Auch die Natur braucht zum Überleben eine Mindestfläche

Wenn wir die vielen Länder auf der Erde betrachten, sehen wir nur in wenigen Staaten ausgedehnte Flächenreserven für die Menschheit. Ille C. Gebeshuber stellt fest: „In den meisten ist die Natur bereits von der menschlichen Außengrenze umgeben und wird so durch Straßen und Zäune systematisch eingeschnürt und oft auch durchschnitten.“ Viele werden meinen, das sei kein großes Problem, aber auch die Natur braucht zum Überleben eine Mindestfläche. Wenn zum Beispiel Straßen oder andere Barrieren Populationen in kleinen Räumen einschließen, führt dies dazu, dass die einzelnen Tierarten nicht ausreichend genetisch-fremde Partner finden. Inzucht stellt sich ein, die sich über mehrere Generationen so verstärkt, dass mit dem Aussterben von Arten gerechnet werden muss. Ille C. Gebeshuber ist Professorin für Physik an der Technischen Universität Wien.

Auch in Afrika schreitet der Raubbau an der Natur rasch voran

Die Fachleute sagen dazu, dass der genetische Pool zu klein wurde beziehungsweise dass das Erbgut die kritischen Masse unterschritten hat. Ille C. Gebeshuber erklärt: „Das Aussterben einzelner Arten führt zu einem Abnehmen der Artenvielfalt beziehungsweise Biodiversität, was zu einem fortschreitenden Zusammenbruch des Ökosystems führt.“ Neue Gleichgewichte bilden sich, aber auf einer viel niedrigeren Stufe. Das Leben nimmt insgesamt an Menge und Masse ab, was sich wiederum auf das Klima und die Ökologie des Großraumes auswirkt.

Vor allem der Wasserkreislauf und die Stabilisierung des Bodens durch Mikroorganismen werden in Mitleidenschaft gezogen. Ille C. Gebeshuber ergänzt: „In den gesegneten Staaten, die noch ausreichende Reserven haben, wie einige Länder Südamerikas und Afrikas, schreitet der Raubbau an den natürlichen Ressourcen rasch voran.“ Hier ist die Einschnürung der Natur durch menschliche Grenzen oft noch nicht kritisch, aber ein anderer Effekt wirkt sich negativ aus.

Der Raubbau durch Abholzung wirkt sich im Urwald extrem aus

Auch wenn wir in den Bildern des Dschungels prächtig gedeihende Pflanzen sehen, der Boden der tropischen Regenwälder ist sehr nährstoffarm. Ille C. Gebeshuber erläutert: „Dies nicht, weil der Boden generell schlecht wäre, sondern weil die so wichtige Humusschicht sehr dünn, also nur wenige Zentimeter dick ist. Sie bildet sich hier nur sehr langsam, da organisches Material wegen der ständig hohen Temperaturen ganzjährig verrottet und daher nicht gespeichert werden kann.“

Während in unseren Breiten 80 Prozent der Nährstoffe im Boden gespeichert sind und nur 20 Prozent in den Pflanzen, ist es im Urwald meist umgekehrt. Ille C. Gebeshuber weiß: „Der Raubbau an der Natur durch Abholzung und Rodung wirkt sich daher extrem aus. Die Nährstoffe werden durch den Abtransport oder das Verbrennen der Vegetation entfernt.“ Was an Nährstoffen bleibt, wird entweder vom Regen weggeschwemmt oder beim Wanderfeldbau innerhalb von wenigen Ernten ausgelaugt. Quelle: „Eine kurze Geschichte der Zukunft“ von Ille C. Gebeshuber

von Hans Klumbies