Die Generation Y mischte am Ende Arbeit und Freizeit extrem intensiv

Work-Life-Fit nennt sich das Modell, nach dem viele Angehörige der Generation Y streben: Freizeit, Privates und Arbeit sollten sich wie ein Puzzle ineinanderfügen. Rüdiger Maas weiß: „Dies wussten viele Arbeitgeber schnell für sich zu nutzen: Mach ein Praktikum bei uns, such deinen Sinn und arbeite gleich bis zehn Uhr abends. Und dann lass uns noch gemeinsam ein Feierabendbier trinken.“ Latte Macchiato mit laktosefreier Biomilch wird tagsüber gestellt, dafür soll man seine E-Mail bitte auch nach Dienstschluss checken, falls einen solchen überhaupt gibt. Gehalt bekommt man dann nach dem Praktikum, falls man übernommen werden sollte. Die Generation Y mischte am Ende Arbeit und Freizeit so intensiv, dass aus Work-Life-Balance schließlich ein Work-Life-Blending wurde. Rüdiger Maas studierte in Deutschland und Japan Psychologie. Er ist Gründer und Leiter eines Instituts für Generationenforschung.

Die Generation Z fordert eine klare Trennung zwischen Arbeit und Freizeit

Dabei entstand ein Zustand, in dem sich Arbeit und Privates ohne jegliche Grenzen miteinander verschmolzen sind. Rüdiger Maas stellt fest: „Die Nachfolgegeneration Z möchte nicht so enden und beansprucht eine klare Trennung zwischen Arbeit und Freizeit: Work-Life-Separation. 73 Prozent der Zler fordern nach unseren Umfragen die Abgrenzung von Beruf und Freizeit.“ Die Forderungen der Generation Y – wenn man davon überhaupt sprechen möchte – waren für alle Unternehmer annehmbar und umsetzbar.

Die neuen Mitarbeiter waren bereit vieles zu opfern. Keiner hatte ein Problem mit Praktika, erst eins, dann zwei und ja, manchmal auch fünf, solange es dem persönlichen Empfinden nach dem Lebenslauf Sinn machte oder finanzierbar war. Daher wurde laut Rüdiger Maas mit dem ersten richtigen Job verhältnismäßig spät begonnen. Eine Folge des langen „Ausprobierens“. Allerdings gehen die Angehörigen der Generation Y am Ende leer aus. Die Generation Y ist die am besten ausgebildete Generation, die jedoch im Verhältnis am schlechtesten bezahlt wird.

Viele Kinder sind so unsicher wie keine Generation zuvor

Die Sinnsuche der Millennials – so wird die Generation auch genannt, da sie um die Jahrtausendwende aufwuchs – hat sich zumindest finanziell nicht gerechnet. Rüdiger Maas erklärt: „Auch die Generation Y will, dass es ihren Kindern einmal besser geht. Aber diese Generation ist sich unsicher, was das Bessere sein könnte.“ Aus einem ständigen Sicherheitsbedürfnis heraus und dem Wunsch, alles richtig zu machen, geben viele Curling- oder Rasenmäher-Eltern heute ihren Kinder gar keine Chance mehr, Dinge selbst zu entdecken.

Alle Herausforderungen werden für sie weggewischt oder weggemäht, damit das Kind freie Bahn hat und Probleme gar nicht erst auftreten. Rüdiger Maas erläutert: „Es ist ein Cocktail aus Optionsvielfalt, dem Überfluss an Schreckensnachrichten in den Medien, den unrealistischen Einschätzungen tatsächlicher Gefahren, dem Wohlstand, der viele Optionen erst ermöglich hat, und die Erziehung der Eltern, der dazu führte, dass viele Kinder so unsicher sind wie keine Generation zuvor.“ Quelle: „Generations lebensunfähig“ von Rüdiger Maas

Von Hans Klumbies