Die Arbeit ist durchdrungen von dem Streben nach Dingen

Liebe bezieht sich in den allermeisten Fällen auf den Anderen – sei es der Vater oder Mutter, Sohn oder Tochter, der oder die Geliebte. Peter Trawny fügt hinzu: „Wir haben es mit lebendigen Individuen zu tun, die wir auch so behandeln. Gerade die Liebe sorgt dafür, dass wir uns für die Wünsche und Begehren, die Bedürfnisse und Erwartungen des Anderen interessieren. Niemals kämen wir auf die Idee, dass der oder die Andere – ein Ding wäre.“ Dagegen muss man einräumen, dass eine unserer ersten Tätigkeiten vor allem den Dingen gilt: das Arbeiten nämlich. Anders gesagt: Die ökonomische Sphäre unseres Lebens ist ganz und gar durchdrungen von Dingen und dem Streben nach ihnen. Peter Trawny gründete 2012 das Matin-Heidegger-Institut an der Bergischen Universität in Wuppertal, dessen Leitung er seitdem innehat.

Fetische werden weit ihren Nutzen wertgeschätzt

Das beginnt mit einfachen Dingen wie Lebensmittel, endet im Luxus wie Autos, Yachten, Uhren, Kunstwerken oder kostbarer Kleidung. Es ist sinnlos zu leugnen, dass dieses Streben nach Dingen zuweilen bedrohlich erscheint. Peter Trawny fragt: „Lebt eine Wirtschaft des Reichtums – die des Kapitalismus, der ewiges Wachstum will und Reichtum für die meisten verspricht – nicht von einem Begehren des Dinges, ja, um es unmittelbar auszusprechen: einer Liebe zum Ding?“

Diese Liebe zum Ding betrachtet es nicht mehr im Zusammenhang seines Nutzens. Peter Trawny nennt ein Beispiel: „Ein Weinglas ist zum Trinken von Wein da. Gewiss gibt es schönere, feinere Gläser, aus denen wir womöglich lieber trinken als aus anderen. Doch wenn das Glas gleichsam zum Heiligen Gral wird, verändert sich unser Verhältnis zum Ding fundamental.“ Einen Gegenstand oder ein Ding, das weit über seinen Nutzen hinaus wertgeschätzt und verehrt wird, nennt man Fetisch.

Der Mann macht die Frau zu einem „Sexualobjekt“

Karl Marx hat den „Fetischcharakter der Warenwelt“ erkannt. Man spricht der Ware, den Dingen, einen „mystischen Charakter“ zu, offenbar fließt in diese Liebe zum Ding ein religiöses Element ein. Viele Menschen finden das feine und schöne Ding kostbar, besehen es schüchtern und doch stolz, beten es an; man denke nur daran, wie machen Männer ihren Sportwagen betrachten, mit welch hingebungsvoller Liebe. Sigmund Freud schreibt in seinem Aufsatz „Fetischismus“: „Schließlich darf man es aussprechen, das Normalvorbild des Fetisch ist der Penis des Mannes, wie das des minderwertigen Organs der reale kleine Penis des Weibes, die Klitoris.“

Peter Trawny erläutert: „Der Fetisch entspricht demnach bestimmten sexuellen Sachverhalten oder, besser, der symbolischen Übertragung bestimmter Dinge, die in der genitalen Sexualität entscheidende Rollen übernehmen.“ Für Sigmund Freud ist die Sache nicht sehr kompliziert. Der Mann macht die Frau zu einem „Sexualobjekt“, indem er Verschiedenes fetischisiert: Lingerie, Schuhe, Pelze. All das ist das Begehren der Erektion, eine Begehren nach Erektion. Quelle: „Philosophie der Liebe“ von Peter Trawny

Von Hans Klumbies