Die Abwesenheit von Krieg erzeugt noch keinen dauerhaften Frieden

Voraussetzung für den Wohlstand Roms und des Römischen Reiches war der Friede, den Kaiser Augustus nach dem nicht enden wollenden blutigen Bürgerkriegen gebracht hatte. Manfred Lütz betont: „Es gibt wohl keine grausameren Kriege als Bürgerkriege, die nicht nur die Eintracht der Bürger, sondern auch die der Familien und Nachbarn zerstören.“ Deswegen überschüttete man den neuen ersten Mann im Staat mit Ehrungen und Dankesbezeugungen. Doch Augustus war klar, dass dauerhafter Friede nicht nur durch die Abwesenheit von Krieg erreicht werden kann. Das Ende des Wahnsinns allein produziert noch keinen Sinn. Der allgemeine Sittenverfall, den die jahrzehntelange hemmungslose Herrschaft der Gewalt bewirkte, hatte tatsächlich zu einer tiefen Verunsicherung beigetragen. Manfred Lütz hat Medizin, Theologie und Philosophie in Bonn und Rom studiert. Er ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Autor zahlreicher Bestseller.

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Im14. Jahrhundert war das Leben unsicher

Sarah Bakewell vermutet: „Hätte man die Wahl, würde man wahrscheinlich nicht im frühen 14. Jahrhundert auf der italienischen Halbinsel geboren sein wollen.“ Denn das Leben war damals unsicher, verfeindete Städte bekämpften einander regelmäßig. Der lang andauernde Konflikt zwischen der Partei der Guelfen und der Ghibellinen wurde zwar beigelegt, aber die siegreichen Guelfen spalteten sich in eine „weiße“ und eine „schwarze“ Fraktion, und so gingen die Auseinandersetzungen weiter. Rom, der historische Mittelpunkt der Christenheit, wurde von dem bedrängten Papst Clemens V. verlassen. Er floh vor seinen Feinden und verlegte den Hof nach Avignon, einem schlecht gerüsteten Städtchen jenseits der Alpen mit einem entsetzlichen Klima. Sarah Bakewell lebt als Schriftstellerin in London, wo sie Creative Writing an der City University lehrt und für den National Trust seltene Bücher katalogisiert.

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Die Macht der Männer über die Frauen blieb unangetastet

Die Pariser Journalistin Claire Démar schrieb im Jahr 1833: „Die Macht des Vaters ist in ihrem Ausmaß und ihrer Tiefe einzigartig, weil sie in die Prozesse verwoben ist, durch die Menschen in der Kindheit und Jugend sozialisiert und diszipliniert werden.“ Christopher Clark ergänzt: „Es sei die Macht, durch die Väter ihre Söhne deformierten, indem sie deren geschundene Gliedmaßen schlügen, um sie zur Unterordnung zu zwingen.“ Es sei die Macht, die Männer und Frauen ausübten, sobald sie die Kontrolle über deren Besitz übernahmen, sexuelle Befriedigung forderten oder sie ungestraft misshandelten und entehrten. Es sei schwer, sich eine Welt ohne die Herrschaft dieser Macht vorzustellen, weil ihre Auswirkungen so allgegenwärtig seine. Christopher Clark lehrt als Professor für Neuere Europäische Geschichte am St. Catharine’s College in Cambridge. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Geschichte Preußens.

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Im 19. Jahrhundert herrschte eine große Fortschrittsgläubigkeit

Jede einzelne menschliche Verhaltensweise erwächst mehr oder weniger kausal bedingt, entsprechend den Faktoren von „la race, le milieu, le moment“. Jürgen Wertheimer stellt fest: „Auch wenn sie uns etwas gewollt und schematisch anmutet – die Verwissenschaftlichung der Künste ist ein prägender Faktor der Moderne. Und das damit verbundene Menschenbild bis in die Gegenwart gültig geblieben.“ Es erreicht möglicherweise im Kontext der Diskussion um die Grenzen und Möglichkeiten gentechnischer Manipulierbarkeit und des Einsatzes künstlicher Intelligenz sogar einen neuen Höhepunkt. Bei all der Innovationskraft und Fortschrittsgläubigkeit des 19. Jahrhunderts darf man nicht vergessen, dass diese Dynamik sich paradoxerweise innerhalb eines rigiden Systems von gesellschaftlichen Regularien und Regeln der Repräsentation abspielte. Jürgen Wertheimer ist seit 1991 Professor für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Komparatistik in Tübingen.

