Ben Ansell fordert: „Wir alle mögen uns globalen Wohlstand wünschen, doch ihn zu bewahren, ist davon abhängig, dass wir die Zerstörung unseres Planeten stoppen oder zumindest massiv eindämmen.“ Demokratie, Gleichheit, Solidarität, Sicherheit, Wohlstand: Wunderbare Dinge. Ziele, auf die sich die meisten von uns vernünftiger Weise einigen können, selbst wenn wir über die Mittel streiten, wie sie erreicht werden sollen, oder idealerweise nur noch über die Feinheiten ihrer Ausgestaltung. Kollektive Ziele wie die genannten sollten erreichbar sein – und auch wenn wir sie nicht vollständig umsetzen können, sollten wir doch zumindest in der Lage sein, uns auf sie zuzubewegen. Was also hindert uns, fokussiert unsere Ziele anzusteuern? Und was gefährdet sie? Wir selbst. Oder vielmehr unsere Politik. Ben Ansell ist Professor für Politikwissenschaften am Nuffield College der Universität Oxford.
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Passende Bücher bei Amazon findenManchmal führen Eigeninteressen in ein kollektives Chaos
Im politischen Alltag geraten unsere individuellen Eigeninteressen und die kollektiven Ziele aneinander. Und oft überlagert das Eigeninteresse das kollektive Ziel. Ben Ansell erklärt: „Wir fordern beispielsweise weiterhin billiges Benzin, um unser SUVs betanken und über das Wochenende nach Paris fliegen zu können, obwohl wir unseren Planeten damit langsam zum Kochen bringen.“ Ben Ansell zeigt in seinem Buch „Warum Politik so oft versagt“, wie sich die Kluft zwischen Eigeninteresse und kollektivem Ziel auswirkt und wie wir Politik so nutzen können, dass sie effektiv für unsere Ziele arbeitet.
Ben Ansells Argumente und Erkenntnisse stützen sich auf die Politische Ökonomie, eine Denkschule, die sich ernsthaft damit auseinandersetzt, wie Individuum und Gesellschaft interagieren. Die besten Pläne werden dabei manchmal von uns selbst untergraben. Ben Ansell zeigt, dass unsere privaten Interessen in ein kollektives Chaos münden. Deshalb muss man sich damit auseinandersetzen, wie wir den selbst gestellten Fallen entkommen. Ben Ansells Weg zur Politischen Ökonomie führte über ein Studium der Geschichte.
Die Politische Ökonomie möchte das menschliche Verhalten erklären
Wie andere Gesellschaftswissenschaften – aber anders als die Geschichte – sucht die Politische Ökonomie nach allgemeinen Gesetzen und Mustern, die menschliches Verhalten in der Vergangenheit und Zukunft erklären können. Ben Ansell erläutert: „Sie geht von einfachen Modellen des Individuums mit Eigeninteressen aus und betrachtet dann, wie diese Individuen interagieren und sich gegenseitig beeinflussen.“ Die Politische Ökonomie erarbeitet und entwickelt daraus mathematische Modelle, die Verhaltensweisen erklären und vorhersagen.
Das geschieht nicht aus fehlgeleitetem Neid auf die Physik, sondern weil uns diese Modelle zwingen, die Konsequenzen unserer Thesen über den Menschen zu Ende zu denken. Ben Ansell weiß: „Politische Ökonomie stellt und beantwortet Fragen zur Mikropolitik unseres täglichen Lebens – wie stehe ich zur Finanzierung der Rentenversicherung, wenn ich ein Haus kaufe? – bis hin zur Makropolitik des Lebens aller – bedroht steigende Ungleichheit unsere politische Stabilität.“ Quelle: „Warum Politik so oft versagt“ von Ben Ansell
Von Hans Klumbies
