Der Reichtum der Natur ist verschwenderisch

Man kennt nicht mehr den verschwenderischen Reichtum der Natur, sondern nur noch Biosphäre, Biodiversität, CO2-Bilanz. Alain Finkielkraut kritisiert: „Wegen der Umweltprobleme vernachlässigt man die Betrachtung und die Erhaltung der Landschaft.“ Man will seine Zeit nicht mit der Schönheit der Erde verschwenden, wenn das Haus in Flammen steht. Da zudem Personen ihre Ablehnung von Windrädern kundgetan haben, die der Rechten und sogar der extremen Rechten zugerechnet werden, sehen die wachsamen Bürger vor ihrem geistigen Auge schon antifaschistische Windräder rotieren. „Das Sein ist das, was Schöpfungen von uns verlangt, damit wir es erfahren können“, schrieb Maurice Merleau-Ponty. Dementsprechend kann man sagen: Die Natur – wild oder kultiviert – braucht Dichter, damit wir sie sehen und bewundern können. Alain Finkielkraut gilt als einer der einflussreichsten französischen Intellektuellen.

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Die Jugend hat das Umweltproblem an sich gerissen

Aber, und das ist tragisch und nicht sichtbar, die „Botschafter der stummen Welt“, wie Francis Ponge sie nennt, sind verschwunden. Keine Spur von Poesie bei den neuen ökologischen Amtsträgern, die gegenwärtig, auf dem Weg zu noch höheren Weihen, an der Spitze mehrerer französischer Großstädte stehen. Alain Finkielkraut ergänzt: „Das Grün der Grünen ist nicht mehr die Farbe der Natur, sondern bedeutet ressourcenschonende Mobilität, riesige Moscheen und inklusives Schreiben.“

Dieselben Menschen, die nicht mitansehen wollen, wie das Land den Erstickungstod stirbt, massakrieren seine Sprache unbekümmert mit Genderdoppelpunkten. „Die Poesie könnte aus der Welt verschwinden“, schrieb einst Victor Hugo. Das Sonnenlicht ist erloschen und die Umweltschützer, die sich selbst für die Erben der Pariser Kommune halten, haben nicht gesehen. Den frei gewordenen Platz hat nun Greta Thunberg eingenommen. Alain Finkielkraut erklärt: „Mit diesem jungen Mädchen aus Schweden und ihrem wöchentlichen Schulstreik zur Rettung der Erde hat die Jugend das Umweltproblem an sich gerissen.“

Junge Menschen lieben keine Doppelbödigkeit

Allerdings, wie Primo Levi in „Die Untergegangenen und die Geretteten“ schrieb, „… jungen Menschen wollen Klarheit, einen sauberen Schnitt; da ihre Erfahrung mit der Welt noch gering ist, lieben sie keine Doppelbödigkeit“. Und ebenso wenig die Komplexität. Alain Finkielkraut fügt hinzu: „Sie sind zu leidenschaftlich, um sich Zeit zum Nachdenken zu lassen, und zu ungeduldig, um zu akzeptieren, dass manche Dinge kaum zu entwirren sind, sodass sie nie Probleme und in allen Situationen nur eine Auseinandersetzung zwischen Gerechten und Drecksäcken sehen.“

In die Politik treten sie durch die Tür der Empörung ein, und was den Umweltschutz, in den sie schon vom Grundschulalter an eingeführt werden, so anziehend für sie macht, ist das scheinbar Eindeutige in diesem Kampf. Alain Finkielkraut erläutert: „Wenn sie sich für das Klima engagieren, schlagen sie zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie verteidigen die Wahrheit und die Gerechtigkeit, und gleichzeitig gehorchen sie den Geboten der Wissenschaft und des Gewissens.“ Quelle: „Vom Ende der Literatur“ von Alain Finkielkraut

Von Hans Klumbies