Augustinus sagt: „Was also ist die Zeit? Wenn niemand mich danach fragt, weiß ich`s, will ich`s aber einem Fragenden erklären, weiß ich`s nicht.“ An diesem Satz lässt sich sehr gut die immer noch aktuelle Brisanz des in der Philosophiegeschichte als Universalienstreit bekannten Konfliktes erklären. Dieser hat sein Ausgang des Mittelalters Generationen von Philosophen beschäftigt. Axel Braig erläutert: „Auf der einen Seite standen, in der Tradition Platons, die sogenannten Realisten. Sie waren der Meinung, dass es Aufgabe der Philosophen sei, die Realität zu ergründen, die hinter abstrakten Begriffen wie Zeit, Seele oder Wahrheit steht.“ Diese Realisten neigten zum Beispiel dazu, scharfsinnige Texte über das Wesen der Zeit zu verfassen. Axel Braig wandte sich nach Jahren als Orchestermusiker und Allgemeinarzt erst spät noch einem Philosophiestudium zu.
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Passende Bücher bei Amazon findenDer Begriff der Zeit lässt sich nur schwer erklären
Demgegenüber vertraten die Nominalisten, dass derartige Begriffe nur mehr oder weniger zufällige Wörter seien, die in verschiedenen Zusammenhängen, je nach Gebrauch, vollkommen unterschiedliche Bedeutungen annehmen können. Dies hat zur Konsequenz, dass ein Begriff wie Zeit eventuell in den jeweiligen Zusammenhängen seiner Verwendung verständlich wird, ohne dass ein einheitliches Wesen dahinterstehen muss. Axel Braig hängt der nominalistischen Position an, für die sich im 20. Jahrhundert besonders Ludwig Wittgenstein stark gemacht hat.
Daher erscheint Axel Braig auch die Schwierigkeit von Augustinus, den Begriff der Zeit zu erklären, nicht überraschend. Ja er hält es sogar für aussichtslos, die Frage, was also die Zeit sei, allgemein zu beantworten. Die Tatsache, dass nur noch wenige Philosophen hinter dem Begriff der Zeit eine ewige Wahrheit suchen, die es zu finden gelte, macht diesen jedoch nicht bedeutungslos. Im Gegenteil gewinnen Fragen der Zeit in den letzten Jahrhunderten philosophisch immer mehr an Bedeutung.
Die Welt erlebt eine ständige Veränderung
Georg Wilhelm Friedrich Hegel hatte in seiner „Phänomenologie des Geistes“ diesen Geist in seiner geschichtlichen und damit zeitlichen Entwicklung beschrieben. Seither wird meist nicht mehr, wie noch bei Platon, das ewig Unveränderliche als wahr angesehen. Sondern man legt gerade Wert darauf, die Welt in ihrer ständigen Veränderung korrekt zu beschreiben. Wichtig erscheint Axel Braig, dass Hegel durch seine Methode des dialektischen Denkens jeder Art von Wahrheit sozusagen ein zeitliches Verfallsdatum beigegeben hat.
Einen weiteren wichtigen Markstein in der Geschichte des Nachdenkens über Zeit hat Martin Heidegger gesetzt. Heideggers persönliche Glaubwürdigkeit hat zwar durch seine Unterstützung der Nationalsozialisten gelitten und zudem wird das Verständnis seiner Philosophie durch eine ganz eigentümliche Sprache mit zahlreichen eigenen Wortschöpfungen erschwert. Martin Heidegger glaubt, die „jemeinige Existenz“ nur verstehen zu können, indem er sie in ihrer Zeitlichkeit beschreibt. Quelle: „Über die Sinne des Lebens und ob es sie gibt“ von Axel Braig
Von Hans Klumbies
