während Überraschung eher ein Grenzphänomen darstellt. Lars Svendsen stellt fest: „Der Ausdruck „Gefühl“ bezeichnet eine große Vielfalt an Phänomenen, die von Schmerz, Hunger und Durst bis zu Eifersucht, Neid und Liebe reichen, wobei die erstgenannten eher körperlich und die letztgenannten eher gedanklich sind.“ Einige ziehen davon ausgehend eine Grenze zwischen „Gefühlen“ und „Emotionen“.

Dabei sind erstere eher physisch und letztere eher mental. Jedoch ist umstritten, inwieweit eine solche Grenze besonders klar gezogen werden kann. Lars Svendsen selbst bezweifelt, ob es eine gute Definition gibt, die notwendige und hinreichende Bedingungen dafür anführt, dass etwas ein Gefühl ist. Vereinzelt wird Hoffnung als eine Form von Freude kategorisiert, jedoch sind diese beide eindeutig verschieden. Oft wird eine Hoffnung überhaupt nicht gefühlt, besonders, wenn das, worauf wir hoffen, nicht von sonderlich großer Bedeutung für uns ist. Quelle: „Philosophie der Hoffnung“ von Lars Svendsen

Von Hans Klumbies