Die Sehnsucht nach dem Haben kann ein sicheres Gift für die Seele sein. Donald Winnicott beschreibt sie auch als eines der wesentlichen Elemente, um das „falsche Selbst“ zu definieren – die falsche Persönlichkeit, die das Subjekt erfindet, um sich gegen das zu verteidigen, was es als Bedrohung für seine Identität, seine Gesundheit und sein psychisches Leben ansieht.“ Cynthia Fleury erklärt: „Eine grundlegende und manchmal notwendige Technik der Dissimulation, die jedoch nicht Bestand haben kann; daher nistet sich das falsche Selbst ein, das immer schwieriger vom Selbst zu unterscheiden ist.“ Auch Marc Angelot stellt es in den Mittelpunkt seiner Beschreibung des „ressentimenthaften Ich“. Die Philosophin und Psychoanalytikerin Cynthia Fleury ist unter anderem Professorin für Geisteswissenschaften und Gesundheit am Conservatoire National des Arts et Métiers in Paris.
Passende Literatur zu diesem Thema:
Aktuelle Angebote zu "Das falsche Selbst ist eine Scheinpersönlichkeit voller Starrsinn"
Passende Bücher bei Amazon findenDas falsche Selbst erkennt man an seiner Unterwerfung
Marc Angelot schreibt: „Das ressentimenthafte Ich ist eine Art „falsches Selbst“, eine Scheinpersönlichkeit voller Starrsinn, Arroganz, Rachegelüste und Feindseligkeit – hinter der sich das wahre, zerbrechliche, herdenförmige und versklavte Ich verbirgt.“ Der Begriff des „falschen Selbst“ ist entscheidend, um die psychische Natur des Ressentiment-Menschen zu erfassen. Cynthia Fleury ergänzt: „Ebenso wie er nicht agiert, sondern reagiert, ist er auch nicht, er versteckt sich, auch wenn er sich dessen nicht bewusst ist.“ Und außerdem wird er nicht aufhören, sich zu weigern, sein eigenes Gewissen zu prüfen, da er sich weigert, zu berücksichtigen, dass er irgendeine Verantwortung für seine Situation hat.
Er entscheidet sich immer für die Unaufrichtigkeit und bleibt darin gefangen. Cynthia Fleury erläutert: „Ein anderer entscheidender Punkt, um das falsche Selbst zu verstehen, ist seine Unterwerfung. Dieses Merkmal teilt er mit dem Ressentiment. Das Subjekt praktiziert das „falsche Selbst“, um sich vor etwas zu verstecken, was es für die Stärke des anderen hält, oder vor etwas, was es für den Wunsch des anderen hält, den es dann zu befriedigen gilt; es verfällt in Ressentiments, wenn sich dieser Wunsch in Wirklichkeit als unbedingt, durch seine Täuschung nicht manipulierbar erweist.
Hinter dem falschen Selbst besteht das wahre Selbst immer fort
Bei Donald Winnicott gibt es mehrere Grade des „falschen Selbst“, darunter einige, die für die Innerlichkeit des Subjekts selbst nicht bedrohlich sind, insofern es sie vor den Angriffen von außen und vor der Toxizität seiner Umwelt schützt. Cynthia Fleury fügt hinzu: „Hinter dem falschen Selbst besteht das wahre Selbst immer fort, das sich der Spaltung, die es sich auferlegt, bewusst ist, unter deren Gewalt aber nicht unbedingt leidet und auch weiß, dass sie nicht von Dauer ist und dass man sich von ihr freimachen muss, um sich wieder auf den Weg des wahren Handelns zu begeben.“
Das Zurückkommen auf den nietzscheanischen Willen zur Macht erlaubt, das Ausmaß der Herausforderung der Moderne zu erfassen: die Konfrontation mit der Leere, die Sinnlosigkeit des Geschehens und die Überwindung der davon hervorgerufenen Erosion. Cynthia Fleury stellt fest: „Die Moderne ist zweifellos der Moment, in dem der Mensch zum Subjekt wird oder sich vielmehr des Begriffs des Subjekts bewusster wird – ein illusionärer und widersprüchlicher Begriff, aber ein Begriff, den Blick auf eine mögliche Agency eröffnet, den Versuch, zum Akteur zu werden, ohne sich über sein eigenes Können zu täuschen.“ Quelle: „Hier liegt Bitterkeit begraben“ von Cynthia Fleury
Von Hans Klumbies
