Typisch für viele Ökosysteme sind sogenannte Schlüsselarten

In den letzten Jahrzehnten haben sich viele Wissenschaftler mit Fragen zur Multistabilität beschäftigt. Dirk Brockmann kennt die Fragen: „Warum ist ein Ökosystem stabil? Unter welchen Bedingungen? Und: Gibt es vielleicht wie bei den Genregulationsnetzwerken verschiedene stabile Zustände?“ Um sie zu beantworten, wurden viele Modelle entwickelt. Einfache Ökosystem-Modelle beschreiben x-verschiedene Arten, die auf irgendeine Weise miteinander wechselwirken. Manche Arten beeinflussen sich gegenseitig positiv – Mutualismus – oder negativ – Konkurrenz. Bei anderen ist der Einfluss positiv in die eine und negativ in die andere Richtung. Wendet man diese Konzepte auf die Dynamik eines Modell-Ökosystems an, zeigt sich, dass verschiedene stabile Endzustände existieren können, es halten jeweils verschiedene Arten das Gleichgewicht. Der Zustand beschreibt die Häufigkeiten der verschiedenen Arten im Gleichgewicht. Der Komplexitätswissenschaftler Dirk Brockmann ist Professor am Institut für Biologie der Berliner Humboldt-Universität.

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Das menschliche Gehirn ist ein Wunder

Albert Einstein sagt: „Der intuitive Verstand ist eine heilige Gabe und der rationale Verstand ein treuer Diener. Wir haben eine Gesellschaft erschaffen, die den Diener ehrt und das Geschenk vergessen hat.“ Das menschliche Gehirn mit seinen fast 100 Milliarden Neuronen und 100 Billionen Verbindungen ist ein Wunder, fein abgestimmt im Laufe von Hunderten Millionen von Jahren Evolution. Gerd Gigerenzer stellt fest: „Solche Zahlen kann unser bewusster Verstand kaum fassen. Im Vergleich zur zeitgenössischen Computertechnologie sind menschliche Gehirne auch äußerst energieeffizient.“ Die wichtigste Energiequelle des Gehirns ist Glukose. Das Gehirn beansprucht wendig Raum: Es hat die Größe zweier Fäuste und lässt sich leicht umhertragen. Gerd Gigerenzer ist ein weltweit renommierter Psychologe. Das Gottlieb Duttweiler Institut hat Gigerenzer als einen der hundert einflussreichsten Denker der Welt bezeichnet.

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Menschen können Erinnerungslücken schließen

Menschen erfinden sich täglich neu, indem sie – oft unabsichtlich – dann Personen, Dinge, Ereignisse oder Handlungen hinzu- oder wegnehmen, um Erinnerungslücken zu schließen. Rüdiger Maas ergänzt: „Um am Ende eine logische Geschichte von uns selbst zu erhalten. Oft sind wir und dann relativ sicher und meinen, es hätte all dies wirklich gegeben.“ Besonders intensiv sind die Erinnerungen an die Zeit zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr, also genau an das Alter, in dem die Generation Z beziehungsweise unsere jungen Nachwuchskräfte in die Arbeitswelt eintreten oder studieren. Diese Zeit wird Reminiscere Bump, zu Deutsch Erinnerungshügel, genannt. Der Hügel ermöglicht kognitiv-emotionales Wiedererleben persönlicher Ereignisse, die in dieser Zeitspanne stattgefunden haben. Rüdiger Maas studierte in Deutschland und Japan Psychologie. Er ist Gründer eines Instituts für Generationenforschung. Zuletzt erschien sein Bestseller „Generation lebensunfähig“.

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Emanuele Coccia beschreibt die Metamorphose der Pflanzen

Emanuele Coccia weiß: „Die Metamorphose ist nicht nur ein Vorgang, der die Körpergestalt insgesamt betrifft. Sie ist auch das Verhältnis, das zwischen den Körperteilen untereinander entsteht und diese jeweils befähigt, einer Lebenslinie zu folgen und sich im Lauf ihrer Entwicklung zu entfalten.“ Sie ist auch das Äquivalenzprinzip aller Teile im Inneren eines Körpers. In Wirklichkeit ist der ganze Körper eines Menschen das Ergebnis der Verwandlung einer extrem reduzierten Portion Materie, die schritt- und etappenweise die unterschiedlichen Formen hervorbringen musste, die er entfalten kann. Die Metamorphose ist demnach nicht nur ein historischer Prozess, der die Konstitution des Lebendigen auf einer Linie differenzierter Stadien vorbestimmt. Emanuele Coccia ist Professor für Philosophiegeschichte an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris.

