Das Titelthema des neuen Philosophie Magazin 03/2026 lautet: Staat, was darfst du von mir fordern? Eine Frage von höchster Brisanz. Und großem philosophischen Ernst. Auch in Deutschland wächst das Misstrauen gegenüber politischen Eliten und staatlichen Institutionen. Das Staat und das Volk, eigentlich als Union gedacht, stehen sich, so scheint es, zunehmend feindlich gegenüber. Und auch der Ton gegenüber Menschen, die gar nicht oder wenig arbeiten, wird rauer. Teile der CDU brandmarkten Teilzeit als „Lifestyle“. So dringt die Politik immer tiefer in das Leben jedes Einzelnen. Zu Recht? Oder zu Unrecht? Hat der Staat inzwischen selbst den Anspruch Souverän zu sein? Zeigt er gar Züge der Leviathans, wie Thomas Hobbes ihn entwarf? Eines allmächtigen Staates, der jenen Sicherheit garantiert, die sich ihm unterwerfen?
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Passende Bücher bei Amazon findenDie Spielräume für das menschliche Handeln verschwinden überall
Mit der Zunahme an Krisen tritt der Staat aus der Deckung. Aufgerufen wird zu Gemeinsinn, Engagement, Pflichterfüllung. Alles ist vom Staat durchdrungen, alles hängt von ihm ab. Selbst wo er sich im Hintergrund hält, macht der Staat die Vorgaben: Wirtschaft, Medien und Kultur existieren von seinen Gnaden, sind von ihm beseelt. Jeder spürt den Staat, jeder trägt in sich – unsere gesamte Existenz und Denkweise ist im Grunde verstaatlicht. Das kommt daher, dass der Staat mit der Zivilisation verschwistert ist.
Für den Soziologen Hartmut Rosa ist das Band zwischen Emotion und Handeln durchschnitten. Einer seiner Thesen lautet: „Wir sind dabei, uns in unserem Tätigsein in der Welt vom Handeln hin zu einem Vollziehen zu bewegen, das einer Programmausführung ähnelt. Entweder sind es technische Vorgaben oder klare Regeln und Anordnungen, die mir Schritt für Schritt sagen, was ich zu tun habe.“ Menschen brauchen jedoch Spielräume, um zu handeln – um einer Situation mit Augenmaß und Fingerspitzengefühl zu begegnen. Doch diese Art von Spielraum verschwindet überall.
Im Kern des Faschismus steckt viel Wahn
Als Klassiker hat das Philosophie Magazin diesmal den Philosophen und Psychoanalytiker Jacques Lacan ausgewählt. Er war ein Herrschaftskritiker und Nonkonformist. Zugleich aber warf er der 68-Bewegung vor, das Wesen moderner Machtapparaturen zu verkennen. Wenn oder was meinen wir, wenn wir ich sagen? Jacques Lacan würde uns entgegnen: eine Illusion. Für ihn ist das Ich, diese vermeintlich kohärente Einheit, ein Trugschluss. Es ist ein Idealbild, das wir uns von uns selbst machen.
Das Buch des Monats stammt von Eva von Redecker und heißt „Dieser Drang nach Härte. Über den neuen Faschismus“. Vom „Phantombesitz“ bis zu den feindlichen Phantasmen, die ihn bedrohen: Im Kern des Faschismus steckt viel Wahn. Und auch Lust, zum Beispiel an der Aufhebung moralischen Schranken oder Gewalt gegen Unerwünschte. Phantombesitzer wähnen sich souverän und wollen weiterhin über den Körper dienstbarer Frauen und verdinglichter schwarzer Menschen verfügen, so, wie es in patriarchalen und rassistischen Ordnungen möglich war.
Von Hans Klumbies
