Hoffnung ist manchmal mit Risiken verbunden

Gerade wenn man sich fragt, ob es möglich ist zu hoffen, darf man nicht von falschen Voraussetzungen oder frommen Illusionen ausgehen, sondern muss klar sehen, wo wir stehen und was auf uns zukommt, in welcher Welt man auf diese Hoffnung zurückgreifen wird. Ist Hoffnung deswegen unmöglich? Philipp Blom schreibt: „Sagen wir es so: Wenn du dich auf die Suche nach einer klugen Form der Hoffnung begeben willst, einer Möglichkeit einer solchen Hoffnung, wird es wichtig sein zu verstehen, wo du stehst, und zu erkennen, dass Hoffnung auch bedeutet, Risiken einzugehen, und dass diese Risiken verwundbar machen.“ Zu diesen Risiken gehört, dass man im Voraus nicht wissen kann, ob sich der Einsatz lohnen wird und ob die Hoffnung nicht zertrampelt oder bis zur Unkenntlichkeit entstellt wird. Philipp Blom studierte Philosophie, Geschichte und Judaistik in Wien und Oxford. Er lebt als Schriftsteller und Historiker in Wien.

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Wladimir Putins Russland war das Produkt zweier Welten

Anne Applebaum schreibt: „Das politische System, aus dem schließlich Wladimir Putins Russland hervorging, war das Produkt zweier Welten: auf der einen Seite das Umfeld des KGB, das über jahrelange Erfahrung mit Geldwäsche zur Finanzierung von Terroristen und Agenten verfügte, und auf der anderen Seite die nicht minder zynische und amoralische Finanzwelt.“ Während westliche Politiker von „Demokratie“ und „Rechtstaatlichkeit“ in Russland sprachen, trugen westliche Unternehmen zum Aufbau von Autokratie und Rechtlosigkeit bei, und zwar nicht nur in Russland. Vor der Rückgabe Hongkongs an China waren einige britische und andere ausländische Unternehmer keineswegs begeistert von den demokratischen Reformen in der Kolonie, denn sie waren daran interessiert, Beziehungen zum neuen Regime zu knüpfen. Die Historikerin und Journalistin Anne Elizabeth Applebaum zählt zu den profiliertesten Kritikerinnen autoritärer Herrschaftssysteme und russisches Expansionspolitik.

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Freiheit funktioniert derzeit vor allem als Gallionsfigur der Verwüstung

Die Bewegungsfreiheit eines jeden Willens bleibt eingeschränkt. Denn er darf nicht zu sehr in die Freiheitsarena der anderen hineinwirken. Eva von Redecker ergänzt: „Im Gegenzug kann er dann aber auch innerhalb seiner eigenen unbehelligt schalten und walten. In diesem Kompromiss besteht die liberale Freiheit und durch ihn schwelt in ihr eine latente Unzufriedenheit.“ Es ist ein vernünftiger Kompromiss, doch ihm liegt eine bestimmte Unvernunft zugrunde: die Tendenz, doch alle Schranken niederreißen und gerade darin eine wahre, größere Freiheit spüren zu wollen. Zumindest für einen Moment. Oder eben: die anderen loswerden zu wollen, damit die Notwendigkeit der Beschränkung fortfiele. Man kann die Vernunft nachträglich gut heißen, aber zunächst schürt die simple Formel „frei bin ich, wenn ich tun kann, was ich will“, Sehnsucht nach einem leeren Universum. Eva von Redecker ist Philosophin und freie Autorin. Sie beschäftigt sich mit der Kritischen Theorie, Feminismus und Kapitalismuskritik.

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Die Idee einer schrittweisen Veränderung von Lebewesen ist uralt

In allen Kulturen gibt es Erzählungen davon, wie Leben entstanden ist und sich entwickelt hat. Fabian Scheidler weiß: „Dabei ist die Idee einer schrittweisen Veränderung von Lebewesen keineswegs erst von europäischen Forschern zu Zeit Charles Darwins aufgebracht worden.“ Der chinesische Daoismus etwa kannte schon vor mehr als 2000 Jahren die Vorstellung, dass sich Arten fortwährend verändern. Anaximander, ein griechischer Philosoph des 6. Jahrhunderts v. Chr., ging ebenfalls von fortlaufenden Metamorphosen der Lebewesen aus. Er nahm außerdem an, dass das Leben im Wasser entstanden ist. Der arabisch-andalusische Philosoph Ibn Chaldun aus Tunis vertrat im 14. Jahrhundert die Ansicht, dass sich Menschen aus Affen entwickelt haben könnten. Im Gegensatz dazu steht die Vorstellung, dass die Tier- und Pflanzenarten sowie der Mensch zu einem bestimmten Zeitpunkt in ihrer jetzigen Form geschaffen wurden und sich nicht wesentlich verändern. Der Publizist Fabian Scheidler schreibt seit vielen Jahren über globale Gerechtigkeit.