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Nahrungsmittel sind für jede Art überlebenswichtig

Sich Nahrungsmittel in ausreichender Menge und nährstofflicher Vielfalt zu sichern, ist für jede Art überlebenswichtig. Vaclav Smil blick zurück: „Unsere homininen Vorfahren haben bedeutsame physische Vorteile entwickelt – Zweibeinigkeit, aufrechter Gang, ein relativ großes Gehirn –, mit denen sie sich von ihren affenartigen Vorläufern abhoben.“ Diese Kombination von Artmerkmalen versetzte sie in die Lage, sich zu besseren Sammlern und Kleintierjägern zu entwickeln. Die früheren Hominini hatten nur einfache Steinwerkzeuge – Hammersteine, Handbeile – mit denen sie Tiere schlachten und ihr Fleisch zerteilen konnten. Aber sie hatten noch keine Hilfswerkzeuge für das Jagen und Fischen. Sie konnten nur verwundete oder auch kleine langsame Säugetiere erlegen. Vaclav Smil ist Professor Emeritus für Umweltwissenschaften an der University of Manitoba. Er hat unter anderem das Grundlagenwerk „Energy and Civilization“ geschrieben.

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Viele Intellektuelle kehren 1949 nach Europa zurück

Theodor W. Adorno war im Jahr 1949 aus dem Exil in den USA ins alte Europa zurückgekehrt. Und mit ihm die allzu menschliche Aussicht auf einen erneuten Anfang: existenziell, institutionell, philosophisch. Freilich, die eigentlich entscheidenden Fragen standen aus. Wolfram Eilenberger stellt fest: „Noch hatte Adorno keinen Fuß auf deutschen Nachkriegsboden gesetzt. Wobei mehr als fraglich war, was das im Jahr 1949 noch bedeuten sollte: Deutschland.“ Theodor W. Adorno ist Teil einer ganzen Welle von Intellektuellen, die 1949 aus dem Exil erstmals wieder ins Land des Hitlerismus zurückkehrten. Unter ihnen Hannah Arendt, Ernst Bloch, Ludwig Marcuse sowie, als strahlkräftigste Verkörperung der Kulturnation: Thomas Mann. Wolfram Eilenberger war langjähriger Chefredakteur des „Philosophie Magazins“, moderiert die „Sternstunde Philosophie“ im Schweizer Fernsehen und ist Mitglied der Programmleitung der phil.COLOGNE.

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Leon Battista Alberti war ein Allroundgenie

Dass Leon Battista Alberti unterschiedlichste Fähigkeiten miteinander zu verbinden wusste, wurde von Jacob Burckhardt ausführlich erläutert. Eine von einem anonymen Autor verfasste Autobiographie beschrieb ihn als einen ungeheuer vielseitigen Menschen. Leon Battista Alberti beherrschte alle schönen Künste und tat sich daneben mit Reiten, Springen und Speerwerfen auch sportlich hervor. Einige seiner Zeitgenossen waren von seiner intellektuellen Vielseitigkeit beeindruckt. Peter Burke weiß: „Auf jeden Fall sind einige Leistungen Albertis bis heute sichtbar vorhanden. Die Bauwerke, die er entwarf, seine Abhandlungen über Malerei und Architektur, sein Dialog über die Familie, sein Büchlein über mathematische Spiele und sein Selbstporträt auf einem bronzenen Medaillon. Sechzehn Jahre lehrte Peter Burke an der School of European Studies der University of Sussex. Im Jahr 1978 wechselte er als Professor für Kulturgeschichte nach Cambridge ans Emmanuel College.

