Amartya Sen propagiert die Idee der Gerechtigkeit

Amartya Sen, einer der einflussreichsten Denker unserer Zeit, hat sein Buch „Die Idee der Gerechtigkeit“ John Rawls gewidmet. Seine Theorie der Gerechtigkeit argumentiert mit Thesen, die am Ergebnis orientiert sind, deren Wertbestimmung die konkrete Überwindung von Ungerechtigkeit ist. Der Autor beschreibt viele Wege zu einer gerechteren Welt, die Menschheit muss nur den Willen aufbringen, auf ihnen zu gehen. Amartya Sen ist Professor für Philosophie und Ökonomie an der Harvard Universität. 1998 erhielt er den Nobelpreis für Ökonomie. Zu seinen bekanntesten Büchern gehören „Ökonomie für den Menschen“ und „Die Identitätsfalle.“

Ohne Vernunft lässt sich Unrecht nicht beseitigen

Das Buch „Die Idee der Gerechtigkeit“ hat Amartya Sen in vier Abschnitte gegliedert. Im ersten Teil beschreibt er die Anforderungen der Gerechtigkeit. Im zweiten Abschnitt setzt er sich mit den Formen des Argumentierens auseinander. Im dritten Teil geht es um die Materialien der Gerechtigkeit, während das Schlusskapitel den öffentlichen Vernunftgebrauch und die Demokratie behandelt. Gleich im Vorwort zitiert Amartya Sen den Schriftsteller Charles Dickens, der in seinem Roman „Große Erwartungen“ schreibt, dass schon Kinder nichts so feinsinnig aufnehmen und empfinden wie Ungerechtigkeit.

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Auch die meisten Erwachsenen erkennen, wenn Unrecht geschieht. Der Autor will in seinem Buch zeigen, wie man ein Unrecht beseitigen kann, nachdem man es erkannt hat. Ohne den Gebrauch der Vernunft funktioniert das nicht. Amartya Sen schreibt: „Vernunftgebrauch ist auch oder besonders in einer Welt voller „Unvernunft“ für das Verständnis von Gerechtigkeit entscheidend.“

Mit den Augen der Menschheit kann man die Gerechtigkeit einschätzen

Das Nachdenken ist für Amartya Sen die sichere Basis der Zuversicht und der Hoffnung in einer Welt, die von Gewalt in der Vergangenheit und Gegenwart verdunkelt wird. Wenn der Mensch unmittelbare Ungerechtigkeit fühlt, kann er die Angemessenheit seiner Reaktion prüfen. Menschen die nachdenken, werden auch andere Kulturen und die dort herrschenden Gerechtigkeitsvorstellungen mit Achtung und Toleranz zur Kenntnis nehmen.

Die Einschätzung von Gerechtigkeit verlangt laut Amartya Sen den Blick mit den Augen der Menschheit. Er schreibt: „Erstens, weil wir uns verschiedentlich mit den anderen anderorts identifizieren könnten und nicht nur mit unserer lokalen Gemeinde; zweitens, weil unsere Entscheidungen und Handlungen sich auf das Leben anderer in der Nähe wie in der Ferne auswirken können; und drittens, weil das, was sie aus ihren jeweils von Geschichte und Geographie geprägten Blickwinkeln sehen, uns helfen könnte, den eigenen Provinzialismus zu überwinden.“

Eine gerechte Welt kann es ohne Freiheit nicht geben

In einer gerechteren Welt darf die Freiheit nicht fehlen. Sie ist für Amartya Sen aus zweierlei Gründen kostbar. Erstens, weil sie den Menschen mehr Chancen gibt, Ziele zu verfolgen, die ihnen wichtig sind. Zweitens, weil man dem Prozess der Entscheidung selbst eine Bedeutung beimessen kann. Beispielsweise kann man versuchen, nicht in eine Lebenslage zu gelangen, in der andere auf die eigenen Handlungen Druck ausüben könnten.

Der Autor weist darauf hin, dass Freiheit und Gleichheit viel Inhalt umfassen und immer mehrdimensional sind. Amartya Sen schreibt: „Diese Pluralität muss Teil einer Theorie der Gerechtigkeit sein, denn sie muss den vielfältigen Überlegungen gerecht werden, zu denen diese großen Ideen Freiheit und Gerechtigkeit aufrufen.“ Möge sich die Idee der Gerechtigkeit auf der ganzen Welt durchsetzen. Denn es gilt: „Die Vernunft sucht die Wahrheit, wo immer sie sich finden lässt.“

Die Idee der Gerechtigkeit
Amartya Sen
Verlag: C.H. Beck
Gebundene Ausgabe: 493 Seiten, Auflage: 2010
ISBN: 978-3-406-60653-3, 29,95 Euro

Von Hans Klumbies