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Viele Polizisten bringen der AfD ihr Vertrauen entgegen

Keiner staatlichen Institution vertrauen die Deutschen mehr als der Polizei, rund 80 Prozent der Befragten geben an, sich auf ihre Arbeit zu verlassen. Arne Semsrott ist da anderer Ansicht: „Viele Polizisten wiederum bringen der AfD ihr Vertrauen entgegen. In den letzten Jahren haben zahlreiche Skandale Schlaglichter auf rechte Umtriebe in der Polizei geworfen, darunter Chatgruppen mit menschenverachtenden Inhalten und Umsturzpläne für einen Tag „X“ wie die Gruppe „Nordkreuz“. Besonders gefährlich ist das, weil Polizisten Zugang zu Waffen und Munition haben.“ Die wahrscheinlich extremste deutsche Gewerkschaft, die Deutsche Polizeigewerkschaft (DpolG) unter Rainer Wendt, erntet seit Jahren Zuspruch von der AfD. Ihre Konkurrenz-Gewerkschaft, die deutlich größere Gewerkschaft der Polizei (GdP) hingegen verabschiedete einen Unvereinbarkeitsbeschluss mit der AfD, der dazu führte, dass die Gewerkschaft zahlreichen neue Mitglieder begrüßen durfte. In seinem Buch „Machtübernahme“ beschreibt Arne Semsrott, was passiert, wenn Rechtsextremisten regieren.

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Teenager interagieren viele Stunden mit ihrem Smartphone

Im Jahr 2007 waren Teenager und viele Kinder unter dreizehn Jahren damit beschäftigt, kurze Texte in ihre Handys zu tippen. Doch das Verfassen von Textnachrichten war damals noch eine mühselige Angelegenheit – drücke viermal Taste 7, um ein „s“ zu schreiben. Jonathan Haidt ergänzt: „Die Nachrichten richteten sich größtenteils nur an eine Person, und die meisten benutzten ihre primitiven Handys, um sich mit jemanden zu verabreden, den sie persönlich treffen wollten.“ Niemand hatte Lust, drei Stunden hintereinander mit dem Texten von Nachrichten zu verbringen. Nach der Großen Neuverdrahtung wurde jedoch für Heranwachsende zur Regel, einen Großteil ihrer Wachstunden mit einem Smartphone zu interagieren. Jonathan Haidt ist Professor für Sozialpsychologie an der New York University. Seine Forschungsschwerpunkte sind die psychischen Grundlagen von Moral, moralische Emotionen und Moralvorstellungen in verschiedenen Kulturen.

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Unsere Wünsche entsprechen zumeist keinesfalls unseren Bedürfnissen

Michael Lehofer schreibt am Anfang seines neuen Buches „Zu viel von Allem und zu wenig vom Richtigen“: „Verwöhnung macht unglücklich. Der verwöhnte Mensch bekommt alles, was er sich in seinem wunschgetriggerten Vorstellungen jemals gewünscht hat, und möglicherweise noch darüber hinaus. Sonderbarerweise entsprechen unsere Wünsche zumeist keinesfalls unseren Bedürfnissen.“ Menschen, die alles haben, sind in der Regel frustriert. Solche Personen sind daher innerlich unruhig, manchmal geradezu aggressiv. Ihr Begehren ist nicht selten eine Ersatzhandlung für ihre eigentlichen Wünsche. Sie werden nach Verheißungen süchtig, nach dem, was ihnen eine Pseudobefriedigung beschert, aber nie nach dem, was erfüllt. Verheißungen sind dem Wesen nach meist unerfüllbare Hoffnungen. Man spricht von leeren Verheißungen. Michael Lehofer ist Philosoph, Psychiater und Psychologe und eine der bekanntesten Stimmen für persönliche Entwicklung im deutschsprachigen Raum.

