Harold James stellt fest: „Die damals entwickelten Ideen – wie Technokratie, Geopolitik, Multilateralismus, Globalismus, Neoliberalismus – sollten die obsolet gewordenen Konzepte des vergangenen Jahrhunderts ablösen. Sie prägten den Rest des Jahrhunderts, auch wenn nach 1945 und dem Sieg über den europäischen Faschismus wieder Normalität und Ordnung einzukehren schienen.“ Gegen Ende des 20. Jahrhunderts war ein weiteres Buzzword aus der Taufe gehoben: Globalisierung. Es schien eine andere Beschreibung des entrückten Molochs zu sein, der die individuellen Entscheidungen veränderte und nationalpolitische Programme sowohl schwieriger als auch komplexer werden ließ. Das Konzept des Multilateralismus war ein Gegenentwurf zur Hegemonie und dem zunehmend populären Begriff der Geopolitik, der globale Politik auf Interaktionen basierend auf physische Geografie reduzierte. Harold James hat eine Lehrstuhl für Geschichte an der Princeton University inne und ist Professor für Internationale Politik an der dortigen School of Public and International Affairs.
Passende Literatur zu diesem Thema:
Aktuelle Angebote zu "Der Begriff der Geopolitik wird zunehmend populärer"
Passende Bücher bei Amazon findenTechnokraten verfügen über ein Expertenwissen
Die Verflechtungen des frühen 20. Jahrhunderts wurden durch Finanzbeziehungen weiter verkompliziert. Harold James erklärt: „Die Dominanzfrage ging mit der Schuldenfrage Hand in Hand. Der Kapitalismus hatte im Laufe des 19. Jahrhunderts zu einer noch nie dagewesenen Vermarktlichung internationaler Schulden geführt, so wurden sie zu einem Machtinstrument.“ Manchmal war der Einfluss unvorhergesehen: Schuldner hoher Beträge beispielsweise konnten beträchtlichen Druck auf Gläubiger ausüben, indem sie damit drohten, ihre Schuld nicht zurückzuzahlen.
Schulden und Schuldenpolitik wurden zu einem entscheidenden Einflussfaktor moderner Politik. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts tauchte ein weiterer Begriff auf: die Technokraten. Harold James erläutert: „Sie haben bestimmte Fähigkeiten oder verfügen über ein Expertenwissen, das sie von den eher generalisierten Politikern unterscheidet. Wer von Technokratie spricht, impliziert dabei häufig, Technokraten könnten die Langzeitfolgen ihrer Entscheidungen besser abschätzen als Politiker, die unpopuläre eher zu vermeiden versuchen.
Die Populisten wollen das Volk wieder an die Macht bringen
Technokraten können daher eher erkennen, welche – oft schmerzhafte – Entscheidungen oder Opfer gerade notwendig seien. Harold James stellt fest: „Dem technokratischen Gedanken wird vor allem dann gern gefolgt, wenn noch die dagewesene – ein Lieblingsbegriff der Technokraten – Herausforderungen – noch so einer – mithilfe einer womöglich neuen Herangehensweise bewältigt werden müssen.“ So wie der Kapitalismus und der Sozialismus zwei Seiten einer Medaille sind, stehen die Technokraten den Populisten gegenüber.
Die Populisten wollen die Technokraten oder die politischen Eliten abschütteln und das Volk wieder an die Macht bringen. Harold James weiß: „Eine extreme Form der Hegemonie war der Globalismus, laut dem jede Debatte über zwischenmenschliche Beziehungen darauf hinauslief, dass ein Staat den anderen durch militärische, wirtschaftliche, politische oder kulturelle Einflussnahme zu dominieren versuchte.“ Der Globalismus war vor allem im späten 20. Jahrhundert en vogue. Quelle: „Krieg der Worte“ von Harold James
Von Hans Klumbies