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Das mythische Vaterland gewinnt eine unbekannte Bedeutung

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Europa zerrissener und zugleich sehnsüchtiger nach Zusammengehörigkeit denn je. Die Situation war dabei extrem angespannt und bis zu einem gewissen Grade widersprüchlich. Jürgen Wertheimer erläutert: „Wenn ein Kollektiv im Begriff ist, sich als Nation – oder wie in Frankreich als Republik – eben erst selbst zu entdecken, ist es notwendigerweise eher an mentaler Abgrenzung interessiert als am Entdecken von Gemeinsamkeiten.“ Das mythische Vaterland, „la patria, la patrie“, erlangte im Kontrast zum transkulturellen, frei flottierenden Kosmopolitismus der Aristokratie eine bis dahin unbekannte Bedeutung. Die fatale Formel von „Blut und Boden“ geht auf Umwegen zumindest motivisch auf das Ideenarsenal der bürgerlichen Revolution und der Nationenbildung zurück. Jürgen Wertheimer ist seit 1991 Professor für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Komparatistik in Tübingen.

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Neid kann zu Mord und Totschlag führen

Am Anfang der Kulturgeschichte des Neides waren zwei Brüder und ein Mord. Man kennt die Geschichte aus dem Alten Testament. Bettina Schulte erklärt: „Die Söhne von Adam und Eva waren die Brüder Kain und Abel. Beide brachten Jahwe ein Opfer. Doch Gott wies die Opfer von Kain, dem Älteren, dem Ackerbauern, zurück, während ihm die von Abel, dem Schafhirten, wohlgefällig war.“ Kann Gott ungerecht sein? Seit Ratschlüsse sind nicht nur im Buch „Genesis“ unergründlich. Kain fühlt sich jedenfalls zu Unrecht zurückgesetzt, benachteiligt, der Gunst, der Zuwendung des Vaters beraubt. Und sein Hass richtet sich gegen den, der ihm vorgezogen wurde, der über etwas verfügt, das er nicht hat: die Gnade des Herrn. Die Kulturjournalistin Bettina Schulte promovierte über Heinrich von Kleist und war mehr als zwanzig Jahre leitende Redakteurin im Feuilleton der Badischen Zeitung.

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Humanisten betrachteten das Mittelalter als dunkles Zeitalter

Peter Burke weiß: „Im Arabischen heißt die vorislamische Epoche das „Zeitalter der Unwissenheit“. In der Renaissance bezeichneten die Humanisten das von ihnen erstmals als solches abgegrenzte Mittelalter als dunkles Zeitalter.“ Im 17. Jahrhundert nannte Lord Clarendon, der Historiker des englischen Bürgerkrieges, die Kirchenväter „helle Lichter, die in sehr dunklen Zeiten aufschienen, Zeiten voller Barbarei und Unwissenheit“. In der Aufklärung wurde Unwissenheit als Stütze des Despotismus, Fanatismus und Aberglaubens angeführt, die in einem Zeitalter des Wissens und der Vernunft allesamt hinweggefegt würden. George Washington meinte zum Beispiel, „die Fundamente unseres Reiches“ seinen „nicht im düsteren Zeitalter der Unwissenheit und des Aberglaubens gelegt worden“. Sechzehn Jahre lehrte Peter Burke an der School of European Studies der University of Sussex. Im Jahr 1978 wechselte er als Professor für Kulturgeschichte nach Cambridge ans Emmanuel College und ist inzwischen emeritiert.

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An den Fürstenhöfen Italiens entfaltete sich eine erotische Kultur

Katholische Sexualmoral gilt weltweit als verklemmt. Doch das war nicht immer so. Papst Alexander VI. (1492 – 1503) hatte mehr als ein Dutzend leibliche Nachkommen; den letzten zeugte er siebzigjährig während seines Pontifikats. Volker Reinhard erklärt: „Zu dieses Zeit lebten viele Kardinäle mit ihren Mätressen in eheähnlichen Gemeinschaften zusammen. Für diejenigen, die mehr Abwechslung liebten, standen in den größeren Städten Kurtisanen mit einem breiten Spektrum an Dienstleistungen bereit.“ In diesem Klima konnte sich an den Fürstenhöfen Italiens eine erotische Kultur entfalten, die mit der Katholischen Reform ab etwa 1550 zurückgedrängt und überdeckt wurde. Ihre eindrucksvollsten Zeugnisse haben sich im Palazzo del Tè erhalten, den der große Allroundkünstler Giulio Romano ab 1525 für den Marktgrafen von Mantua errichtete und mit Fresken verzierte. Volker Reinhardt ist Professor für Geschichte der Neuzeit an der Universität Fribourg. Er gehört international zu den führenden Italien-Historikern.