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Das Streiten kann auch eine konstruktive Richtung einschlagen

Wenn das Streiten nicht auf Konsens zielt, sondern vom Prinzip der Differenz und von starken Affekten durchwirkt ist – was hält streitende Beziehungspartner, streitende Freunde, streitende Bürger dann noch zusammen? Svenja Flasspöhler erklärt: „In einer ersten Annäherung ließe sich so sagen: Damit ein Streit nicht eskaliert und die Parteien unwiederbringlich auseinandertreibt, müssen die Bindungskräfte mächtiger sein als der Vernichtungsdrang.“ Nur wenn die Anziehung stärker ist als die Abstoßung, kann das Streiten eine konstruktive Richtung nehmen. Doch ist diese Bestimmung noch nicht exakt genug. Denn auch Bindungen können destruktiv wirken, etwa, wenn sie erzwungen sind. Umkehrt kann die Bereitschaft zur Vernichtung lebensrettend sein, etwa im Akt der Selbstverteidigung. Was also lässt Menschen im Streit die Verbindung halten? Svenja Flasspöhler ist promovierte Philosophin und Chefredakteurin des Philosophie Magazins.

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Manche Menschen hinterfragen ihre eigene Denkweise nicht

Ein Beispiel tiefer Unwissenheit ist die verbreitete Unfähigkeit, sich eine andere Denkweise als die eigene vorzustellen. Peter Burke fügt hinzu: „Folglich hinterfragt man die eigene Denkweise nicht, weil sie als selbstverständlich und natürlich gilt, ob auf der Mikroebene des „wissenschaftlichen Paradigmas“ – Thomas Kuhn – oder der Makroebene eines vollständigen Glaubenssystems.“ Wenn man versucht, seine eigenen Normen zu beurteilen, erkennt man die Grenzen der Selbstkritik. Die Geschichtsforschung hat Einzelne und Gruppen oft als „leichtgläubig“ bezeichnet, also als unfähig, ihre eigenen Glaubensvorstellungen zu kritisieren. Dabei ignoriert die Forschung allerdings, dass die Betreffenden keinen Zugang zu abweichenden Glaubenssystemen haben. Sechzehn Jahre lehrte Peter Burke an der School of European Studies der University of Sussex. Im Jahr 1978 wechselte er als Professor für Kulturgeschichte nach Cambridge ans Emmanuel College und ist inzwischen emeritiert.

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Die Grundfesten der Bundesrepublik sind zerstört

Ulrike Guérot behauptet: „Wollte man in loser Folge aufzählen, was in der Bundesrepublik in den letzten Jahren verlustig gegangen ist, ohne dass es irgendeinen größeren Aufschrei in der sogenannten bürgerlichen Mitte verursacht hätte, dann wären das: Demokratie, Rechtsstaat, Europa, Vertrauen und Sicherheit, sichere Grenzen und sozialer Zusammenhalt, also eigentlich alles, was einmal die Grundfesten der Republik ausgemacht hat.“ Dazu, auch das ist Zeitenwende, werden der „Westen“ und die Weltordnung von 1949 derzeit beerdigt und die Welt gleichsam neu verschraubt. Schlimmer wiegt, dass sich Wahrheit und Faktizität verschoben haben, dass die Vernunft aus den Angeln gehoben wurde, dass das Denken an sich, die utopische Idee und mit ihr jeder Hauch von Vernunft verlustig gegangen ist. Seit Herbst 2021 war Ulrike Guérot Professorin für Europapolitik der Rheinischen-Friedrichs-Wilhelms Universität Bonn. Ende Februar 2023 wurde ihr Arbeitsverhältnis wegen Verletzung wissenschaftlicher Standards durch die Universität Bonn gekündigt.

