Tatsächlich erinnert der zeitgenössische Moment, der oft als „Multi-Krise“ bezeichnet wird, an den Untergang des altern Roms, der sich über rund 300 Jahre erstreckte, also weit über ein Menschenleben hinaus. Kaum einer wird prognostizieren können, wohin die derzeitige Zeitenwende Europa und die Welt treibt. Ulrike Guérot erklärt: „Vier Faktoren, die gemeinhin als Auslöser für den Zerfall des Römischen Imperiums gelten: Dekadenz, äußere Bedrohung, Klima und Bürgerkrieg, lassen sich unschwer auch heute diagnostizieren, und dies entspricht mithin einer typischen Verbindung von Transformation und Katastrophe, dien phänotypischen Elementen jedes Krisengeschehens, das heute wie damals apokalyptisch daherkommt.“ Seit Herbst 2021 war Ulrike Guérot Professorin für Europapolitik der Rheinischen-Friedrichs-Wilhelms Universität Bonn. Ende Februar 2023 wurde ihr Arbeitsverhältnis wegen Verletzung wissenschaftlicher Standards durch die Universität Bonn gekündigt.
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Passende Bücher bei Amazon findenEin Wechsel von der Ideologie zur Vernunft ist dringend notwendig
Apokalypse heißt übrigens, „mit einem Schrei die Lüge der Welt benennen“. Die isländische „Lieder-Edda“, ein uraltes Sagen- und Heldenepos, hat hierzu allegorisch viele interessante Dinge zu sagen. Wenn die Lüge sichtbar wird, platzt die alte Welt. Ulrike Guérot stellt fest: „Die Dekadenz ist heute „linksgrün-versifft“, die Katastrophe oder Bedrohung wahlweise die AfD oder Wladimir Putin, das Klima ändert sich und ein Bürgerkrieg zwischen polarisierten gesellschaftlichen Gruppen liegt gleichsam in der Luft.“
Dies alles zu durchleben, ist die Zeitenwende und dafür, dass wir gut durch die Apokalypse kommen, also die Lügen nicht platzen lassen, gibt es jetzt 800 Milliarden. Ulrike Guérot ergänzt: „Preiswerter wäre es wahrscheinlich, wenn wir es einfach mal mit der Wahrheit versuchten, ohne Hysterie und ganz unaufgeregt: Umweltschutz statt Klimahysterie, Frieden statt Krieg, Denken statt KI.“ Kostet nicht viel, würde uns aber abverlangen, von unserem Glauben abzufallen, genauer: von unserer Ideologie! Anders formuliert, es würde uns abverlangen, zur Vernunft zurückzukommen.
In Zeitenwenden fällt die Geschichte über das Leben der Menschen her
„Zeitenwende“ ist ein Wort, das in den letzten Wochen und Monaten so oft benutzt wurde, dass man es nicht mehr hören kann – gewissermaßen die Neuauflage von „alternativlos“. Ulrike Guérot fügt hinzu: „Zeitenwende sagte Olaf Scholz 2022 anlässlich des russisch-ukrainischen Krieges: „Wir erleben eine Zeitenwende. Und das bedeutet: Die Welt danach ist nicht mehr dieselbe wie die Welt davor.“ Zeitenwende sagten viele zu Jahresbeginn 2025, als Donald Trump vereidigt wurde und so viele Dekrete pro Tag unterschrieb, dass einem vom bloßen Zuschauen schwindelig werden konnte.“
Kaum ein politischer Kommentar anlässlich der Münchener Sicherheitskonferenz Mitte Februar 2025, der ohne das Wort „Zeitenwende“ auskam: Zäsur. Epochenbruch. Neubeginn. Aufregung! Ulrike Guérot erläutert: „Kaum morgens aufgewacht, war man schon in der Welt von gestern. Stefan Zweig lässt grüßen: Aber die schlimmen Nachrichten häufen sich und werden immer bedrohlicher.“ Zeitenwenden entziehen sich der Politik. Es sind Momente, in denen die Geschichte über das Leben der Menschen herfällt, in denen die Geschichte fast physisch in ihren Alltag eindringt: Wenn Krieg ist, wird die Weg zur Arbeit ein „statement“ vorgetäuschter Normalität. Quelle: „Zeitenwenden“ von Ulrike Guérot
Von Hans Klumbies