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Reiche Gesellschaften konnten sich spezialisierte Denker leisten

Von Anbeginn der Gesellschaft gab es eine Welt und viele Menschen. Eine Welt, in der die Menschen einer Vielzahl von Ereignissen ausgesetzt waren. Von diesen waren viele unerklärlich, manche gar Wunder. Ille C. Gebeshuber ergänzt: „Die Menschen suchten die rätselhaften Ereignisse und Abläufe zu erklären und stellten eine höhere Macht in den Mittelpunkt – Gott. Seine Taten und Absichten spiegelten sich vermeintlich in den Mysterien des Lebens wider.“ Doch mit der Zeit nahm der Reichtum der Menschheit zu. Daher konnte sie sich spezialisierte Denker, die Wissen ansammelten, leisten. Ausgehend von diesem Wissen erkannte man, dass die Natur sehr präzisen Gesetzen gehorchte. Das Unlogische, das Wundersame war mit einem Mal logisch. Man wusste von der Natur und stellte von nun an diese in den Mittelpunk. Ille C. Gebeshuber ist Professorin für Physik an der Technischen Universität Wien.

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Europa ist immer es selbst geblieben

Es gibt wohl keinen zweiten Kontinent, der so oft seine Haut gewechselt hat wie Europa und gerade dadurch immer er selbst geblieben ist. Der Blutgeruch der Revolution war noch nicht verflogen, da begann die Blaue Blume der Romantik zu erblühen. Jürgen Wertheimer ergänzt: „Und während deren Dichter und Künstler schwärmerisch die Mythen aus grauer Vorzeit besangen, hatte – nicht nur in England – bereits das industrielle Zeitalter mit Massenproduktion und der Mechanisierung der Arbeit Einzug gehalten.“ Maschinenparks und Menschenmassen auf der einen, der Traum vom Individuum und seiner Autonomie auf der anderen Seite. Und all dies nahezu simultan und zum Teil ineinander übergehend. Auch wenn man sich daran gewöhnt hat, in mehr oder weniger säuberlich voneinander getrennten Epochen und Perioden zu denken. Die Wirklichkeit sieht wesentlich komplizierter aus. Jürgen Wertheimer ist seit 1991 Professor für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Komparatistik in Tübingen.

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Menschen sind unersättlich neugierig

Nichts beschäftigt den Menschen – seit grauer Vorzeit und bis in die Gegenwart – mehr als Fragen der zwischenmenschlichen Interaktion und Kommunikation. Matthias Glaubrecht erläutert: „Von den ersten schriftlichen Dokumenten und antiken Dossiers über die Briefkorrespondenz, von den Anfängen der Erzählung über Romane bis zum Smartphone dominiert das soziale Mit- und oft genug Gegeneinander unsere menschliche Kultur.“ Immer ging und geht es um die Frage: Wer macht was mit wem? Die Menschheit ist eine unersättlich neugierige Spezies, sofern es dabei um die eigene Person geht und um Menschen, die man kennt oder gerne kennenlernen würde. Menschen sind ewige Smartphoner und waren es bereits, lange bevor sie dazu die neuesten technischen und medialen Möglichkeiten entwickelt hatten. Matthias Glaubrecht ist Evolutionsbiologe, Systematiker und Wissenschaftshistoriker.