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Die Meinungsfreiheit ist in Deutschland durch Artikel 5 garantiert

Die Pressefreiheut und die Freiheit durch Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden in Deutschland gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt. Richard David Precht ergänzt: „Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.“ Dazu kommt ein Bildungssystem, das den kritischen Geist, die eigenständige Urteilsbildung, den Mut zum Widerspruch und die Diskussionskultur ausdrücklich fördern will. Schüler sollen befähigt werden, am politischen Leben teilzunehmen. Sie sollen lernen, die eigene Meinung zu vertreten und die Meinung anderer zu achten. Wer von der Meinungsfreiheit im Sinne von Artikel 5 Gebrauch macht, ist nicht dazu verpflichtet, nur das zu äußern, was gerade gesellschaftlicher Mainstream ist. Richard David Precht ist Philosoph, Publizist und Autor. Er zählt zu den profiliertesten Intellektuellen im deutschsprachigen Raum.

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Die Handlungen mancher Menschen haben Einfluss auf die Zukunft

John Adams, der zweite Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, schrieb: „Die Institutionen, die wir heute in Amerika ins Leben rufen, werden auch in tausenden von Jahren nicht ganz verschwunden sein. Es ist daher von äußerster Wichtigkeit, es richtig anzugehen. Wenn wir einen falschen Anfang machen, dann werden sie nie mehr, oder nur durch einen Glücksfall, auf den rechten Weg zurückfinden.“ William MacAskill weiß: „Die Gründerväter der Vereinigten Staaten bedienten sich bei Ideen, die fast zwei Jahrtausende zuvor formuliert worden waren.“ Der Gedanke der Gewaltenteilung ging auf John Locke und Baron de Montesquieu zurück. Die heute lebenden Menschen müssen gar nicht so einflussreich sein wie Thukydides oder Benjamin Franklin, um mit ihren Handlungen Einfluss auf die Zukunft zu nehmen. William MacAskill ist außerordentlicher Professor für Philosophie an der Universität Oxford.

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Aristoteles unterscheidet vier Arten von Gegensätzen

Die Gegensatzlehre des Aristoteles erklärt das Dazwischen zum Ort des Umschlages, an dem Konversionen möglich sind. Hans Rudi Fischer ergänzt: „Nur dort, wo es Entgegengesetzes gibt, kann sich etwas – über ein Dazwischen – verändern oder sich verkehren.“ Welche Art des Gegensatzes lässt ein solches Dazwischen zu? Aristoteles unterscheidet vier Arten von Gegensätzen: den kontradiktorischen, den konträren, den privativen und den relativen Gegensatz. Hans Rudi Fischer konzentriert sich hier auf die beiden wichtigsten Gegensätze – die häufig verwechselt werden – nämlich die kontradiktorischen und den konträren. Der Terminus Gegensatz ist das Pendant zum Begriff Widerspruch. Ein Widerspruch ist ein Gegensatz, der aus einer gleichzeitigen Bejahung und Verneinung – Negation – einer Aussage besteht. Hans Rudi Fischer ist Philosoph und Psychologe. Seit 30 Jahren arbeitet er als Lehrender Therapeut, Coach und Organisationsberater.

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Die Arbeitsteilung bringt Wohlstand hervor

Wie die Arbeitsteilung in einem Gewerbe, so bringe die Arbeitsteilung in einer Gesellschaft jenen allgemeinen Wohlstand hervor, der sich selbst bis in die untersten Klassen des Volkes vollstrecke. Die Teilung der Arbeit, so Adam Smith, sei nicht das Werk menschlicher Weisheit, sondern die Neigung der menschlichen Natur zum Tauschhandel. Der Mensch verfolge egoistische Ziele und diese erlange er durch die Hilfe anderer. Thomas Mayer ergänzt: „Arbeitsteilung und Tausch gehen natürlich Hand in Hand. Wer nur Nadeln herstellt, um Smiths Beispiel aufzugreifen, kann von seinem Produkt allein nicht leben. Er muss es gegen andere Dinge eintauschen, die er für den Lebensunterhalt braucht.“ Thomas Mayer ist promovierter Ökonom und ausgewiesener Finanzexperte. Seit 2014 ist er Leiter der Denkfabrik Flossbach von Storch Research Institute.

