Deregulierung nährt den Populismus

Im Zeichen des Neoliberalismus hatten westliche Demokratien die Bankenwelt dereguliert. Roger de Weck fügt hinzu: „2008 mussten sie aber – da eine Katastrophe drohte und es keinen Ausweg gab – Milliardenverluste schultern.“ Seither bedrückt viele Bürger ein halb bewusstes, halb unterschwelliges Gefühl demokratischer Ohnmacht. Die Harvard-Ökonomen Carmen M. Reinhart und Kenneth S. Rogoff haben Dutzende Bankenkrisen untersucht. Das Bankwesen solle man aggressiv regulieren. Denn sonst entflamme die Spekulation, die in Verwerfungen resultiere, empfehlen sie. Nach 2008 folgte man ihrem Rat. Aber nur kurze zehn Jahre lang und auch nur für die Geschäftsbanken. Nicht für das riesige „Schattenbankensystem“ der Fonds und Vermögensverwalter wie Blackrock. Von Neuem deregulierte nun Donald Trump die amerikanischen Banken, obwohl viele von ihnen zu wenig flüssige Mittel haben und zuweilen Geldspritzen der Federal Reserve benötigen. Roger de Weck ist ein Schweizer Publizist und Ökonom.

Deregulierungen der Banken sorgen für Enthemmungen

Roger de Weck stellt fest: „Die Wall Street freut`s, andere Finanzplätze fordern Gleichbehandlung.“ Weltweit zögert darum die Politik, dem nach wie vor anfälligen Bankwesen strengere Auflagen zu machen. Ohne das Finanz- und Demokratieversagen von 2008 hätte es vermutlich keinen amerikanischen Präsidenten Donald Trump gegeben. Doch seinetwegen könnte es noch ein zweites, hoch heftigeres „2008“ geben. Denn in der Bankenwelt sind Deregulierungen nichts anderes als Enthemmungen.

Diese ziehen eine Kette von Krisen nach sich. Die nächste Katastrophe des Laisser-faire wird abermals Geld und Vertrauen kosten, rund um den Globus. Dann geraten liberale wie illiberale Demokratien in arge Bedrängnis. Die Autoritären dürften bei Bedarf noch autoritärer werden, um sich zu halten. Un die Demokratien: Erholt sich die liberale Demokratie von einem abermaligen Versagen. Im Jahr 2016 stimmten 46 Prozent der Amerikaner für Donald Trump, der dank des Wahlsystems siegte.

Jede Krise führt den Reaktionären Wähler zu

Bei vielen US-Bürgern war das Vertrauen in die liberale Demokratie erschüttert. Worauf Donald Trump nun neue Vertrauensverluste programmierte. Ein Teufelskreis. Doch den Reaktionären ist das recht, weil jede weitere Krise ihnen Wähler zuführt. Gerät der Ultrakapitalismus in Nöte, stürzt er die ihm ergebene Politik ins Unglück. Mit den liberalen Ökonomen kommt die liberale Demokratie ins Schleudern. Zumal wenn ein Teil der Geschäftswelt weiter so tut, als wäre 2008 nichts Schlimmes geschehen.

Dabei hat die Finanzkrise einen beispiellosen Umbruch der politischen Landschaft nach sich gezogen, wie ihn die westliche Welt nach dem Zweiten Weltkrieg nicht erlebt hatte. Der Erschütterung der Ökonomie folgte der Erdrutsch in der Politik. Die Iden des März? Vorbote der Krise war im März 2000 das Bersten der sogenannten „Dotcom-Blase“ von jungen Internetfirmen gewesen. Dieser Kollaps der digitalen New Economy ruinierte Kleinanleger, die den neoliberalen Schalmeienklängen verfallen waren. Quelle: „Die Kraft der Demokratie“ von Roger de Weck

Von Hans Klumbies

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