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Die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen wird noch lange andauern

Vaclav Smil schreibt: „Während der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts – angesichts eines sich verlangsamenden globalen Bevölkerungswachstum und stagnierender oder sogar abnehmender Einwohnerzahlen in vielen wohlhabenden Ländern – dürfte es den Volkswirtschaften nicht schwer fallen, die Nachfrage nach Stahl, Zement, Ammoniak und Kunststoffen zu bewältigen, namentlich wenn man die Recyclingquoten erhöhen kann.“ Sehr unwahrscheinlich ist jedoch, dass sich alle diese Branchen bis 2050 aus ihrer Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen befreien und aufhören werden, einen beträchtlichen Beitrag zu den globalen CO2-Emisssionen zu leisten. Die geringste Wahrscheinlichkeit dafür besteht in den einkommensschwachen, auf dem Weg der Modernisierung befindlichen Ländern, deren enormer Nachholbedarf an Infrastrukturen und Konsumgütern starke Steigerungen bei der Versorgung mit den genannten Stoffgruppen nach sich ziehen wird. Vaclav Smil ist Professor Emeritus für Umweltwissenschaften an der University of Manitoba. Er hat unter anderem das Grundlagenwerk „Energy and Civilization“ geschrieben.

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Für die Existenz der Menschheit basiert auf Zufall

Charles Darwin präsentierte eine alternative Antwort auf die uralte Frage, warum die Menschen existieren. Und diese Antwort kam ganz ohne irgendein „télos“ aus. Christian Uhle erläutert: „Auf sehr überzeugende Weise erklärte er die Entstehung des Homo sapiens als eine Kette von Ursachen und Wirkungen. Das war weit mehr als eine „Kränkung“ des Egos, die Sigmund Freud diagnostiziert hatte.“ Unvorstellbares konnte man sich plötzlich sehr wohl vorstellen. Nämlich, dass es überhaupt keinen Sinn gibt, weshalb die Menschheit zu existieren begann. Warum gibt es Menschen? Charles Darwin hatte darauf eine komplett anderen Antwort als bisherige Entstehungsgeschichten. Denn er lieferte eine Erklärung der menschlichen Existenz, keine Begründung. Denn Naturwissenschaften können keine Sinnfragen beantworten. Das Anliegen des Philosophen Christian Uhle ist es, Philosophie in das persönliche Leben einzubinden.

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Jeder Mensch ist ein komplexer Prozess

Verschiedene Komponenten begründen die Identität eines Menschen. Carlo Rovelli erläutert: „Als Erstes identifiziert sich jeder von uns mit einem Standpunkt zur Welt. Die Welt spiegelt sich in jedem von uns über ein reichhaltiges Spektrum von für unser Überleben wesentlichen Korrelationen wider.“ Jeder Mensch ist ein komplexer Prozess, der die Welt reflektiert und deren Informationen integriert in sich aufnimmt. Die zweite Zutat, welche die Identität eines Menschen ausmacht, ist dieselbe wie beim Wagen. Beim Reflektieren der Welt organisiert man sie in Untereinheiten. Man denkt die Welt, indem man ein Kontinuum aus mehr oder weniger uniformen Prozessen möglichst gut zusammenstellt. Man unterteilt sie dann in kleine Teile, um mit ihnen besser integrieren zu können. Seit dem Jahr 2000 ist Carlo Rovelli Professor für Physik an der Universität Marseille.