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Deutschland verwandelte sich in eine Trümmerlandschaft

Zwischen 1570 und 1648 verwandelten sich die deutschen Lande von einem Ort blühender Gelehrsamkeit in eine trostlose Trümmerlandschaft. Helmut Walser Smith erläutert: „In den Annalen der Geschichte gibt es kaum einen solchen Niedergang. Vergleichbar höchstens mit der Pest des 14. Jahrhunderts, als Mitteleuropa mehr als ein Jahrhundert brauchte, um sich von dieser Katastrophe zu erholen.“ Denkbar ist auch ein Vergleich mit den Staaten Mittel- und Osteuropas in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, das damals nach Ansicht vieler Historiker von einem zweiten Dreißigjährigen Krieg heimgesucht wurde. Tatsächlich sind Vergleiche zwischen dem ersten und dem sogenannten zweiten Dreißigjährigen Krieg aufschlussreich. Zwar unterscheiden sich die Bevölkerungsschätzungen für das 17. Jahrhundert. Helmut Walser Smith lehrt Geschichte an der Vanderbilt University in Nashville, Tennessee.

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Vor 60.000 Jahren hat sich ein „großer Sprung vorwärts“ vollzogen

Die meisten Anthropologen waren der Überzeugung, der Übergang zu „modernen“ Verhaltensweisen habe bei unseren Vorfahren relativ spät stattgefunden. James Suzman erklärt: „Es herrschte die Ansicht vor, der frühe Homo sapiens habe bis vor rund 50.000 Jahren auf der „falschen Seite“ einer wichtigen kognitiven Entwicklungsschwelle gestanden; es haben ihm insbesondere die Fähigkeit gefehlt, sich Gedanken über die Mysterien des Lebens zu machen.“ Denn sie verehrten keine Götter und verfluchten keine bösen Geister, sie erzählten keine lustigen Geschichten und malten keine ordentlichen Bilder. Vor dem Wegdämmern in einen traumerfüllten Schlaf dachten sie nicht über die Ereignisse des verflossenen Tages nach, sangen keine Liebeslieber und drückten sich nicht mit schlauen Ausreden um die Erledigung einer Aufgabe. James Suzman ist Direktor des anthropologischen Thinktanks Anthropos und Fellow am Robinson Collage der Cambridge University.

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Nach dem Zweiten Weltkrieg hat eine moralische Revolution eingesetzt

Vor allem nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat die Welt eine unvorstellbare moralische Revolution erlebt, eine Erfolgsgeschichte des Guten, von der Umsetzung der Menschenrechte bis hin zur Verbreitung von Demokratie und Freiheit. Philipp Hübl fügt hinzu: „Gleichzeitig sind Krieg, Gewalt, Krankheiten, Armut und Hunger dramatisch zurückgegangen, was innerhalb eines Jahrhunderts zu einer Verdopplung der Lebenserwartung weltweit von etwa 35 Jahren auf über 70 Jahre geführt hat.“ Noch um das Jahr 1900 war die weltweite Kindersterblichkeit so hoch, dass fast jedes zweite Kind das fünfte Lebensjahr nicht erreichte. Heute sterben zwar immer noch vier Prozent aller Kinder, aber das ist weniger als ein Zehntel des ursprünglichen Anteils. Philipp Hübl ist Philosoph und Autor des Bestsellers „Folge dem weißen Kaninchen … in die Welt der Philosophie“ (2012).

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Wahrsagemethoden sollen Ungewissheiten kontrollieren

Der Versuch, die Zukunft vorherzusagen, hilft Menschen gefühlsmäßig, deren Ungewissheiten zu kontrollieren, ihre Erwartungen zu steuern und wichtige Entscheidungen zu treffen. Kit Yates erklärt: „Vorhersagen zu treffen, selbst wenn es keinerlei verlässliche Anhaltspunkte gibt, ist ein natürliches menschliches Bedürfnis – ein Bauchgefühl, ein Instinkt. Seit Jahrtausenden benutzen wir zu diesem Zweck eine Vielzahl bizarre und unwissenschaftlicher Methoden, von denen offensichtlich keine zuverlässiger ist als die andere.“ In der Regel sahen unsere Vorfahren in ihren verschiedenen Wahrsagemethoden eine Möglichkeit, den Willen ihres Gottes oder ihrer Götter zu deuten. Bereits seit dem 10. Jahrhundert v. Chr. benutzten die alten Chinesen eine Wahrsageschrift, das „I Ging – Das Buch der Wandlungen“, um mit dessen Hilfe die „göttliche Wahrheit“ zu enthüllen. Kit Yates lehr an der Fakultät für mathematische Wissenschaften und is Co-Direktor des Zentrums für mathematische Biologie der University of Bath.

