Noch ein anderer CSU-Mann darf in einer Reihe der fehlbaren Politiker nicht fehlen: Karl-Theodor von Guttenberg, der frühere Wirtschafts- und Verteidigungsmister. Auch er hat einen ähnliche Art des Fehlerumgangs wie Andreas Scheuer oder Host Seehofer an den Tag gelegt, ist aber nicht damit durchgekommen. Helene Bubrowski vermutet: „Die Enthüllung über seine plagiierte Doktorarbeit, die seine politische Karriere beendet hat, hätte er vielleicht überstanden, wenn er seinen Fehler nicht erst abgestritten und dann bagatellisiert hätte.“ Seine Rechtfertigung bleibt unvergessen: Die Arbeit sei „über etwa sieben Jahre neben meiner Berufs- und Abgeordnetentätigkeit als junger Familienvater in mühevollster Kleinarbeit entstanden“. Es ist kein Zufall, dass wir so oft bei derselben Partei landen. Die CSU pflegt wie keine andere das Image, die Partei der Unbeugsamen zu sein. „Mia san mia“. Helene Bubrowski arbeitet als Politikkorrespondentin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Berliner Hauptstadtbüro.
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Daran gibt es aber durchaus Kritik. Von Volker Ullrich zum Beispiel, auch er ist CSU-Mann, Rechtspolitiker aus Augsburg. Helene Bubrowski erklärt: „Er warnt seine Parteifreunde davor, es mit den Klischees zu übertreiben. Zugezogene können damit gar nichts anfangen und jüngere Leute auch nicht viel.“ Besonders ärgert ihn, dass manche Parteifreunde die große Zeit der CSU darauf zurückführen, dass sie den „neumodischen Quatsch“ damals nicht mitgemacht habe, Themen wie Fühlerkultur gar keine Rolle gespielt hätten.
Volker Ullrich sagt: „Dass die CSU früher 50 Prozent geholt hat, lag nicht an der Breitbeinigkeit oder lautstarkem rhetorischen Getöse, sondern schlichtweg am guten Regieren. Das übersehen manche gern.“ Die „Rambos“ in der Politik gibt es in allen Parteien. Es sind häufig jüngere Männer als Frauen, eher Ältere als Jüngere. Immer mit Vollgas in die Kurve, bis man irgendwann rausfliegt. Gerhard Schröder verkörperte die Prototyp. Mit den Jahren hat sich diese Zug bei ihm noch verstärkt.
Gerhard Schröder würde heute Fehler nicht mehr zugeben
Anders als bei seinem Auftritt im Bundestag würde er heute nicht einmal als taktischen Gründen Fehler zugeben. Helene Bubrowski stellt fest: „Selbst nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine war er nicht bereit, sein Verhältnis zu Russland zu überdenken.“ „Ich mache jetzt nicht einem auf mea culpa. Das ist nicht mein Ding“, sagte er der „New York Times“ im April 2022. Immerhin ehrlich, könnte man sagen. Oder auch: Ihm ist nichts mehr peinlich. Dann hat er auch noch den Bundestag verklagt, um seine Privilegien als Altkanzler wiederzubekommen, die ihm der Haushaltsausschuss entzogen hatte.
Gerhard Schröder läuft mittlerweile außer Konkurrenz. Frauen sind selbstkritischer als Männer, manchmal zu selbstkritisch. Christine Lamprecht ist allerdings der Beweis dafür, dass es auch weibliche Rambos gibt. Helene Bubrowski erläutert: „Sie hatte, um es vorsichtig zu sagen, eine holprigen Start als Verteidigungsmisterin, nach einem guten Jahr im Amt hatte sie ihre Autorität vollends verspielt, hat aber nach ihrer Rücktrittserklärung mit keiner Silbe anklingen lassen, dass sie auch einen Anteil bei sich sieht.“ Quelle: „Die Fehlbaren“ von Helene Bubrowski