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Gefühle repräsentieren Zustände im Inneren eines Menschen

Antonio Damasio weiß: „Ob vage, näherungsweise oder präzise – Gefühle sind informativ, sie tragen wichtige Kenntnisse und pflanzen dieses Wissen fest in den Strom des Geistes ein.“ Zunächst einmal entspricht alles, was ein Mensch fühlt, Zuständen in seinem Inneren. Man führt dabei, wie es seinem Organismus im Ganzen oder in Teilen von Augenblick zu Augenblick geht. Gefühle existieren, weil das Nervensystem in direktem Kontakt zum Inneren eines Menschen steht und umgekehrt. Das Nervensystem berührt ganz buchstäblich das Innere des Organismus, und das überall in seinem Inneren. Im Gegenzug wird es berührt. Natürlich kann man das Erlebnis der Gefühle mit Worten beschreiben, aber man braucht die Vermittlung von Worten nicht, um zu fühlen. Antonio Damasio ist Dornsife Professor für Neurologie, Psychologie und Philosophie und Direktor des Brain and Creativity Institute an der University of Southern California.

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Kevin Dutton beschreibt die natürliche Auslese

Kevin Dutton weiß: „Die natürliche Auslese ist nicht dumm.“ Sie wusste schon vor ein paar Hunderttausend Jahren ganz genau, dass die Gehirne der Menschen, wenn keine Vorkehrungen getroffen würden, keine Ruhe finden. Denn sie sammeln unablässig immer nuanciertere Daten zu jedwedem Problem. Dessen schwindende Überreste würden sich in zunehmend fraktale und bedeutungslose Gedankenbytes zergliedern. Stießen die Vorfahren der heutigen Menschen zufällig auf eine Schlange im Unterholz oder auf eine Spinne in der Ecke der Höhle … wie viele Beweise brauchte man dann, um sichergehen zu können, dass dieses Tier harmlos war oder auch nicht? Also musste die natürliche Auslese die Sache in die Hand nehmen. Sie musste sich der Herausforderung stellen. Was sie auch tat. Kevin Dutton ist Forschungspsychologe an der University of Oxford und Mitglied der British Psychological Society.

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Gefühle dienen als Alarmwächter

Antonio Damasio weiß: „Gefühle entstehen im Inneren des Organismus, in den Tiefen der Eingeweide und Flüssigkeiten, in denen die chemischen Vorgänge, die für das Leben in all seinen Aspekten verantwortlich sind, die uneingeschränkte Herrschaft ausüben.“ Damit meint Antonio Damasio die Tätigkeit des Hormon-, Immun- und Kreislaufsystems, die für Stoffwechsel und Abwehr zuständig sind. Wie steht es mit der „Funktion“ der Gefühle? Die Kultur- und sogar die Wissenschaftsgeschichte haben dazu geführt, dass die Rolle der Gefühle nicht nur rätselhaft, sondern sogar unergründlich erschien. In Wirklichkeit liegt die Antwort aber auf der Hand: Gefühle helfen bei der Bewältigung des Lebens. Genauer gesagt dienen sie als Alarmwächter. Antonio Damasio ist Dornsife Professor für Neurologie, Psychologie und Philosophie und Direktor des Brain and Creativity Institute an der University of Southern California.

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Die westliche Welt hat großes Glück

Hannah Ritchie ist bewusst, was für ein Glück sie hat, dass sie einen Schulabschluss machen durfte. Besonders als Mädchen. Sie fordert: „In der westlichen Welt sollten wir mehr zu schätzen wissen, was für ein großes Glück wir hier haben. Die Welt die wir gestalten und in der es bessere Gesundheitsversorgung, Technologien, Konnektivität und bahnbrechende Erfindungen gibt, verdanken wir der Macht von Bildung und Erziehung.“ Im Jahr 1820 hatten nur zehn Prozent der Erwachsenen weltweit grundlegende Lesekenntnisse. Das hat sich im Laufe des 20. Jahrhunderts schnell verändert. Im Jahr 1950 konnten bereits mehr als die Hälfte aller Erwachsenen lesen. Heute sind wir bei fast 90 Prozent angekommen. Dr. Hannah Ritchie ist Senior Researcher im Programm für globale Entwicklung an der Universität Oxford.

