Beim Risiko gibt es keine Langeweile

Die Menschen lernen entweder durch Schmerz oder durch Kicks und Vergnügen. Denn sie haben „zwei“ Gehirne: eines, wenn Risiko eine Rolle spielt, und eines, wenn das nicht der Fall ist. Wenn man seine Haut riskiert, werden langweilige Dinge ganz automatisch weniger nebensächlich. Nassim Nicholas Taleb gesteht: „Wenn ich nicht meine Haut aufs Spiel setze, bin ich weitgehend dumm. Mein Fachwissen auf den Gebieten Risiko und Wahrscheinlichkeit kam ursprünglich nicht aus Büchern.“ Nicht einmal Neugierde stand für ihn am Anfang. Sondern es waren bei ihm die Kicks und der hormonelle Rausch, die sich einstellen, wenn man auf dem Finanzmarkt Risiken eingeht. Nassim Nicholas Taleb ist Finanzmathematiker, philosophischer Essayist, Forscher in den Bereichen Risiko und Zufall sowie einer der unkonventionellsten Denker der Gegenwart.

Eingeführte Regelungen bleiben meist erhalten

Es gibt laut Nassim Nicholas Taleb zwei Arten, wie man Bürger vor großen Raubtieren, beispielsweise mächtigen Konzernen, schützen kann. Die erste Art: Man erlässt Regelungen – diese führen allerdings, abgesehen davon, dass sie individuelle Freiheiten einschränken, zu einer anderen Art von Raub, diesmal verübt durch den Staat, seine Vertreter und seine Kumpane. Was allerdings noch wichtiger ist: Leute mit guten Rechtsanwälten können Regelungen manipulieren.

Nassim Nicholas Taleb stellt fest: „Und natürlich werden Regelungen, wenn sie einmal eingeführt sind, auch eingeführt bleiben; selbst wenn sie sich als absurd erwiesen haben, scheuen Politiker – und dem Druck derjenigen, die davon profitieren – davor zurück, sie aufzuheben.“ Da solche Regelungen also die Tendenz haben, sich nur immer weiter zu vermehren, ersticken sie Wirtschaftsbetriebe. Sie würgen auch das Leben ab. Denn es gibt immer Schmarotzer, die von einer Reglementierung profitieren, indem etwa eine Geschäftsperson die Regierung benutzt, um sich Gewinne zu sichern.

Nassim Nicholas Taleb will so frei wie möglich sein

Die andere Lösung sieht so aus, dass man bei Transkationen in Form von gesetzlicher Haftung und der Möglichkeit eines effizienten Rechtsverfahrens seine Haut aufs Spiel setzt. Die angelsächsische Welt hat traditionellerweise eine Vorliebe für den Rechtsweg anstelle der Reglementierung: „Wenn Sie mich schädigen, kann ich Sie verklagen.“ Das hat zu einem ausgeklügelten, anpassungsfähigen und ausgeglichenen Rechtssystem geführt, das sich von unten nach oben aufbaut, über Versuch und Irrtum.

Das heißt für Nassim Nicholas Taleb allerdings nicht, dass niemals reglementiert werden sollte. Einige systemische Effekte mache Reglementierungen unumgänglich – etwa die verborgenen Risiken von Umweltzerstörungen, die zu spät zutage treten. Wenn man nicht mit Aussicht auf Erfolg klagen kann, muss reglementiert werden. Doch selbst wenn Reglementierungen sich unter dem Strich in geringem Ausmaß für die Gesellschaft auszahlen würden, würde es Nassim Nicholas Taleb trotzdem vorziehen, so frei wie möglich zu sein, aber seine Verantwortung als Bürger wahrzunehmen, sich seinem Schicksal stellen und Strafe zahlen, wenn er anderen Schaden zufügt. Quelle: „Das Risiko und sein Preis“ von Nassim Nicholas Taleb

Von Hans Klumbies

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