Ulla Steuernagel schreibt: „Das lateinische Kunstwort „Saligia“ wurde zum Inbegriff des Lasters und enthielt das gesamte Sündenregister. Saligia stellte den Hochmut an die erste Stelle. Er ist die Top-Sünde des feudalen Zeitalters.“ „Superbia“, dieser lateinische Begriff, fällt humanistischen Gebildeten ein, wenn sie das Wort Hochmut hören. Und wer an extreme, gar globale Auswirkungen menschlichen Hochmuts denkt, dem liegt das griechische Wort „Hybris“ auf der Zunge. Schon eine Zufallsbefragung zeigt, welch unterschiedliche Assoziationen und Meinungen der Begriff Hochmut hervorlockt. Es gibt so viele Synonyme für diese Eigenschaft, und mit den Jahrhunderten kamen immer mehr dazu: Stolz, Selbstgerechtigkeit, Arroganz, Hoffart, Dünkel, Eitelkeit, Größenwahn, Intoleranz, Narzissmus, aber auch die kollektiven Formen wie Rassismus, Kolonialismus, Patriarchat, Sexismus, Klassizismus. Ulla Steuernagel studierte Empirische Kulturwissenschaft, Kunstgeschichte und Pädagogik.
Hochmut kommt vor den Fall
Es gibt den Hochmut von harmlos bis extrem gefährlich, von lächerlich bis Furch einflößend. Ulla Steuernagel erklärt: „Die Assoziationen sind oftmals an Geschichten und Geschichte gebunden. Im modernen Sprachgebrauch würde man überheblich, arrogant, eitel sagen. Hochmütig eher nicht.“ In der salomonischen Spruchsammlung des Alten Testaments heißt es: „Dem Zusammenbruch geht Hoffart voraus, und Hochmut dem Fall.“ Oder: „Wer zu Grunde gehen soll, der wird zuvor stolz; und Hochmut kommt vor dem Fall.“
Es gibt vielfältige Übersetzungen, aber die Bedeutung bleibt gleich. Wer hochmütig ist, scheint rettungslos verloren. Wobei das Synonym „Hoffart“ für Stolz oder Hochmut erst im Hochmittelalter entstand und sich aus dem mittelhochdeutschen Wort „höchvart“ ableitet: die vornehme Art zu leben. Was irritiert und stört am Hochmut? Ulla Steuernagel weiß: „Das lateinische Wort für Hochmut lautet „Superbia“. „Super“ verbindet sich heute mit Freude, Begeisterung, aber auch einer kraftlosen Zustimmung.“ Im Lateinischen bedeutet es „darüber“, das feminine Substantiv steht für „Stolz“.
Der Wunsch nach Gottgleichheit stürzte Luzifer in die Hölle
Superbia war im christlichen Mittelalter und ist bis heute im katholischen Glauben eine der sieben Todsünden. Aus diesen sieben Hauptlastern hat man im Mittelalter in der Art, wie heute Instituts-, Partei- oder Gesetzesnamen griffig gemacht werden, ein Kunstwort geschaffen. Ulla Steuernagel erläutert: „Man bildet ein Akronym, setzte also die sieben Anfangsbuchstaben zu einem lateinisch klingenden Begriff zusammen: Saligia: S für superbia, A für avaritia, L für luxuria, I für ira, G für gula, I für invidia und A für acedia.“
Das S stand vorne, denn Superbia war die „Wurzelsünde“ und nahm die dominante Stellung als Ursprung aller Laster ein. Denn es war der Hochmut Luzifers, sein Wunsch, Gott gleich zu sein, der ihn zu Fall brachte und zum Herrn über das Böse und zum Gegenspieler Gottes machte. Ulla Steuernagel fügt hinzu: „Kein schlimmeres Verbrechen als eine solche Anmaßung und keine schlimmere Strafe als der Sturz in die Hölle!“ Für Papst Gregor steckte die größte Sünde des Menschen in der Vermessenheit zu glauben, er sei, was er ist, aus eigener Kraft. Quelle: „Hochmut“ von Ulla Steuernagel
Von Hans Klumbies
