Danielle Allen fordert eine vernetzte Gesellschaft

Das Ideal sozialer Verbundenheit und einer Welt, in der keine Gruppe über eine andere herrscht, kann man nicht allein über das Design der institutionellen Grundstruktur erreichen. Nicht einmal, wenn man dabei zugesteht, dass das institutionelle Design seinerseits dynamisch sein müsse. Danielle Allen weiß: „An der kulturellen Front liegt genauso viel Arbeit vor uns. Das grundlegende institutionelle Design – sowohl im Bereich Grund und Boden als auch im Bereich Arbeitskraft – bildet den Hintergrund, vor dem zivilgesellschaftliche Organisationen sich formieren.“ Doch dass die Mitglieder von sozialgesellschaftlichen Organisationen die Möglichkeit zu sozialer Verbundenheit besitzen, reicht allein noch nicht aus, um eine vernetzte Gesellschaft zu bewirken. Danielle Allen ist James Bryant Conant University Professor an der Harvard University. Zudem ist sie Direktorin des Edmond J. Safra Center for Ethics in Harvard.

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Robert Putnam schreibt den Bestseller „Bowling Alone“

Der Gedanke des „Sozialkapitals“ hat in den letzten beiden Jahrzehnten in den Debatten über Demokratie, Diversität und gesunde bzw. sich verschlechternde Sozialbeziehungen eine wichtige Rolle gespielt. Die wissenschaftliche Literatur enthält mehrere, einander sogar widersprechende Definitionen dieses Begriffs. Vor allem die Arbeit von Robert Putnam, insbesondere mit seinem Bestseller „Bowling Alone“, hat die Debattenlandschaft bestimmt und das politische Terrain geprägt. So wie Robert Putnam es formuliert, bezieht sich „soziales Kapital“ auf die Ressourcen, die Individuen dank ihrer sozialen Netzwerke entwickeln.

Danielle Allen ergänzt: „Wir finden Jobs durch soziale Netzwerke, aber auch Wohlergehen und Glück. Dabei handelt es sich um private Güter.“ Was öffentliche Güter anbelangt, profitieren die Gemeinschaften von persönlichen sozialen Netzwerken. Denn sie sorgen für generalisiertes Vertrauen, wechselseitige Unterstützung und institutionelle Effektivität. Robert Putnams Analyse zufolge geht soziales Kapital ganz einfach aus bestimmten Interaktionsarten hervor. Dazu zählt er beispielsweise Ehrenämter, Wahlkampfhilfe, den Besuch von Straßenfesten und Mitgliedschaft in Clubs.

Mitglieder eines Teams müssen über einen Wissensfundus verfügen“

Besonders in die Augen springt Robert Putnams Feststellung, dass soziales Kapital deterministisch auf bestimmte Faktoren vor Ort zurückgeht, vor allem auf demografische Homogenität. Im Gegenzug untergräbt Diversität soziales Kapital von innen. Mitglieder eines Teams oder einer Gemeinschaft müssen in Bezug auf soziale Interaktionen über einen Wissensfundus verfügen. Nur mit entsprechenden Fähigkeiten und Qualifikationen kann ihnen in sozialen Interaktionen die Generierung von Sozialkapital gelingen.

Sogar informelle, scheinbar „unstrukturierte“ Interaktionen werden mit Umgangsformen vermittelt. Diese sind auf lokaler und nationaler Ebene in der jeweiligen Kultur verbreitet. Danielle Allen fordert: „Was erforderlich ist, sind vielmehr Fähigkeiten, Kenntnisse und Qualifikationen, die Menschen in die Lage versetzen, den potenziellen Wert sozialer Beziehungen zu aktualisieren.“ Die Menschen müssen lernen, eine Interaktionskultur zu schaffen, die dazu beiträgt, dass ihnen soziale Verbundenheit gelingt. Quelle: „Politische Gleichheit“ von Danielle Allen

Von Hans Klumbies

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