Roboter sind den Menschen überlegen

Computer und Roboter verändern den Alltag der Deutschen in einem Tempo, das den meisten Menschen den Atem raubt. Gerade entsteht eine Wirtschaft, in der Maschinen den Menschen überlegen sind. Alexander Hagelüken nennt Beispiele: „Schachcomputer schlagen den Weltmeister, Algorithmen ersetzen Anwälte und Software diagnostiziert Patienten.“ Maschinen können den Menschen aus dem Zentrum der Berufswelt verdrängen. Die Briten Carl Benedikt Frey und Michael A. Osborne schätzen, Maschinen könnten in den nächsten zwei Dekade jeden zweiten Programmierer überflüssig machen und 95 Prozent aller Sachbearbeiter. Aber wovon sollen die Überflüssigen leben? Deutschland ist wie andere Staaten schon deutlich ungleicher geworden. Eine Weltherrschaft der Roboter könnte diesen Trend verschlimmern. Und das ist nur eine der Aussichten auf die Zukunft, die skeptisch stimmen. Alexander Hagelüken ist als Leitender Redakteur der Süddeutschen Zeitung für Wirtschaftspolitik zuständig.

Die Ungleichheit droht sich dramatisch zu verschärfen

Die Verlagerung von Arbeitsplätzen in Billigländer könnte deutschen Arbeitnehmern noch mehr zusetzen. Außerdem dürfte es sich auswirken, dass die Vermögen so ungleich verteilt sind wie nirgends im Euroraum: Die Gewinne und Erbschaften daraus werden die „happy few“ reicher machen, während die Mehrheit zusehen muss. Eine weitere Gefahr: Durch die Alterung der Gesellschaft könnten zukünftige Rentner mit weniger Geld dastehen – und eine überforderte Arbeiterschaft könnte sich weigern, für die explodierenden Renten-, Gesundheits- und Pflegekosten der Älteren aufzukommen.

Roboter statt Arbeiter, Reiche werden reicher, Arme werden im Alter ärmer: Die Ungleichheit droht sich dramatisch zu verschärfen. Was etwa Roboterisierung und Digitalisierung angeht, gibt es allerdings auch optimistischere Sichtweisen. Der Arbeitsmarktforscher Joachim Möller malt die Möglichkeiten aus, wenn 50 Milliarden Maschinen digital vernetzbar sind und Produkte aller Art aus dem 3D-Drucker schlüpfen. Seine Argumentation: Deutschland ist bei der Herstellung hochwertiger Konsum- und Chemieprodukte sowie Maschinen stark.

Am Ende bot die Industrialisierung mehr Arbeitsplätze als zuvor

Alexander Hagelüken erklärt: „Gelingt den Deutschen die Digitalisierung ihrer Stärken, winkt ein neues Wirtschafswunder.“ Die Befreiung von der Arbeit ist eine alte Utopie. Optimisten finden die Angst vor den Computern ohnehin übertrieben. Schon oft fürchteten die Menschen um ihre Arbeitsplätze, meist entwickelte sich etwas Neues. Als im 18. Jahrhundert der mechanische Webstuhl aufkam, zerstörten die englischen Ludditen Maschinen. Am Ende bot die Industrialisierung mehr Arbeitsplätze als zuvor.

Und nachdem Jeremy Rifkin in den 1990er Jahren „Das Ende der Arbeit“ ausgerufen hatte, stieg die Beschäftigung in den USA auf ein historisches Hoch. Der Mechanismus schien stets derselbe. Alexander Hagelüken erläutert: „Wenn sich ein Produkt durch Maschinen billiger herstellen lässt als durch Arbeiter, fallen zunächst Arbeitsplätze weg. Gleichzeitig werden aber die Produkte billiger.“ Konsumenten können sich dadurch mehr Waren kaufen, wodurch wiederum neue Arbeitsplätze entstehen. Erfindungen wie Smartphones schaffen Stellen, die es zuvor nicht gab. Quelle: „Das gespaltene Land“ von Alexander Hagelüken

Von Hans Klumbies

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