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Michael Schmidt-Salomon beschreibt Charles Darwins Reise mit der Beagle

Unter dem Mikroskop entdeckt Charles Darwin den Formenreichtum von Kleinstorganismen, der ihn beeindruckt. Vor allem aber studiert er das „Lehrbuch der Geologie“ seines späteren Vertrauten Charles Lyell, das ihm FitzRoy vor der Abfahrt mit der Beagle geschenkt hat. Michael Schmidt-Salomon ergänzt: „Lyells These, dass sich die heutige geologische Form der Erde über einen langen, langsamen, graduellen Prozess entwickelt habe, ist zu diesem Zeitpunkt noch umstritten.“ Doch schon bei der ersten Station der Reise – am 16. Januar 1832 erreicht die Beagle die kapverdische Insel Santiago – macht Charles Darwin eine Entdeckung, die Lyells Theorie zu bestätigen scheint: In den Klippen der Insel verläuft etwa 14 Meter über dem Meeresspiegel ein waagrechtes Muschelschalenband, was bedeutet, dass sich dieses Hochplateau vor langer Zeit am Meeresboden befunden haben muss. Michael Schmidt-Salomon ist freischaffender Philosoph und Schriftsteller sowie Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung.

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Das Gehirn des Menschen ruht selbst in „Pausen“ nicht

Es ist eine Tatsache, dass das menschliche Gehirn selbst in „Pausen“ nicht ruht. Im Gegenteil, gerade tagträumerische Pausen, und wenn man dabei auch manchmal nur aus dem Fenster auf den Himmel schaut, können die Quelle für kreatives Denken sein. Markus Hengstschläger weiß: „Das Gehirn schaltet sich nie aus, es schaltet eher um. Im Gehirn des Homo sapiens gibt es eine Gruppe von Regionen, bekannt als Default Mode Network – Ruhezustandsnetzwerk –, die beim Lösen von Aufgaben deaktiviert ist und erst beim Nichtstun aktiviert wird.“ Das unbeschäftigte Gehirn benutzt diese Regionen während des Tagträumens im Zuge von routinemäßigen, eher monotonen Tätigkeiten wie zum Beispiel Joggen oder Duschen. Seit einigen Jahren untersucht man wissenschaftlich die Rolle des Default Mode Network für die kreative Leistungsfähigkeit des Menschen. Professor Markus Hengstschläger ist Vorstand des Instituts für Medizinische Genetik an der MedUni Wien.

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Lebenskrisen können zu nachhaltigen Veränderungen führen

Psychiater betrachten die Lebenskrisen ihrer Patienten als Chance, nachhaltige Veränderungen herbeizuführen. Könnte das für die Psychiatrie selbst auch gelten? Randolph M. Nesse weiß: „Einige Menschen erhalten den sogenannten Darwin Award, verliehen an die „Verlierer im Roulette des Lebens“, sprich an Menschen, die sich durch selbstverschuldete Idiotie getötet oder unfruchtbar gemacht haben.“ So erreichte der abenteuerlustige Mann, der den Startbeschleuniger einer Rakete an seinem Auto befestigte, eine Geschwindigkeit von 480 Kilometern die Stunde, bevor er sich an einer Felswand platt walzte. Auf der anderen Seite der Scala haben manche Menschen Angst, das Haus zu verlassen. Professor Randolph M. Nesse ist Mitbegründer der Evolutionären Medizin. Seit 2014 lehrt er and er University of Arizona, wo er als Gründungsmitglied und Direktor das Center for Evolution and Medicine leitet.

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Alle Lebewesen verfügen über das Spüren

Das Ziel des Überlebens und die Erfordernisse der Homöostase gelten auch heute noch. Und zwar in einzelligen Lebewesen wie den Bakterien als auch bei den Menschen. Antonio Damasio fügt hinzu: „Aber der Prozess wird bei Einzellern und Menschen durch unterschiedliche Arten von Intelligenz unterstützt. Den einfacheren, geistlosen Lebewesen steht ausschließlich nichtexplizite, nichtbewusste Intelligenz zur Verfügung.“ Ihren Kenntnissen und ihrer Kognition fehlt die Kraft offenkundiger Repräsentationen. Menschen besitzen beide Formen. Zu den charakteristischen Strategien, die Lebewesen zur Verfügung stehen, ist am grundlegendsten das Spüren, dass nach der Überzeugung von Antonio Damasio in alle Lebensformen vorhanden ist. Als nächstes folgt das Beachten. Antonio Damasio ist Dornsife Professor für Neurologie, Psychologie und Philosophie und Direktor des Brain and Creativity Institute an der University of Southern California.

