Im Jahr 2017 hatte die Hälfte der Menschheit einen Online-Zugang

Im Jahr 1993 wurde das World Wide Web (WWW) öffentlich zugänglich gemacht. Andrea Römmele stellt fest: „In den darauffolgenden Jahren stieg die Zahl der Nutzer global rasant an – 2005 nutzten bereits eine Milliarde Menschen weltweit das Internet. 2017 hatte die Hälfte der Menschheit einen Online-Zugang.“ Allerdings unterschieden sich die jeweiligen Weltregionen bis heute stark, wenn es um die Anzahl von Menschen mit und ohne Internetzugang geht. Noch 2022 hatten laut Statistischem Bundesamt immer noch 34 Prozent der Weltbevölkerung keinen Zugang zum Internet, was rund 2,7 Milliarden Menschen entspricht. Schaut man sich die Verteilung nach unterschiedlichen Ländern an, so werden große Unterschiede sichtbar. Andrea Römmele ist Professorin für Politische Kommunikation und Vizepräsidentin an der Hertie School in Berlin. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Demokratie, Wahlen und politische Parteien.

Der Anteil der Internetnutzer lag 2021 in Deutschland bei 94 Prozent

Reiche westliche Staaten sind stärker digitalisiert. Andrea Römmele nennt Zahlen: „2021 lag der Anteil der Internetnutzer an der Gesamtbevölkerung in Deutschland bei 94 Prozent, in den USA bei 90 Prozent, in Japan bei 93 Prozent, in Großbritannien bei 96 Prozent.“ China fiel demgegenüber etwas ab: Im Jahr 2021 hatten 65 Prozent der chinesischen Bevölkerung Zugang zum Internet, was angesichts dessen, dass China bis vor wenigen Jahren noch ein Entwicklungsland war, als erstaunlich gewertet werden kann.

Ganz anders in Ländern des afrikanischen Kontinents: In Äthiopien sind es 20 Prozent der Bevölkerung, in Niger lediglich 15 Prozent, in Tansania 25 Prozent, in Kenia aber immerhin schon 40 Prozent mit Internetzugang. Andrea Römmele weiß: „Zudem zeigen sich in den afrikanischen Staaten große Unterschiede mit Blick auf die Verteilung von Internetzugang und -nutzung zwischen Männern und Frauen, ein Phänomen, das als „digital gender gap“ bezeichnet wird.“

Für die UN ist der Zugang zum Internet von entscheidender Bedeutung

Laut Daten von 2023 nutzen Frauen auf dem afrikanischen Kontinent mit einer 37 Prozent geringeren Wahrscheinlichkeit mobiles Internet im Vergleich zu Männern. Das ist ein beachtlicher Unterschied, der fast in der Größenordnung des „gender pay gap“ in dieser Region liegt. Andrea Römmele erklärt: „Einige Länder betrachten den Zugang zum Internet mittlerweile als Grundrecht, das für die Meinungsfreiheit, für Bildungsmöglichkeiten, für wirtschaftlich Entfaltung und soziale Teilhabe unerlässlich sei.“

So war Estland im Jahr 2000 das erste Land der Welt, das den Zugang zum Internet als Grundrecht anerkannte, Finnland hat den Breitbandzugang zum Internet im Jahr 2010 in der Verfassung verankert. Die Vereinten Nationen (UN) betont in diversen Dokumenten, dass der Zugang zum Internet von entscheidender Bedeutung sei. So heißt es beispielsweise in einer wegweisenden UN-Resolution von 2018, „dass die gleichen Rechte, die Menschen offline haben, auch online geschützt werden müssen, einschließlich des Rechts auf Privatheit.“ Quelle: „Demokratie neu denken“ von Andrea Römmele

Von Hans Klumbies