Die Autokratien haben sich auf Streit und Kampf vorbereitet

Auf eine friedliche Weltordnung zumeist die Demokratien gesetzt, während die Autokratien sich auf das Wiederaufflammen von Streit und Kampf vorbereitet haben. Herfried Münkler ergänzt: „Die Beharrlichkeit der mit einer bestimmten geopolitischen Ordnungsvorstellung verbunden mit politischer Gegnerschaft durch ökonomische Konkurrenz zeigt sich bis heute in der Aversion vieler gegen den Begriff der Feindschaft.“ Sie verweigern sich grundsätzlich einem politischen Denken in den Kategorien von Feindschaft, selbst da, wo man es tagtäglich mit feindseligen Handlungen und Drohungen eines autokratischen Machthabers zu tun hat, und bestehen darauf, dass der Begriff dafür verantwortlich sei, wenn das von ihm so Begriffene zur Realität werde. Herfried Münkler ist emeritierter Professor für Politikwissenschaft an der Berliner Humboldt-Universität. Viele seiner Bücher gelten als Standardwerke, etwa „Imperien“ oder „Die Deutschen und ihre Mythen“.

Die aktuellen Bündnisse sind nicht so fest wie sie es früher waren

Es handelt sich hier um eine Art magischem Denkens, das glaubt, durch das Vermeiden von Worten und Begriffen die Realität in seinen Bann schlagen zu können. Herfried Münkler stellt fest: „Nach alldem, was zurzeit erkennbar ist, wird der Widerstreit der großen Mächte einer zwischen den demokratischen Verfassungsstaaten und den autoritär-autokratischen Regimen sein.“ Dieser Gegensatz von Demokratien und Autokratien ist sicherlich nicht strikt polar und auch nicht immer eindeutig. Sondern in ihm spielen sowohl die diversen Facetten des demokratischen Rechtstaats als auch die der autoritären Regime eine Rolle.

Dies alles verdichtet sich in Bündnissen, die nicht so fest und unverbrüchlich sind, wie es die des Kalten Krieges waren. Herfried Münkler fügt hinzu: „Es gibt ihnen offenbar die Möglichkeit des Bündniswechsels und damit ein globales Ringen um Zugehörigkeiten. Dieses Ringen wird unter Einsatz von politischer, wirtschaftlicher, militärischer und kultureller Macht ausgetragen.“ Es wird sich vermutlich über Jahrzehnte hinziehen, und für den Ausgang dürfte entscheidend sein, welche von beiden Seiten besser in der Lage ist, die von ihr formierten Bündnisse zusammenzuhalten und sie auf die sich dynamisch verändernden Rahmenbedingungen einzustellen.

Die Demokratie im 21. Jahrhundert ist fragil

Es gibt keinen Grund zu der selbstgewissen Annahme, der Sieger werde ein weiteres Mal, wie 1945 und 1989, der demokratische Verfassungsstaat sein. Herfried Münkler erklärt: „Wenn historische Analogien bemüht werden, so ist die eines Kampfes zwischen Demokratien und faschistischen Regimen in den 1930er und 1940er Jahren näherliegend als die des friedlichen Zusammenbruchs der Sowjetunion am Ende der 1980er Jahre.“ Auch ist dabei zu beachten, dass beim Sieg über die faschistischen Regime am Ende des Zweiten Weltkriegs ebenfalls ein totalitäres System, nämlich die stalinistische Sowjetunion, eine wichtige Rolle gespielt hat.

Ob die Demokratien des Westens damals allein den Sieg hätten erringen können, ist durchaus fraglich, zumal wenn man die Möglichkeit in Betracht zieht, dass das Bündnis der Diktatoren, der Hitler-Stalin-Pakt, hätte Bestand haben können. Herfried Münkler weiß: „Die Demokratie im 21. Jahrhundert ist fragil, steht im ständigen Widerstreit mit Autokratien; offene Gesellschaften bleiben leicht verwundbar und sind daher auf Möglichkeiten angewiesen, Resilienzen auszubilden.“ Quelle: „Macht im Umbruch“ von Herfried Münkler

Von Hans Klumbies