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Der Einzelne ist heute ohne die anderen nicht überlebensfähig

Heute lebt die Menschheit in einer von ihr geschaffenen Umwelt und Kultur, die mit nichts im Tierreich zu vergleichen ist. Matthias Glaubrecht betont: „Ohne Frage ist es höchst beachtlich, was dieses Zoon politikon mit seinem biologischem Vermächtnis von Konflikt und Kooperation, sozialer Intelligenz samt Trug und Täuschung geschaffen und aufgebaut hat.“ Nicht vergessen darf man indes, gerade wenn man die Kooperation hervorhebt, dass jedes einzelne Individuum nur einen Bruchteil dessen beherrscht, was zu dieser Kulturleistung nötig ist. Der Einzelne ist heute ohne die anderen nicht überlebensfähig. Vielfach 12wissen Menschen nicht einmal mehr, wie sie sich in der modernen, hoch technisierten Welt auf sich allein gestellt Nahrung beschaffen sollten. Auf Gedeih und Verderb sind sie mehr denn je auf Kooperation und immer komplexere Formen des Miteinanders angewiesen. Matthias Glaubrecht ist Evolutionsbiologe, Systematiker und Wissenschaftshistoriker.

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Es gibt verschiedene Sichtweisen auf die Evolution

Es gibt mehrere Arten, wie man sich die Entstehung von Neuem in der Natur vorstellen kann. Die erste Art kann man das Chnum-Prinzip nennen. Fabian Scheidler erklärt: „Der widderköpfige ägyptische Schöpfergott Chnum wurde an einer Töpferscheibe sitzend dargestellt, wo er Menschen, Götter, Tiere und Pflanzen formte, um sie anschließend mit seinem Zauberstab zum Leben zu erwecken.“ Eine der beiden biblischen Schöpfungsgeschichten ist eine Variante dieses Modells. In Genesis 2,7 heißt es: „Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Staub vom Erdboden und blies in seine Nase den Lebensatem.“ Das Chnum-Prinzip ist eine Metapher, die auf der menschlichen Fähigkeit basiert, Pläne zu fassen und diese dann handwerklich umzusetzen. Dieser Form der menschlichen Kreativität ist eine menschliche Grunderfahrung. Der Publizist Fabian Scheidler schreibt seit vielen Jahren über globale Gerechtigkeit.

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Im Gehirn finden Prozesse der Selbstorganisation statt

Das menschliche Gehirn strukturiert sich primär anhand der während der frühen Phasen der Hirnentwicklung aus dem eigenen Körper zum Gehirn weitergeleiteten Signalmuster. Gerald Hüther ergänzt: „Es sind also eigenen Körpererfahrungen, die die Organisation synaptischer Verschaltungsmuster in den älteren, tiefer liegenden Bereich lenken.“ Und die primäre Aufgabe dieser bereits vor der Geburt und während der frühen Kindheit herausgeformten Hirnbereiche ist die Integration, Koordination und Harmonisierung der im Körper ablaufenden Prozesse. Dabei geht es um die Lenkung und Steuerung motorischer Leistungen beim sich Bewegen, beim Singen, Tanzen, und später auch beim Sprechen. Erst danach werden auf der Grundlage dieses Fundaments die in der Beziehung des Kindes zur Außenwelt, insbesondere zu seinen Bezugspersonen gemachten Beziehungserfahrungen zur wichtigsten strukturierenden Kraft für die sich in den ausreifenden Hirnstrukturen herausbildenden neuronalen Verschaltungsmuster. Gerald Hüther ist Neurobiologe und Verfasser zahlreicher Sachbücher und Fachpublikationen.