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In Asien stehen Disziplin und Ordnung obenan

Eine der bemerkenswertesten Äußerungen einer reaktiven nicht-westlichen Identität besteht in den „asiatischen Werten“, die viele Ostasiaten vertreten. Damit reagiert man auf die Behauptung des Westens, er sei der historische Verwahrer der Ideen über Freiheit und Rechte. Amartya Sen weiß: „Verfechter der Vorzüglichkeit asiatischer Werte bestreiten das gar nicht, ganz im Gegenteil.“ Mag Europa auch die Heimat von Freiheit und individuellen Rechten gewesen sein, heißt es. Doch bei den asiatischen Werten stünden Disziplin und Ordnung obenan, und das sei, behauptet man, eine wunder3bare Priorität. Dem Westen deutet man an, er könne seine individuellen Freiheiten und Rechte behalten. Asien hingegen werde besserfahren, wenn es an ordentlichem Benehmen und disziplinierten Verhalten festhalte. Amartya Sen ist Professor für Philosophie und Ökonomie an der Harvard Universität. Im Jahr 1998 erhielt er den Nobelpreis für Ökonomie.

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Die Menschheit muss die Begrenztheit der Erde akzeptieren

Fortschritt hat viele Facetten, und das schon seit vielen Jahrhunderten. Petra Pinzler betont: „Eines aber ist heute wichtiger als jemals zuvor in der Menschheitsgeschichte: Modere Fortschrittskonzepte dürfen die Planeten nicht mehr als etwas betrachten, das man einfach ausbeuten kann.“ Die Begrenztheit der Erde zu akzeptieren und als Rahmen zu begreifen, muss die Grundlage jeder modernen Konzeption von Fortschritt sein. Ist das nicht der Fall, trägt die Innovation früher oder später zum Untergang bei. Oder konkreter formuliert: Es ist kein Fortschritt, wenn in ein paar Jahrzehnten einige wenige Menschen 200 Jahre alt werden, viele Hunderte Millionen aber vor Hitze, Dürren und Überflutungen flüchten müssen. Petra Pinzler arbeitet als Hauptstadtkorrespondentin der Wochenzeitung „Die Zeit“. Sie schreibt zudem Bücher über Wirtschaft, Umwelt und Klimaschutz.

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Narzisstische Menschen nutzen andere gerne aus

Menschen mit verdecktem Narzissmus scheinen fürsorglich zu sein – aber oft fühlt es sich nicht so an. Turid Müller erklärt: „Wir bekommen nicht das, was wir brauchen, oder wir bekommen als Dreingabe ein schlechtes Gewissen, die Verpflichtung zu ewiger Dankbarkeit oder jahrzehntelanger Vorhaltungen.“ Gerne kommt auch der Vorwurf, dass wir das Gegenüber ausnutzen würden. Das ist mal wieder Projektion. Denn tatsächlich haben narzisstische Menschen eine Tendenz, andere auszunutzen. Beziehungen sind für sie Transaktionen – oft zu unseren Lasten. Ausgelaugt zu sein ist in solchen Verbindungen ein typisches Gefühl. Wenn man zusammenwohnt, wird das eher als generelle Erschöpfung erlebt, weil es bei dauerhaftem Kontakt schwer ist, die Grundstimmung auf einzelne Begebenheiten zurückzuführen. Wenn es sich um einzelne Treffen handelt, ist teilweise beobachtbar, wie ausgelutscht man sich beim oder nach dem Kontakt mit toxischen Menschen fühlt. Turid Müller ist Diplom-Psychologin und ausgebildete Schauspielerin.

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Manipulationen von Daten kommen in der Forschung immer wieder vor

Armin Falk glaubt, die Spannung zwischen Moral und Ehrgeiz ist vielen von uns vertraut, und oft können wir der Versuchung zu brillieren nicht widerstehen: „Etwa in der Wissenschaft immer dann, wenn Forschung mit potenziell schädlichen Folgen betrieben wird oder derartige Folgen ausgeblendet werden.“ Oder nehmen wir die vielen Fälle, wo Manipulationen der Daten oder die Verletzung wissenschaftlicher Standards erfolgten mit dem Ziel, ruhmreiche Publikationen vorzuweisen und Karrieren zu begründen. Ein eindrucksvolles Beispiel ist der Fall des niederländischen Sozialpsychologen Diederik Stapel. Im Zuge seiner steilen wissenschaftlichen Karriere nahm er 2006 eine Professur an der Universität Tilburg an, baute dort sein eigenes Labor auf und wurde schließlich Dekan der dortigen School of Social und Behavioral Sciences. Armin Falk leitet das Institut für Verhaltensökonomik und Ungleichheit (briq). Außerdem ist er Direktor des Labors für Experimentelle Wirtschaftsforschung sowie Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bonn.

