Die Landwirtschaft existiert seit 12.000 Jahren

Landwirtschaft wird seit der neolithischen Revolution systematisch betrieben. Ihre Anfänge reichen bis etwa 10.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung zurück. Sie beruht eigentlich immer auf „Kulturpflanzen“, das heißt auf genetisch „manipulierten“ durch Züchtung und Kreuzung mit bestimmten Eigenschaften versehenen Sorten. Daniel Goeudevert erklärt: „Solche Verbesserungen zogen sich meist über viele Jahre, manchmal über Generationen hin und brachten eine Vielzahl regional ganz unterschiedlicher Sorten hervor.“ Diese waren den Bedingungen ihrer jeweiligen Umwelt – dem Klima, dem Nährstoffgehalt der Böden, dem Wasserhaushalt – zunehmend besser angepasst. Das alles war über Jahrtausende Sache der Landwirte, die ihre Felder mit den Pflanzen bebauten, die dort am besten gedeihen konnten. Und es war eine durch und durch gute Sache. Daniel Goeudevert war Vorsitzender der deutschen Vorstände von Citroën, Renault und Ford sowie Mitglied des Konzernvorstands von VW.

Intensiver Anbau verursacht ökologische Folgeschäden

Die Geburtsstunde der Gentechnik in ihrer heutigen Bedeutung brachte fragwürdige Folgen hervor. In den 1960er Jahren setzte die Entwicklung moderner landwirtschaftlicher Hochertrags- und Hochleistungssorten ein. Dieser Prozess wurde nicht mehr von den Bauern, sondern von der Wissenschaft und von Chemiefirmen vorangetrieben. Er gab zu größten Hoffnungen Anlass, die vor allem in Asien und Afrika immer wieder auftretenden Knappheit an Nahrungsmitteln und Hungerkrisen zu überwinden.

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Tatsächlich erhöhten sich in den folgenden Jahrzehnten die Erträge weltweit deutlich. Dadurch senkte man die Zahl der Hungernden und Mangelernährten signifikant. Daniel Goeudevert stellt fest: „Allerdings war auch früh erkennbar, dass der solcherart intensivierte Anbau nicht unerhebliche ökologische und soziale Folgenschäden verursachte.“ Der vermehrte Einsatz von Düngern und Pestiziden setzte den Böden zu. Saatgut aus der Industrie verdrängte eine Vielzahl von bis dahin genutzten Sorten. Monokulturen ersetzten Fruchtfolgen.

Transferierte Gene sorgen für bestimmte Resistenzen

Viele Kleinbauern gerieten durch diese Entwicklungen in existenzgefährdende Abhängigkeiten von internationalen Konzernen. Deren Einfluss nahm mit den anfänglichen Erfolgsmeldungen ständig zu. Aber der Erfolg war nicht zu leugnen und diente den aufstrebenden Argrarchemiefirmen gewissermaßen als Narrativ. Damit konnten sie ihr eigenes Wachstum immer stärker pushen. Um den Welthunger zu bekämpfen und den Einsatz der Pestizide zu reduzieren, verfeinerte man die Techniken immer rasanter.

Gentechnische Verfahren verkürzen heutzutage die langwierige Züchtung von ertragreicheren und möglicherweise schädlingsresistenteren Pflanzen. Man transferiert dazu einzelne Gene, die für bestimmte Resistenzen sorgen. Mittlerweile lassen sich damit sogar Artgrenzen überschreiten. Der Fantasie sind im Grunde kaum noch Grenzen gesetzt. Übrigens auch nicht der Vermarktungsfantasie. Denn die auf diese Weise entstandenen „Neupflanzen“ werden sofort patentiert und gehören selbstverständlich ihren Erschaffern. Daniel Goeudevert kennt ein ganz bizarres Beispiel: „Lange vor der Übernahme durch Bayer reichte der Saatgutmulti Monsanto etwas ein Patent auf Schinken und Schnitzel ein.“ Quelle: „Sackgasse“ von Daniel Goeudevert

Von Hans Klumbies