Die soziale Fähigkeiten gehören zu den wichtigsten eines Menschen

Ein offenes Herz ist die Voraussetzung dafür, dass man ein erfüllter, freundlicher und weiser Mensch ist, aber es reicht nicht aus. Wir brauchen soziale Fähigkeiten. Oft genug wird die Bedeutung von „Beziehungen“, „Freundschaft“ oder „Verbundenheit“ betont, doch diese Begriffe sind zu abstrakt. David Brooks weiß: „Um beispielsweise eine Freundschaft oder eine Gemeinschaft aufzubauen, muss man eine ganze Reihe kleiner, konkreter sozialer Handlungen beherrschen: Meinungsverschiedenheiten austragen, ohne eine Beziehung zu vergiften, in angemessenem Rahmen Verletzlichkeit zeigen, gut zuhören, ein Gespräch taktvoll beenden, Verzeihung erbitten und anbieten, andere enttäuschen, ohne sie dabei zu verletzen, anderen in ihrem Leid bestehen, Treffen veranstalten, bei denen sich alle angenommen fühlen, und Dinge aus der Sicht anderer Menschen betrachten können.“ Der US-amerikanische Erfolgsautor David Brooks ist Kolumnist bei der „New York Times“ sowie Kommentator bei „PBS Newshour“.

Jeder Mensch sehnt sich nach Respekt und Akzeptanz

Diese Fähigkeiten gehören zu den wichtigsten, die ein Mensch beherrschen kann, doch in der Schule werden sie nicht gelehrt. Manchmal scheint es, als hätten wir absichtlich eine Gesellschaft geschaffen, die bei den wichtigsten Dingen des Lebens nur wenig Unterstützung bietet. David Brooks stellt fest: „Das führt dazu, dass viele von uns einsam sind und keine tiefgehenden Freundschaften haben. Dabei liegt es nicht daran, dass wir uns diese Dinge nicht wünschen.“

Kaum ein menschliches Bedürfnis ist so groß wie die Sehnsucht, von einem anderen Menschen liebevollen Respekt und Akzeptanz zu erfahren. Nein, es mangelt uns an praktischem Wissen darüber, wie wir einander die wohltuende Aufmerksamkeit schenken können, die wir uns wünschen. David Brooks ist sich nicht sicher, ob das in der westlichen Welt jemals gut vermittelt wurde, doch vor allem in den vergangenen Jahrzehnten haben wir viel an moralischem Wissen verloren.

In den sozialen Medien gibt es die Illusion sozialer Kontakte

Unsere Schulen und andere Institutionen konzentrieren sich mehr und mehr darauf, uns auf die berufliche Laufbahn vorzubereiten, vermitteln jedoch nicht, wie man auf seine Mitmenschen Rücksicht nimmt. David Brooks erklärt: „Die Geisteswissenschaften, die uns lehren, was in den Köpfen anderer vor sich geht, wurden ins Abseits gedrängt. Und ein Leben in den sozialen Medien trägt nicht gerade dazu bei, dass man diese Fähigkeiten erwirbt.“ In den sozialen Medien gibt es die Illusion sozialer Kontakte, ohne die Gesten ausführen zu müssen, die dafür sorgen, dass tatsächlich Vertrauen, Fürsorge und Zuneigung entstehen.

Social Media ersetzt Intimität durch Stimulation. Jede Menge Urteile, nirgends Verständnis. In unserer Ära der schleichenden Entmenschlichung sind David Brooks soziale Fähigkeiten wichtiger denn je: Wie schaffen wir es, andere Menschen rücksichtsvoller zu behandeln, wie gelingt es uns, unsere Mitmenschen besser zu verstehen? David Brooks ist zu der Überzeugung gelangt, dass die Qualität unseres Lebens und die Gesundheit unserer Gesellschaft zu einem großen Teil davon abhängen, wie gut wir in den kleinen Begegnungen des Alltags miteinander umgehen. Quelle: „How to Know a Person“ von David Brooks

Von Hans Klumbies