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Die Begrenztheit des Planeten Erde ist offensichtlich

Das Dilemma zwischen Bewegung und Begrenztheit beschäftigt Anders Levermann schon lange. Vor allem die Frage: Wie ist unendlichen Wachstum auf einem begrenzten Planeten möglich? Als theoretischer Physiker forscht Anders Levermann seit zwanzig Jahren in der physikalischen Klimaforschung und seit nunmehr einem Jahrzehnt zusätzlich an den ökonomischen Aspekten des Problems. In seinem Buch „Die Faltung der Welt“ verbindet Anders Levermann Überlegungen aus den beiden Welten – den Natur- und den Wirtschaftswissenschaften. Die Begrenztheit des Planeten Erde ist offensichtlich. Das Dilemma entsteht dann, wenn man davon überzeugt ist, dass eine fortwährende Weiterentwicklung unausweichlich ist. Diese Weiterentwicklung muss darüber hinaus frei von Beschränkungen erfolgen, um tatsächlich effektive Lösungen für neue Herausforderungen zu finden. Der Physiker Anders Levermann arbeitet seit mehr als 20 Jahren am Potsdam-Institut für Klimaforschung. Zudem ist er Professor am physikalischen Institut der Universität Potsdam.

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Glauben und Faktenwissen sind nicht dasselbe

Es gibt zahlreiche Fakten und Erkenntnisse, die man sicher oder sehr sicher sagen kann, häufig aufgrund wissenschaftlichen Fortschritts. Eine Irrung besteht aber darin, das Recht auf eine eigene Meinung mit dem Recht auf eigene Fakten zu verwechseln. Maren Urner erklärt: „Sie besteht darin, dass Menschen annehmen, sie könnten „glauben“, was ihnen in den Sinn kommt. Dieser falsch verstandene Skeptizismus treibt vor allem in sogenannten alternativen Nachrichten- und Informationsquellen, in bestimmten Chatprogrammen und sozialen Netzwerken sein Unwesen.“ Dies kann man täglich live und in Farbe beobachten und entweder darüber oder daran verzweifeln. Denn während solches Geschrei in analogen Zeiten auf dem Dorfplatz verhallte, reist es im digitalen Zeitalter in Sekundenschnelle um den Erdball und auf die Bildschirme. Dr. Maren Urner ist Professorin für Medienpsychologie an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (HMKW) in Köln.

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Manche Menschen leugnen den menschengemachten Klimawandel

Geschichten von Verneinung, Beschwichtigung und Herabwürdigung entstehen gerade da, wo es ein Bedürfnis nach Abwehr und Rechtfertigung gibt. Ein wichtiges Beispiel ist der Klimaschutz. Armin Falk erklärt: „Angesichts der globalen Bedrohung und der enormen Anpassungsleistungen und -kosten, die ein glaubwürdiger Klimaschutz mit sich bringt, ist nicht verwunderlich, wieso sich viele dagegenstemmen, oftmals mithilfe von Klimalügengeschichten.“ Viele Menschen denken, dass heutzutage kaum noch jemand an die Existenz des menschengemachten Klimawandels zweifeln. Eine Befragung der Meinungsforscher von „infratest dimap“ zeigt allerdings, dass 11 Prozent der Deutschen nicht an einen menschengemachten Klimawandel glauben – eine signifikante und oft besonders laute Minderheit. Armin Falk leitet das Institut für Verhaltensökonomik und Ungleichheit (briq). Außerdem ist er Direktor des Labors für Experimentelle Wirtschaftsforschung sowie Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bonn.

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Krankmachende Vorstellungen behindern die Selbstheilungskräfte

Am Beispiel des Nocebo-Effektes lässt sich die krankmachende Wirkung krankmachender Vorstellungen am leichtesten verstehbar machen. Gerald Hüther weiß: „Der menschliche Organismus verfügt über Selbstheilungskräfte, die ihre Wirkung insbesondere über die im gesamten Organismus ausgebreiteten integrativen Systeme entfalten: das autonome Nervensystem, das Hormonsystem, das kardiovaskuläre System und das Immunsystem.“ Gesteuert und koordiniert wird deren Aktivität im Gehirn nicht von der Hirnrinde, sondern von neuronalen Netzwerken, die in entwicklungsgeschichtlich älteren und tiefer im Hirn gelegenen Bereiche lokalisiert sind. Diese Netzwerke dienen der Regulation der im Körper ablaufenden Prozesse. Sie sind nicht daran beteiligt, wenn sich ein Mensch etwas vorstellt oder ausdenkt. Deshalb gibt es diese Netzwerke auch schon bei den Krokodilen. Solange sie in ihren Aktivitäten und ihrem Zusammenwirken durch nichts gestört werden, ist alles gut. Gerald Hüther ist Neurobiologe und Verfasser zahlreicher Sachbücher und Fachpublikationen.