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Eine ausgeglichene Ernährung ist viel besser als Nahrungsergänzungsmittel

Der Kochbuch „Der Nährstoffplan“ von Martin Smollich beweist: Der Schlüssel zur Gesundheit liegt nicht im Nahrungsergänzungs-Regal, sondern auf dem Teller. Mit 80 speziell ausgewählten Rezepten und wertvollen Tipps können Sie ganz gezielt die Versorgung kritischer Vitamine und Mineralstoffe über die Ernährung verbessern. Martin Smollich zeigt Ihnen auf der Basis von über 20 Jahren Forschung und Praxiserfahrung, wie sie Nährstoffdefizite über eine bewusste Lebensmittelauswahl beheben und Ihren Körper langfristig optimal unterstützen und stärken. Eine vollwertige, ausgewogene Ernährung, die Ihre individuellen Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellt, ist viel besser als Nahrungsergänzungsmittel. In seinem Buch erklärt Martin Smollich, welche Symptome auf häufige Mikronährstoffmängel hinweisen. Grundsätzlich ist es sehr gut, durch eine Blutuntersuchung zunächst einmal herauszufinden, ob bei Ihnen Nährstoffmangel besteht. Prof. Dr. Martin Smollich lehrt am Institut für Ernährungsmedizin der Uniklinik Schleswig-Holstein.

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Der Rechtspositivismus besteht auf der Trennung von Recht und Moral

Der Rechtspositivismus ist dafür bekannt, auf der Trennung von Recht und Moral zu bestehen. Alexander Somek erklärt: „Diese Trennungsthese wird mitunter so dargestellt, als gebe es keine notwendige Beziehung zwischen Recht und Moral. Es sei zwar möglich, im Recht moralische Gehalte zu integrieren, dies müsse aber nicht sein, damit das Recht existieren könne.“ Die Charakterisierung des Rechtspositivismus mit dem Notwendigkeitsoperator ist unterdessen in Zweifel gezogen worden, weil es insofern selbstverständlich „notwendige“ Beziehungen von Recht und Moral gebe, als beide auf menschliches Verhalten abzielen. Aber das soll die Trennungsthese selbst nicht erschüttern. Wenn moralische Gehalte relevant sind, dann nur kontingenterweise. Was letztlich zählt, seien die sozialen Fakten. Alexander Somek ist seit 2015 Professor für Rechtsphilosophie und juristische Methodenlehre an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien.

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Ein erneuerter Humanismus speist sich aus der Kraft des Wissens

Albert Wenger betont: „Ein entscheidendes Ziel bei der Verringerung der Aufmerksamkeitsknappheit ist die Verbesserung der Produktionsweise der „Wissensschleife“, die aus dem Erwerb, dem Entwickeln und dem Teilen von Wissen besteht. Für den menschlichen Fortschritt ist die Erlangung größeren Wissens unerlässlich.“ Die Geschichte der Menschheit ist übersät mit gescheiterten Zivilisationen, die nicht genügend Wissen hervorbringen konnten, um die ihnen gestellten Herausforderungen zu meistern. Um einen kollektiven Fortschritt durch größere individuelle Freiheiten zu erreichen, benötigen wir bestimmte Werte, welche die Schaffung von Wissen fördern. Dazu gehören kritische Nachforschung, Demokratie und Verantwortungsbewusstsein. Diese Werte stellen sicher, dass die Vorteile der Wissensschleife möglichst vielen Menschen zugutekommen und dabei auch andere Arten einschließen. Sie sind von zentraler Bedeutung für einen erneuerten Humanismus, der sich seinerseits aus der Kraft menschlichen Wissens speist. Albert Wenger ist ein weltweit beachteter Investor.