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Gärten changieren zwischen Wildnis und Zähmung

Die Philosophie der Gärten füllt Bibliotheken zwischen Japan und England. Sie stellt von Anfang an die Frage, ob es neben der Unterwerfung nicht auch ein kollaboratives Formen und Weiterdenken von Möglichkeiten natürlicher Gestaltung geben könne. Philipp Blom stellt fest: „Im Garten war immer schon die Spannung zwischen Wildnis und Zähmung präsent.“ Im europäischen Mittelalter entstand daraus der „Hortus conclusus“. Nämlich der umhegte Ort, an dem die Jungfrau und das Einhorn in mystischer Eintracht leben. Es handelt sich dabei um einen organisierten Raum, der allegorisch alle Ordnungen der Schöpfung abbilden soll und dessen Pflanzen eine eigene symbolische Sprache sprechen. Der Gegensatz von Natur und Kultur fand seinen Ausdruck in dieser Praxis. Philipp Blom studierte Philosophie, Geschichte und Judaistik in Wien und Oxford. Er lebt als Schriftsteller und Historiker in Wien.

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Armut war kollektiv vorhanden und strukturell bedingt

Die im Umfeld der sozialen Frage erzeugten Energien fanden ihren Weg zurück in die Politik. Die von Friedrich Engels in „Die Lage der arbeitenden Klasse in England“ aufgestellten Thesen prägten maßgeblich das „Kommunistische Manifest“, das er gemeinsam mit Karl Marx verfasste. Christopher Clark erklärt: „Armut war keineswegs ein neues Phänomen. Aber der „Pauperismus“ zu Beginn des 19. Jahrhunderts unterschied sich von den hergebrachten Formen der Armut. Die Abstraktheit der neuen Wortschöpfung gibt trefflich wieder, was als die systematische Eigenart des Phänomens angesehen wurde.“ Es war kollektiv und strukturell bedingt, hing nicht von individuellen Eventualitäten wir Krankheit, Todesfällen, Verwundung oder Missernten ab. Christopher Clark lehrt als Professor für Neuere Europäische Geschichte am St. Catharine’s College in Cambridge. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Geschichte Preußens.

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Immanuel Kant interessiere sich keinesfalls nur für Philosophie

Eine äußerst bemerkenswerte Ansammlung von Universalgelehrten im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert fand sich in Deutschland, einer Kulturnation, die seinerzeit noch kein Nationalstaat war. Peter Burke nennt ein Beispiel: „Der Schweizer Albrecht von Haller, Professor für Medizin, Anatomie und Botanik in Göttingen, war auch als Literaturkritiker, Dichter und Romancier aktiv.“ Immanuel Kant könnte ebenfalls mit einbezogen werden, da sich seine Interessen keineswegs auf Philosophie beschränkten. Was man heute als Psychologie und Anthropologie bezeichnet – Disziplinen, zu denen er Beiträge lieferte – bildete zu seiner Zeit zwar noch einen Teil der Philosophie, doch Kant schrieb zudem über Kosmologie und physische Geographie. Sechzehn Jahre lehrte Peter Burke an der School of European Studies der University of Sussex. Im Jahr 1978 wechselte er als Professor für Kulturgeschichte nach Cambridge ans Emmanuel College.

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Die „soziale Frage“ war eingebettet in eine Studienkultur

Es war die Literatur, di unter dem Schlagwort „soziale Frage“ bekannt wurde. Christopher Clark erläutert: „In ihr verschmolzen amtliche Berichte, in Auftrag gegebene Studien, preisgekrönte Aufsätze, Journalismus und Genretexte miteinander und beeinflussten sich gegenseitig.“ Das Ganze war eingebettet in eine „Studienkultur“ Mitte des 19. Jahrhunderts in Europa. Bei der sozialen Frage handelte es sich in Wirklichkeit jedoch um ein Bündel unzähliger Fragen zur allgemeinen Gesundheit und Gefahr der Ansteckung, zu Berufskrankheiten, zum Verlust des sozialen Zusammenhalts, zu den Auswirkungen der Industrialisierung, Verbrechen, Sexualmoral, städtischem Wohnraum, Bevölkerungswachstum, Arbeitslosigkeit und Kinderarbeit. Dazu gehörten auch Fragen zu den potenziell zersetzenden Wirkungen der wirtschaftlichen Konkurrenz, zum Einfluss der Stadt auf Leben und Einstellung ihrer Bewohner und zum vermeintlichen Rückgang der Religiosität. Christopher Clark lehrt als Professor für Neuere Europäische Geschichte am St. Catharine’s College in Cambridge. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Geschichte Preußens.

