Die Kinderpsychiaterin Martina Leibovici-Mühlberger beschreibt in ihrem Buch „Wenn die Tyrannenkinder erwachsen werden“ eine Generation, die nie wirklich gefordert, der alles abgenommen wurde, die sich nie durchbeißen musste. Andreas Salcher erklärt: „Das Tyrannenkind ist das vernachlässigte Kind, das alles bekommen soll, bei dem in frühesten Jahren eine verheerende Fahndung nach einzigartigen Talenten einsetzt, bevor Talent überhaupt entwickelt und erkennbar sein können.“ Sie erhalten keine Orientierung und erleben eine Erziehungsverweigerung der Eltern. Die Frage „Was willst den du?“ kommt in einer viel zu frühen Phase, um sich nicht den Unmut der Kinder zuzuziehen und sich der Illusion der gelungenen Elternschaft hingeben zu können. Dr. Andreas Salcher ist Mitgebegründer der „Sir Karl-Popper-Schule“ für besonders begabte Kinder. Mit mehr als 250.000 verkauften Büchern gilt er als einer der erfolgreichsten Sachbuchautoren Österreichs.
Die Persönlichkeit entwickelt sich zeitlebens weiter
Andreas Salcher stellt fest: „Wird Kindern nie etwas abgeschlagen, dann wird dieser Erziehungsstil zum Boomerang. Die Kinder dürfen dann in der Schule nicht versagen. Und falls sie doch scheitern, dann sollen sie es zumindest nicht merken.“ Ob wir eher fremden Mächten oder uns selbst die Verantwortung für das eigene Leben zuschreiben, ist laut der deutschen Persönlichkeitspsychologin Eva Asselmann des Resultat von genetischen und Umweltfaktoren, vor allem den Erfahrungen in der Kindheit.
Eva Asselmann schreibt: „Übervorsorgliche Helikopter-Eltern, die ihren Kindern alle Entscheidungen abnehmen, etwa signalisieren, dass die Welt unsicher ist, und sabotieren die Idee, dass sie diese mitgestalten können. Mehr Selbstverantwortung schon in jungen Jahren führe später auch eher zum Gefühl, das Leben im Griff zu haben.“ Andreas Salcher hat eine gute Nachricht: „Die Persönlichkeit entwickelt sich zeitlebens weiter. Zum einen einfach aufgrund der unterschiedlichen Herausforderungen, welche die Lebensabschnitte stellen.“
Das Streben nach Erfolg ist nichts Schlechtes
Jugendliche fühlen sich tendenziell weniger selbstgesteuert, junge Erwachsene, die in den Beruf einsteigen und Familien gründen, am stärksten, im Alter sinkt das Autonomiegefühl durch Krankheit et cetera wieder ab. Zum anderen gibt es aber auch Techniken, um am Gefühl der Selbstkontrolle – und damit von Glück – zu arbeiten. Andreas Salcher weiß: „Wir erhalten bei unserer Geburt leider keine Gebrauchsanleitung dafür, sinnvoll mit unserem Leben umzugehen.“
Wir können diese wertvolle Fertigkeit aber lernen, indem wir erkennen, wie oft es lange Umwege, die schmerzhaften Niederlagen, die scheinbar undurchschaubaren Wege, vor denen wir die größte Angst hatten, waren, die zu unseren größten Erfolgen geführt haben. Andreas Salcher erläutert: „Das Streben nach Erfolg ist nichts Schlechtes, solange es unsere eigene Vorstellung von Erfolg ist. Prosaisch ausgedrückt: Wer sich selbst nicht für super hält, der wird kein Superheld.“ Quelle: „Die große Erschöpfung“ von Andreas Salcher
Von Hans Klumbies
