Freiheit und Gleichheit bedingen sich gegenseitig. Volker Gerhardt erläutert: „Erst im Bewusstsein der Gleichbehandlung durch das Gesetz, auf das jeder entweder so oder anders reagieren kann, kommt die Freiheit der eigenen Entscheidung eines politisch eingebundenen Einzelnen zu Bewusstsein.“ Herodot, so viel ist sicher, nimmt die Anfänge der Philosophie in Griechenland aufmerksam wahr und ist auch mit dem Abstraktionsgewinn der ionischen Denker vertraut. Xenophanes, Heraklit und Anaxagoras führen vor Augen, wie sicher sie bereits mit Begriffen wie Gott, Natur, Mensch und Geist umzugehen verstehen. Sie denken die Individualität der Dinge und Menschen als zugehörige Momente der Universalität des Kosmos und können somit auch die Freiheit der Einzelnen mit dem allgemeinen Gesetz des Staates zusammendenken. Volker Gerhardt lehrte bis 2012 als Professor für Philosophie an der Humboldt-Universität Berlin. Dort ist er auch weiterhin als Seniorprofessor tätig.
Passende Literatur zu diesem Thema:
Aktuelle Angebote zu "Die Anfänge der Philosophie entwickeln sich in Griechenland"
Passende Bücher bei Amazon findenDie Griechen und Perser begreifen den Staat als menschliche Institution
Die Schilderung des Herodot gibt zu erkennen, dass man sich bereits zu seiner Zeit klargemacht hat, dass Freiheit und Gleichheit nicht voneinander zu trennen sind und damit auch der innere Zusammenhang von Freiheit, Gleichheit und Gesetzlichkeit durchschaut ist. Volker Gerhardt stellt fest: „Im Vergleich mit Aristokratie und Monarchie ist Demokratie ein begriffliches Schwergewicht.“ Bemerkenswert ist auch die machtpolitische Nüchternheit, mit der im Bericht des Herodot über die Herrschaftsformen diskutiert wird.
Der Staat wird weder als gottgegeben angesehen, noch hat er seinen Grund in einer Natur, der sich der Mensch bedingungslos zu fügen hat. Volker Gerhardt ergänzt: „Weder das Reich der Perser noch die griechische polis werden als Ausdruck einer höheren Ordnung angesehen, in der die Regierenden einer besonderen Weihe bedürfen.“ Man begreift den Staat vielmehr als menschliche Institution, in der die Menschen Schutz und Förderung suchen und dennoch für sich selbst zuständig bleiben.
Die Vorsokratiker setzen beim Weltverständnis auf Rationalität
In dieser säkularen Einschätzung darf man einen wesentlichen Niederschlag der Rationalisierung des menschlichen Weltverhältnisses durch die Vorsokratiker sehen. Volker Reinhardt erklärt „Hier zeigt sich der Ertrag der sich in epochaler Gleichzeitigkeit entwickelnden Wissenschaften. Hier wären die Mathematik, die Astronomie und Physik einschließlich der ionischen Naturphilosophie in der Nachfolge des Thales von Milet zu nennen.“
Die Humanisierung des Selbst- und Weltdenkens, die sich in der Gleichzeitigkeit von Individualisierung und Universalisierung vollzieht, findet ihren Niederschlag im Verständnis des Staates als einer Einrichtung von Menschen für Menschen. Volker Gerhardt fügt hinzu: „Die Menschen sind Individuen, die im politischen Kontext die Gesamtheit eines Volkes in der Form einer Menge von Menschen bilden. In der Menge bleiben sie aber weiterhin Individuen, die ihren Freiheitsanspruch nicht dadurch aufgeben, dass sie untereinander gleich sind.“ Quelle: „Individuum und Menschheit“ von Volker Gerhardt
Von Hans Klumbies