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Die KI ist die größte technische Revolution unserer Zeit

Das Titelthema des neuen Philosophie Magazin 04/2026 lautet: „KI und Ich“. Chefredakteurin Svenja Flaßpöhler schreibt in ihrem Editorial: „Nie und nimmer wird Künstliche Intelligenz (KI) ein adäquater Gesprächspartner sein können. Ihr fehlt die Leiblichkeit. Die Sinnlichkeit. Die Geschichte. All das braucht es aber, um ein Individuum zu sein, das eine Innenwelt besitzt. Deshalb kann ich Chatbots einfach nicht ernst nehmen, habe kein starkes Bedürfnis, mit ihnen in Kontakt zu treten.“ Dennoch hat sie beeindruckt, dass der renommierte australische Wissenschaftsphilosoph David Chalmers sein Sichtweise inzwischen verändert hat. War Chalmers lange davon ausgegangen, dass eine KI mit Bewusstsein eher unwahrscheinlich ist, hält er diese Möglichkeit inzwischen für realistisch. Es ist ein Fakt, dass die Künstliche Intelligenz immer tiefer in unser Leben eindringt. Manche Menschen unterhalten sogar Beziehungen zu Chatbots. Zudem suchen sie Rat in existenziellen Fragen.

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Wissenschaft führt zu enormen Fortschritten

Für einen Wissenschaftler ist es ein fundamentaler Bestandteil seines Berufs, Dinge neu zu durchdenken. Er wird dafür bezahlt, sich ständig der Grenzen seiner Erkenntnis bewusst zu sein. Man erwartet von ihm, das anzuzweifeln, was er weiß, neugierig auf das zu sein, was er nicht weiß, und seine Ansichten auf der Basis neuer Daten zu aktualisieren. Adam Grant stellt fest: „Allein im letzten Jahrhundert hat die Anwendung wissenschaftlicher Prinzipien zu enormen Fortschritten geführt. Biowissenschaftler haben Penicillin entdeckt. Raketenwissenschaftler uns zum Mond geschickt. Computerwissenschaftler das Internet geschaffen.“ Wissenschaftler zu sein ist jedoch nicht einfach nur ein Beruf. Es ist eine Geisteshaltung – eine Denkweise, die sich vom Predigen, vom Anklagen und vom politischen Aktionismus unterscheiden. Adam Grant ist Professor für Organisationspsychologie an der Wharton Business School. Er ist Autor mehrerer internationaler Bestseller, die in 35 Sprachen übersetzt wurden.

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Jürgen Wertheimer stellt das Projekt der Renaissance vor

Das vitale Projekt der Renaissance probte erfolgreich den Aufstand gegen eine Domestizierung und entwarf des Konzept von Individuen, die über die göttlichen und menschlichen Gesetze hinauswuchsen. Später im nervösen 18./19. Jahrhundert wurden diese Entwürfe einmal mehr gebändigt. Jürgen Wertheimer erklärt: „Wie es eigentlich immer um diese Antinomie geht: Das Gesellschafts-Ich im weitesten Sinne steht in höchster Spannung zum Individual-Ich. Wobei manchmal die soziale Seite dominiert wie im Realismus, dann wieder das autonome Ich ins Zentrum tritt wie in der Décadence.“ Bis hin zum Akt des Sich-Ausklinkens aus jeder Form der Wertegemeinschaft, in Sonderheit der demokratischen als einer gleichmacherischen. Moral als sozialer Vampirismus und Décadence als praktizierte Menschenverachtung. Jürgen Wertheimer ist seit 1991 Professor für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Komparatistik in Tübingen.

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Oliver Rathkolb glaubte in einer politisch kontrollierbaren Welt zu leben

Als sich Oliver Rathkolb mit den ersten Plänen für sein Buch „Ökonomie der Angst“ trug, dachte er noch, dass wir im Vergleich zur Zeit vor 1914 in einer vernünftigen und politisch kontrollierbaren neuen Welt leben: „Sie schien sich trotz der Wirtschafts- und Finanzkrise 2007/2008 in Richtung einer friedlichen und vielleicht auch sozial gerechteren Zukunft zu entwickeln. Zwar gab es Naturkatastrophen wie das verheerende Erdbeben in Haiti und folgenreiche Unglücksfälle wie die Explosion der Bohrinsel „Deepwater Horizon“, aber der Arabische Frühling scheint die Demokratie auch in den nordafrikanischen Raum zu verbreiten. Diktaturen wie jene in Tunesien wurden durch Massenproteste zerstört, die ab 2011 an Intensität zunahmen. Wir hatten alle das Gefühl, jetzt wird auch Nordafrika, getragen von einer jungen Generation, Teil einer globalen Demokratiebewegung. Oliver Rathkolb war langjähriger Vorstand und Professor des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Wien.

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