Martin Seligman, Mitbegründer der Positiven Psychologie, untersuchte jahrelang extrem unglückliche und extrem glückliche Menschen, um herauszufinden, wodurch sich diese unterscheiden. Andreas Salcher erklärt: „Es zeigte sich, dass die Glücklichen nicht religiöser, reicher, erfolgreicher waren, sondern sich vor allem durch eine Eigenschaft gegenüber den Unglücklichen auszeichneten: Sie waren sehr gesellig, hatten befriedigende Liebesbeziehungen und viele Freude.“ Diese Erklärung war Martin Seligman aber zu einfach und vor allem zu undifferenziert, um sie auf jeden Menschen übertragen zu können. Er glaubte nicht daran, dass das gesamte menschliche Antriebssystem nur auf ein Motiv zurückzuführen wäre. Außerdem sah er den Begriff „Glück“ als zu allgemein, um damit sinnvoll arbeiten zu können. Dr. Andreas Salcher kämpft seit vielen Jahren für bessere Schulen und individuelle Talentförderung. Der Bestsellerautor gilt mit über 250.00 verkauften Büchern als einer der erfolgreichsten Sachbuchautoren Österreichs.
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Bei tiefer gehenden Untersuchungen fand Martin Seligman heraus, dass es verschiedene unterschiedliche Wege zum als subjektiv glücklich empfundenen Leben gibt. Andreas Salcher erläutert: „Der erste Weg ist das angenehme Leben, bei dem versucht wird, möglichst viele positive Emotionen zu verspüren. Dieser hat allerdings zwei Nachteile: Zum einen zeigt sich, dass diese Art der Glücksfähigkeit zu 50 Prozent erblich vorgeben ist und daher wenig veränderbar ist.“ Zum anderen gewöhnt man sich sehr schnell an positive Emotionen.
Das gute Leben ist der zweite Weg, der über das Tun, das Aufgehen in der Arbeit, Familie oder im Sport führt. Andreas Salcher ergänzt: „Wenn diese Aktivitäten das richtige Verhältnis zwischen Anstrengung und Zielerreichung finden, dann sind die von Mihály Csíkszentmihály entdecken Flow-Erlebnisse möglich, wie wiederum Freude auslösen.“ Das Erzielen von Flow-Erlebnissen ist weitaus schwieriger zu erreichen, als sich ein positives Gefühl durch Vergnügen wie Shopping, Essen oder Drogen zu verschaffen, dafür wirkt der Flow-Effekt länger nach.
Ein sinnvolles Leben kann die die Kenntnis seiner Berufung entstehen
Drittens gibt es das sinnvolle Leben, das bedeutet, seine Berufung zu kennen und sich in den Dienst einer Aufgabe zu stellen, die größer ist als man selbst. Andreas Salcher fügt hinzu: „Dafür muss man nicht alle seine persönlichen Ziele aufgeben, um sich einem weit entfernten, höheren Gut zu opfern, sondern klare Prioritäten setzen. So ist es eine weit lohnendere Aufgabe, seine Umwelt aktiv zu beeinflussen, als passiv und ohnmächtig alles hinzunehmen.“
Ausgehend von diesen Erkenntnissen konzentrierte Martin Seligman sich darauf, herauszufinden, welcher der drei Wege am nachhaltigsten zur Lebenszufriedenheit beiträgt. Die Studienergebnisse waren überraschend. Andreas Salcher kennt sie: „So erhöhte der Versuch, das Vergnügen und die guten Gefühle in seinem Leben zu maximieren, die Lebenszufriedenheit fast gar nicht. Das Streben nach Sinn hatte einen positiven Einfluss, gefolgt vom Streben nach der Erfüllung im Tun. Kurzfristige positive Emotionen, ausgelöst durch Vergnügen, erhöhten nur bei jenen Menschen die Zufriedenheit, die schon Erfüllung in ihrem Lebenssinn und in ihrer Aufgabe gefunden hatten.“ Quelle: „Das ganze Leben in einem Tag“ von Andreas Salcher
Von Hans Klumbies
