Adolf Hitler entfachte in Deutschland einen brutalen Antisemitismus

Der größte Neider der Menschheitsgeschichte war wohl Adolf Hitler. Bettina Schulte erklärt: „Er schaffte es, seinen aus dem Neid des beruflich gescheiterten Außenseiters geborenen Hass auf die Juden, die damalige westeuropäische Elite – sie machten in Deutschland acht Prozent der Bevölkerung aus, ihr Anteil an den Akademikern allerdings 60 Prozent –, zum brutalen Antisemitismus zu machen, weil er das versteckte Neidpotenzial in der Bevölkerung hemmungslos entfesselte.“ Da das jüdische Volk seit vielen Jahrhunderten immer wieder Neid und Missgunst ausgesetzt war, rannte er durchaus offene Türen ein. Klaus Hartung schreibt in seinem Essay „Der Neid und das Soziale“: „Das Schreckliche aber ist: Der zum gesellschaftlichen Prinzip erhobene Neid wir nicht nur freigesetzt.“ Die Kulturjournalistin Bettina Schulte promovierte über Heinrich von Kleist und war mehr als zwanzig Jahre leitende Redakteurin im Feuilleton der Badischen Zeitung.

Hannah Arendt spricht von der „Banalität des Bösen“

Klaus Hartung fährt fort: „Ideale, Prinzipien, Rechtsauffassungen radikalisierten auch den Neid und machten ihn totalitär. Hannah Arendts Formel von der „Banalität des Bösen“ meint diese Radikalisierung des Neides durch das Prinzip.“ Von der Enteignung, der Vertreibung und Ermordung ihrer beneideten jüdischen Nachbarn im Dritten Reich profitierten viele Deutsche enorm. Bettina Schulte erläutert: „Sie rissen das Eigentum der Verfolgten an sich, verteilten unter sich die Ladengeschäfte, die Anwaltspraxen, die Wohnungen, die Einrichtungen, den Schmuck, die Kunst- und andere Wertgegenstände und nahmen ihre privilegierten Positionen in der Gesellschaft ein.“

Allein das Gesetz zur „Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ räumte zahllose Stellen frei für „Biodeutsche“. Klaus Hartung spricht von einer „rassistischen Sozialisierung“, im Sprachkatalog des NS-Rassismus euphemistisch „Arisierung“ genannt: die Enteignung jüdischen Eigentums nach den Maßgaben der „Rassenlehre“. An diesem beispiellosen Raubzug waren, so Klaus Hartungs zutreffende Bemerkung, ungleich mehr Menschen beteiligt als an der Vernichtung in den Lagern.

Der Neid ist das offene Geheimnis des Holocaust

Bettina Schulte stellt fest: „In ihrem Neid-Exzess wurden die deutschen zu willfährigen Handlangern eines Regimes, das aus dem Nichts millionenfachen Mord verübte und nach zwölf Jahren unterging.“ Friedrich Nietzsche hat in seiner Schrift „Morgenröte“ die totalitären Phantasien eines neidischen Menschen in folgende Worte gefasst: „So möge doch die ganze Welt zugrunde gehen!“ Wenn es auch nicht die ganze war: Eine große Glaubensgemeinschaft wurde systematisch ermordet und ein Weltkrieg entfesselt.

Die Diktatur des Nationalsozialismus – der die Idee nationaler Überlegenheit mit einem binnengesellschaftlichen Gleichheitsgedanken verband – war das größte Neidverbrechen der Menschheit. Bettina Schulte nennt noch ein anderes Beispiel: „Auch das schrecklichen Gemetzel der Hutu an den Tutsi in Ruanda war das Ergebnis eines medial über Jahre hinweg geschürten Neides der Unterprivilegierten auf die Privilegierten.“ Klaus Hartung fasst zusammen: „Der Neid ist das offene Geheimnis des Genozids und des Holocaust.“ Quelle: „Neid“ von Bettina Schulte

Von Hans Klumbies