Benjamin Franklin – Gründervater der Vereinigten Staaten, furchtloser beim Sturm, Blitz und Donner, Erfinder der Bifokalbrille, der Franklin-Ofens und des Harnweg-Katheters – hatte ein gestörtes Verhältnis zur Arbeit. James Suzman erklärt: „Er kokettierte gern damit, „der faulste Mensch auf der Welt“ zu sein, ein bezeichnete seine Erfindungen selbstironisch arbeitssparende Vorrichtungen, hinter denen die Absicht stehe, sich Benjamin Franklin die Überzeugung, menschlicher Erfindungsreichtum könne künftigen Generationen aus einen Dasein voller Arbeit und Mühsal befreien. „Wenn jeder Mann und jede Frau jeden Tag vier Stunden an etwas Sinnvollem arbeiten würden“, verkündete Franklin euphorisch, „würde diese Arbeit genug hervorbringen, um uns mit allem Notwendigkeiten und Annehmlichkeiten des Lebens zu versorgen.“ James Suzman ist Direktor des anthropologischen Thinktanks Anthropos und Fellow am Robinson Collage der Cambridge University.
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Auf Amazon ansehenDer Spruch „Zeit ist Geld“ stammt von Benedetto Cotrugli
Auf der anderen Seite vertrat Benjamin Franklin, dank seiner streng puritanischen Erziehung, den Standpunkt, Müßiggang sei ein „totes Meer, das allen Tugenden verschlingt“. Die Urheberschaft an dem Spruch „Zeit ist Geld“ hier heutzutage oft Franklin zuerkannt, dessen Gesicht uns von jeder US-amerikanischen 100-Dollar-Note anstarrt. James Suzman stellt fest: „Tatsächlich hat der Ausspruch eine sehr noch sehr viel erhabenere Provenienz: Die älteste Fundstelle für ihn ist das Buch „Von Handel und vom vollkommenen Kaufmann“, das der kroatische Kaufmann Benedetto Cotrugli 1573 herausbrachte.“
Die grundlegenden Zusammenhänge zwischen Zeit, Arbeitsintensität und Ertrag leuchten einem Jäger und Sammer ebenso intuitiv ein wie einem Lageristen, der zum Mindestlohn Pakete befüllt. James Suzman erläutert: „Das Sammeln von Feuerholz oder wild wachsenden Früchten kostet ebenso Zeit und Arbeit wie das Erleben eines Stachelschweins. Jäger empfanden das Jagen oft als beglückend, während Sammler ihrer Arbeit meist keine größere spirituelle Befriedigung abgewonnen konnten, als die meisten von uns sie beim Gang durch die Regalkorridore eines Supermarkts empfinden.“
Zeit war für Jäger und Sammler nie eine Mangelware
Es bestehen freilich entscheidende Unterschiede zwischen dem unmittelbaren Ertrag, den ein Jäger und Sammler für seine Arbeit erntet, und dem Börsenmaklers, der ein Wertpapier kauft oder verkauft. James Suzman schreibt: „Ein Unterscheid ist der, dass der Jäger und Sammler den Ertrag einer Arbeit zeitnah in Form einer Mahlzeit ernten und sich daran erfreuen kann, auch noch andere satt zu machen.“ Dagegen erhält der Börsenmakler immer nur die Verheißung eines künftigen Ertrags im Gestalt eines Zahlungsmittels.
Dieses kann er später gegen etwas Nützliches eintauschen oder damit eine Schuld tilgen. Ein weiteres Unterschied besteht darin, dass sich Jäger und Sammler sich immer eines üppigen Nahrungsangebots sicher sein konnten. James Suzman ergänzt: „Zeit war ihr sie nie eine Mangelware und hing nie als Faktor in die Formeln der Knappheits-Ökonomie ein.“ Es wäre, anders gesagt, Jägern und Sammlern nie in den Sinn gekommen, dass man Zeit „verbrauchen“, „ansammeln“ oder „sparen“ kann. Quelle: „Sie nanntes Arbeit“ von James Suzman
Von Hans Klumbies
