Im Arche Literaturkalender 2026 geht es um das Thema „Herz und Verstand“

Der Arche Literaturkalender ist ein Klassiker. Auch 2026 ist er der unverzichtbare Begleiter durch das literarische Jahr. Herausgeberin Angela Volknant versammelt unter dem Thema „Herz und Verstand“ bekannte Autorinnen und Autoren aus aller Welt, aber auch solche, die es noch zu entdecken gilt. Zu den weltberühmten Autoren zählt ohne Zweifel James Joyce. „Sein Herz tanzte auf ihren Bewegungen wie ein Korken auf einer Welle. Er hörte, was ihre Augen unter dem Schal zu ihm sagten, und wusste, dass er in irgendeiner dunklen Vergangenheit, sei es im Leben oder in der Träumerei, ihre Geschichte schon einmal gehört hatte.“ Schon der Debütroman „Ein Porträt des Künstlers als junger Mann“ von James Joyce lässt erahnen, dass hier ein Schriftsteller großen Formats die Bühne betritt.

Stendhal schreibt einen großen Essay „Über die Liebe“

Zu den eher unbekannten Schriftstellerinnen gehört Maria Leitner. „Hotel Amerika“ heißt ihr 2024 wieder aufgelegte Roman. Dieser war jahrzehntelang vergessen – so wie die Autorin selbst. Er spielt in einem New Yorker Luxushotel, wo Prunk und Elend dicht beieinander liegen; zu einer Zeit, in der man schon Glück hatte, wenn man trotz schwerer Arbeit nicht verhungerte. Die aus Ungarn stammende Autorin machte sich in der Weimarer Republik als Reporterin einen Namen und bereiste die ganze Welt, um über die sozialen und politischen Verhältnisse vor Ort zu berichten.

„Ich gebe mir alle Mühe, sachlich zu sein. Ich zwinge mein Herz, stumm zu bleiben, wenn es auch glaubt, viel sagen zu müssen. Stets befürchte ich, dass ich nur Seufzer niedergeschrieben habe, wo ich die Wahrheit aufzuzeichnen wähnte.“ Stendhal veröffentliche im Jahr 1822 seinen großen Essay „Über die Liebe“. Das Buch, in dem er die Geheimnisse der Liebe zu ergründen suchte, fand zunächst wenig Anklang. Seine Voraussage, man werde ihm „um 1900 lesen“, sollte sich bewahrheiten.

Hermann Hesse und Theodor Fontane verehrten Wilhelm Raabe

Mit folgenden Worten erklärte Nadine Gordimer in ihrer Nobelpreisrede 1991, mit welchen Herausforderungen sie sich als Schriftstellerin konfrontiert sah: „Die Schriftsteller selbst analysieren nicht, was sie tun. Analysieren hieße, nach unten zu schauen, während man auf einem Drahtseil eine Schlucht überquert. Damit soll nicht der Prozess des Schreibens mystifiziert, sondern die intensive innere Konzentration veranschaulicht werden, die man als Schriftsteller aufbringen muss, um die Abgründe des Unkalkulierbaren zu überqueren.“

Wilhelm Raabe nahm in seinen Büchern nicht nur das Spießbürgertum ins Visier, er schrieb auch über den Machtmissbrauch der Reichen und kritisierte die Industrialisierung sowie die damit verbundene Umweltverschmutzung. Das kostete ihn zwar Leser, doch er gewann Liebhaber unter dem „allervornehmsten Publikum“ darunter Hermann Hess und Theodor Fontane. Ein Zitat von Wilhelm Raabe lautet: „Die Massen in Bewegung zu setzen, braucht´s nur die Phrase eines Dummkopfs. Wie lange Zeit gebraucht der kluge Mann, um nur einen einzigen zu seiner Meinung zu bekehren!“

Arche Literaturkalender 2026
Angela Volknant (Hg.)
ISBN: 978-3-7160-0026-7
24 Euro

Von Hans Klumbies