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In der Luftfahrt ist die Idee des Fehlermanagements entstanden

Die Ursprünge von Fehlerkultur liegen in einem Bereich, der mit Psychogeschwätz rein gar nichts zu tun hat: in der Luftfahrt. Helene Bubrowski erklärt: „Fehler sind hier besonders gefährlich. Man möchte sich vorstellen, dass Piloten und Towerlotsen zu Menschen gewordene Präzisionsgeräte sind, denen nichts entgeht, die immer sofort und richtig reagieren.“ Auf den ersten Blick erscheint es daher paradox, dass sich gerade hier die Idee vom Fehlermanagement entwickelt hat. Aber eben nur auf den ersten Blick. Nach schweren Unfällen in der Luftfahrt machte sich die amerikanische Luftfahrtbehörde auf die Suche nach strukturellen Problemen. Ein erster Befund war, dass in der großen Mehrheit der Fälle, mehr als achtzig Prozent, der Kapitän am Steuer saß. Helene Bubrowski arbeitet als Politikkorrespondentin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Berliner Hauptstadtbüro.

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Die Menschheit greift in die natürlichen Klimaveränderungen ein

Heute greift die menschliche Zivilisation in ihrer Gesamtheit in die natürlichen Klimaveränderungen ein, indem sie Kohlenstoff, der während Jahrmillionen der Atmosphäre entzogen wurde, innerhalb weniger Jahrzehnte verfeuert und Kalkstein unter Freisetzung von Kohlendioxid in Beton verwandelt. Worin liegt das Problem? Gunter Mair erläutert: „Kohlendioxid ist ein Treibhausgas. Es lässt die Sonneneinstrahlung zum Erdboden durch, absorbiert und reflektiert aber die langwelligere Infrarotstrahlung, die von der Erde zurückgestrahlt wird, und wirkt damit wie die Glasscheibe eines Gewächshauses.“ Seit Beginn der Ausbeutung von Kohle, Erdöl und Gas wurden global rund 2000 Gigatonnen Kohlendioxid ausgestoßen, wodurch der atmosphärische Gehalt von vorindustriellen 280 -Anteile pro Million – ppm auf heute 410 ppm stieg. Dr. Gunther Mair arbeitete als promovierter Chemiker in der chemischen Großindustrie und entdeckte dort sein Interesse für die Klimagasproblematik.

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Die Bildung prägt die Persönlichkeit eines Menschen

Auf formaler Ebene fasst man Bildung einerseits als ein Produkt, als die Ausprägung der Persönlichkeit eines Menschen, auf. Und andererseits beschreibt der Begriff „Bildung“ auch den Prozess, wie diese Persönlichkeitsausprägungen vermittelt werden. Markus Hengstschläger erklärt: „Auf inhaltlicher Ebene gilt es zu fragen, welche Persönlichkeitsausprägungen gesellschaftlich wünschenswert sind. Gerade die Ansichten darüber ändern sich aber mit der Zeit.“ Es gab Zeiten, in denen abrufbares Faktenwissen dabei im Vordergrund stand. Heute wird neben fachlichen Qualifikationen immer mehr auch auf soziokulturelle Kompetenzen Wert gelegt. Unter Kompetenzen versteht man in der Regel Fähigkeiten und Fertigkeiten, die es ermöglichen zu handeln, Situationen zu bewältigen, Aufgaben auszuführen und Probleme zu lösen. Was man unter „Wissen“ versteht, ist in der heutigen Zeit oft Inhalt unendlich erscheinender Diskussionen. Professor Markus Hengstschläger ist Vorstand des Instituts für Medizinische Genetik an der MedUni Wien.

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