Das Absolute ist eine außerordentlich listige Denkfigur

Was die Postmoderne hätte sein können umfasst ein Denken, das auch dasjenige der Postmoderne ist, die man heute kennt, das aber darüber hinausgeht. Es greift zugleich weiter aus, versteht seine Protagonisten als Leser von Texten einer früheren Epoche. Daniel-Pascal Zorn ergänzt: „Die Postmoderne erbt von der Moderne die Frage nach einer Alternative zu dem, was mit der Französischen Revolution und der Überwindung des Absolutismus erledigt schien: das Absolute.“ Dieses Absolute ist eine außerordentlich listige Denkfigur. Die Wissenschaft des Absoluten und die Rückkehr des Absoluten werden verbunden durch eine Zeit, die eine Krise des Absoluten markiert. Diese Zeit ist die Postmoderne. Daniel-Pascal Zorn studierte Philosophie, Geschichte und Komparatistik. Seit 2021 ist er Geschäftsführer des Zentrums für Prinzipienforschung an der Bergischen Universität Wuppertal.

Die Kybernetik ist die Vorstufe der Digitalisierung

Die Frage nach dem Absoluten gehört nicht nur zu Europa. Sie erfasst auch die USA. Dazu zählen der US-amerikanische Pragmatismus, gesehen aus der Perspektive von Richard Rorty, und die kurzlebige, aber höchst kreative Bewegung der Kybernetik, verkörpert durch den Österreicher Heinz von Foerster. Sie ergänzen die französische und die deutsche Perspektive um die Technikbegeisterung und die Aufbruchsstimmung der amerikanischen Wissenschaft. Außerdem um die skeptische Ironie, die man einer allzu einseitig gefeierten Wissenschaft entgegenbringt, als diese dazu ansetzt, sich als einzig mögliche Perspektive auf die Welt zu erklären.

Daniel-Pascal Zorn erläutert: „Die Kybernetik, benannt nach dem griechischen Begriff für „Steuermann“, sucht nach Konzepten und Modellen, mit denen sie Mensch und Welt in einem einheitlichen Entwurf verstehen kann.“ Sie ist die Vorstufe dessen, was man heute „Digitalisierung“ nennt. Sie ist geprägt von sich selbst steuernden Automaten und Superrechenmaschinen. Das Denken, das sie hervorbringt, ist die Wiege dessen, was man später als Kommunikationswissenschaften oder Kognitionswissenschaft bezeichnet.

Die Kybernetik sucht unablässig nach Verbindungen

Die Kybernetik ist wissenschaftsgläubig und neugierig. Sie sucht unablässig nach Verbindungen und scheitert schließlich als einheitliches Unternehmen. Umso erfolgreicher sind die Disziplinen, die aus ihr hervorgehen. Dazu zählen die Kommunikations- und Systemtheorie, die jahrzehntelang Psychologie und Soziologie beschäftigen sowie die Informatik. Die Kybernetik ist die Vielfalt des Denkens an der Schwelle zum digitalen Zeitalter. Sie ist ein historisch kurzer Moment voller Möglichkeiten, bis sich die Computertechnik mit der Ökonomie verbindet.

Es entsteht eine Welt, in der man heute so selbstverständlich „surft“: das Internet. Daniel-Pascal Zorn fügt hinzu: „Der Pragmatismus wiederum ist ein Innehalten einer ganzen philosophischen Generation, ein skeptischer Mittelweg, ein Unterbrechen der Dialektik der Geschichte.“ Anschließend entscheidet sich dann doch für den Weg der nützlichen und ökonomisch wertvollen Technologie und Wissenschaft. Die englische und amerikanische Philosophie wendet sich in den 1950er Jahren skeptisch ihrer eigenen Vergangenheit zu. Quelle: „Die Krise des Absoluten“ von Daniel-Pascal Zorn

Von Hans Klumbies

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