Michaela Brohm-Badry schreibt: „Die Überbrückung der Einsamkeit, die Verbundenheit mit einzelnen Menschen oder auch großen Gruppen ist, was tiefe menschliche Beziehungen ausmacht. Bezüglich aller drei Grundbedürfnisse, also dem nach Autonomie, Kompetenzerleben und Verbundenheit, können wir festhalten, dass, wenn diese befriedigt werden, die Energie, sich zu entfalten, wächst.“ Aus philosophischer Sicht geht es dabei um eine selbstbestimmtes Leben. Die Entfaltung des Selbst ist ein erfüllendes Erlebnis. Menschen wollen wachsen. Nun stellt sich aber dann die Frage, wohin? In welche Richtung? Auf der Grundlage der humanistischen Philosophie und Psychologie sowie der Motivationspsychologie kommen wir zu ähnlichen Lebenszielen, die es lohnt, anzusteuern. Prof. Dr. Michaela Brohm-Badry ist Professorin für Lernforschung. Sie war langjährige Dekanin des Fachbereichs Erziehungs- und Bildungswissenschaften, Philosophie und Psychologie an der Universität Trier.
Die Liebe zum Leben fördert das persönliche Wachstum
Andere Absichten lohnen sich kaum oder wirken sogar destruktiv auf unser Selbst. Michaela Brohm-Badry erklärt: „Zunächst können wir einfach mit Erich Fromm davon ausgehen, dass es keine höhere Macht als die des einzigartigen Selbst gibt und dass das Ziel der Realisierung der Individualität niemals anderen Zwecken untergeordnet werden darf.“ Er geht davon aus, dass es innere und äußere Impulse gibt. Äußerlich bleibt all das, was außerhalb unseres Selbst liegt, wie Reichtum, Prestige und Position.
Dies hätte mit der Stärke der eigenen Person nichts zu tun, da die Fokussierung auf dieses eher das eigentliche Wachstum des Menschen in Lebendigkeit, Geist und Liebe behindert. Michaela Brohm-Badry ergänzt: „Daher ist dieses eher als uneigentlich menschlich zu verstehen – also zutiefst dem Menschen fremd, weil Geld, Macht, Position und anderes nur Mittel zum Zweck sind, also funktionalisiert werden für andere Zwecke.“ Das Leben aber ist Selbstzweck, um sich zu ändern, zu wachsen, sich zu entwickeln, bewusster und wacher zu werden, wenn man das Leben wirklich liebt.
Es gibt selbstbestimmte und fremdbestimmte Bedürfnisse
Die ursprünglich von Aristoteles stammenden und von den humanistischen Philosophen aufgenommenen Gedanken zu verschiedenen Lebenszielen finden sich im Kern noch in aktuellen Konzepten der Lebensplanung. Michaela Brohm-Badry erläutert: „In der Motivationsforschung werden intrinsische und extrinsische Motivationslagen unterschieden. Liegt der Anreiz der Tätigkeit in der Freude am Tun selbst – rechnen, schreiben, laufen, musizieren und so weiter –, so liegt der Handlungseffekt in der Gegenwart, in der Person selbst und ist an das Erlebnis gebunden, also intrinsisch motiviert.“
Liegt der angestrebte Zielzustand hingegen außerhalb der Handlung selbst – zum Beispiel Gehaltserhöhung, Anerkennung durch die Chefin, Hoffnung auf Lob, Abwendung von Bestrafung oder Tadel und ähnliches –, so ist der Fokus an die positiven Konsequenzen oder das Ausbleiben von befürchteten negativen Konsequenzen gebunden, liebt damit außerhalb der Person und außerhalb der eigentlichen Handlung. Diese ist somit extrinsisch motiviert. Die Selbstbestimmungstheorie baut darauf auf und unterscheidet zwischen intrinsischen – eigenen, selbstbestimmten – und extrinsischen – fremdbestimmten – Bedürfnissen. Quelle: „Aufbrechen“ von Michaela Brohm-Badry
Von Hans Klumbies