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Soziale Unzufriedenheit verursacht keine Revolutionen

Christopher Clark befasst sich in seinem neuen Buch „Frühling der Revolution“ mit den Gesellschaften Europas vor 1848. Dabei liegt das Augenmerk auf Bereichen der Repression, Verdrängung, Unterdrückung und des Konflikts. Christopher Clark stellt fest: „Soziale Unzufriedenheit „verursacht“ keine Revolutionen – wenn sie das täte, käme es viel häufiger zu Revolutionen.“ Dennoch war die materielle Not der Europäer Mitte des 19. Jahrhunderts der unverzichtbare Hintergrund für jene Prozesse der politischen Polarisierung, welche die Revolutionen erst ermöglichten. Sie war ausschlaggebend für die Motivation vieler Teilnehmer an städtischen Unruhen. Ebenso wichtig wie die Realität und das Ausmaß des Leids waren die Mittel und Wege, mit denen diese Ära soziale Missstände wahrnahm und einordnete. Christopher Clark lehrt als Professor für Neuere Europäische Geschichte am St. Catharine’s College in Cambridge. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Geschichte Preußens.

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Die Sumer entwickelten die Keilschrift

Ein überaus wichtiger Schritt für die Menschheit als Ganzes war die Erfindung der ersten Schrift, der Keilschrift. Joachim Bauer blickt zurück: „Sie wurde gegen Ende des 4. Jahrhunderts vor Christus in Sumer entwickelt, dem ältesten der Reiche des Zweistromlandes.“ Schriftliche Überlieferungen und die Analyse von Material, das man durch archäologische Grabung zutage förderte, erwiesen sich in den vergangenen Jahrzehnten als überaus ergiebige Erkenntnisquellen. Als besonders wertvoll stellte sich die Möglichkeit heraus, ausgegrabene Materialen mit radiochemischen Methoden auf ihr Alter zu bestimmen. Die kombinierte Anwendung verschiedener Methoden hat das Forschungsgebiet der Archäobotanik entstehen lassen. Wissenschaftler in diesem Bereich untersuchen, wo, wann und mit welchen Pflanzen oder Bäumen die Erde zu verschiedenen Zeiten der Erdgeschichte bewachsen war. Prof. Dr. Med. Joachim Bauer ist Neurowissenschaftler, Psychotherapeut und Arzt.

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Ein Zyklus steuert den Aufstieg und Fall von Weltreichen

Die Menschheit erlebt derzeit eine archetypische gewaltige Veränderung des relativen Wohlstands- und Machtgefüges sowie der gesamten Weltordnung. Dies wird sich auf allen Ländern grundlegend auswirken. Es gibt einen archetypischen großen Zyklus, der den Aufstieg und Fall von Weltreichen steuert. Die wichtigsten Zyklen der langfristige Kredit- und Kapitalmarktzyklus sowie der innen- und der außenpolitische Zyklus von Ordnung und Chaos. Ray Dalio erläutert: „Diese Zyklen lösen Pendelbewegungen zwischen den beiden Extremen aus – zwischen Frieden und Krieg, Hochkonjunktur und Rezession, der Machtergreifung der Linken und der Rechten, der Entstehung und Auflösung von Weltreichen und mehr.“ Diese Pendelbewegungen treten in der Regel auf, weil die Menschen bis zum Äußersten gehen und die Situation aus dem Gleichgewicht bringen. Ray Dalio ist Gründer von Bridgewater Associates, dem weltgrößten Hedgefonds. Er gehört mit zu den einflussreichsten Menschen der Welt.

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