Aristoteles untersucht die Lebensformen der Menschen

Das Wesen des Menschen definiert Aristoteles auf verschiedene Art und Weise, je nach dem, von welcher wissenschaftlichen Disziplin aus er ihn betrachtet. Im Bereich der Logik und der Naturwissenschaften ist der Mensch für den Philosophen ein Wesen mit zwei Füßen, das mit Verstand begabt ist. Diese Definition trennt den Menschen vom Tier, zeigt aber auch Gemeinsamkeiten auf. Gemeinsam sind dem Menschen und dem Tier unter anderem das Atmen, das Leben und die Nahrungsaufnahme. Die Unterschiede sind der aufrechte Gang, aber besonders die Sprache und das schlussfolgernde Denken des Menschen, die den eigentlichen Kern des Menschseins ausmachen.

Der Mensch hat Ziele

Wenn Aristoteles den Menschen aus ethischer Sicht betrachtet, beschreibt er den Menschen als ein Wesen, das auf ein Ziel gerichtet ist. Dieses Ziel soll das Gute sein. Der Mensch hat sich im privaten Bereich, in der Gemeinschaft und in den Angelegenheiten des Staates stets nach dem Guten auszurichten. Der Mensch ist sich selbst verantwortlich.

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Die Verantwortung für seine Handlungen kann ihm niemand abnehmen, da ihm durch die Fähigkeit des Denkens bewusst sein muss, welche Konsequenzen seine Handlungen oder seine Unterlassungen nach sich ziehen. Wenn Aristoteles den Mensch aus der Sicht der Politik betrachtet, definiert er ihn als ein Wesen, das auf die Gemeinschaft der Polis angelegt ist. Der Mensch soll und darf nicht allein leben, da er ein gemeinschaftsgebundenes und gemeinschaftsbezogenes Lebewesen ist.

Die fünf Fähigkeiten der Seele

Umgekehrt ist die Gemeinschaft aber auch für das einzelne Individuum da. Alles Tun der Gemeinschaft muss sich nach dem ausrichten, was gut für den Menschen ist. Die Gesellschaft muss sich immer am sittlichen Ziel des Menschen, an der wahren Glückseligkeit, ausrichten.

Psychologisch gesehen ist der Mensch für Aristoteles aus Leib und Seele zusammengesetzt, wobei er die Seele als Bewegungsprinzip des Leibes definiert. Daraus folgt, dass auch Tiere und Pflanzen beseelt sind. Der Seele schreibt er fünf Fähigkeiten zu: den Sinn für Nahrungsaufnahme, den der Wahrnehmung, den des Strebens und Begehrens, den der Ortsbewegung und den des Denkens des Verstandes.

Die Lebensformen der Menschen

Bei den Lebensformen des Menschen unterscheidet Aristoteles erstens zwischen dem Leben, das auf reinen Genuss ausgerichtet ist, zweitens dem Leben für die Politik und drittens dem Leben, das aus der Schau oder der Kontemplation besteht. Die höchste Erfüllung findet der Mensch laut Aristoteles, wenn er sich ganz der kontemplativen Schau widmet.

Aber auch das politische Leben ist nicht schlecht, da es ein praktisches Leben ist, in dem sich auch die Glückseligkeit einstellen kann, weil die Gedanken und Betrachtungen praktischer Natur sind, die um ihrer selbst willen angestellt werden und sich selbst zum Ziel haben. So ist auch das praktische politische Leben ein Selbstzweck.

Die Glückseligkeit ist das Ziel aller Menschen

Der Mensch ist nach Aristoteles auf die Glückseligkeit, seinem ureigensten Ziel, angelegt. Das Individuum kann nur glückselig werden, wenn er sich seinen Verpflichtungen gegenüber der Gemeinschaft bewusst ist. Auf der anderen Seite darf der Mensch, wenn er glückselig werden möchte, sein Ziel in der Kontemplation nicht aus den Augen verlieren.

Außerdem darf er sich nicht den praktischen Anforderungen des Lebens und der Politik nicht verschließen. Denn der Staat hat die Aufgabe, den einzelnen Menschen zur Glückseligkeit zu führen.

Von Hans Klumbies