Wolfgang Kersting erklärt den Begriff der sozialen Gerechtigkeit

Mehr als zehn Jahre hat sich hat sich der Ökonom Friedrich August von Hayek intensiv damit befasst, den Sinn des Begriffs „soziale Gerechtigkeit“ zu ergründen. Dabei kam er zum Schluss, dass für eine Gesellschaft freier Menschen dieses Wort überhaupt keinen Sinn hat und nicht auf die Ergebnisse einer Marktwirtschaft angewendet werden kann. Gerechtigkeit hat für Friedrich August von Hayek nur einen Sinn als eine Regel für menschliches Verhalten. Wolfgang Kersting stellt klar, dass der Bergriff der sozialen oder distributiven Gerechtigkeit für Friedrich August von Hayek nur eine semantische Luftspiegelung beziehungsweise eine begriffliche Illusion darstellt. Wolfgang Kersting, emeritierter Professor für Philosophie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel hat sich vor allem mit den Themen Sozialstaat, Gerechtigkeit und Gesellschaftsordnung beschäftigt. Er veröffentlichte Bücher über Platon, Machiavelli, Thomas Hobbes, John Rawls sowie über Immanuel Kants Rechts- und Staatsphilosophie.

Marktergebnisse darf man nicht nach moralischen Gesichtspunkten bewerten

Man darf laut Wolfgang Kersting den Staat nicht mit einer Familie verwechseln. Die Gesamtheit der Markterträge sind ist eben kein Familieneinkommen, das der Haushaltsvorstand gerecht auf die Familienmitglieder verteilt. Wolfgang Kersting erläutert: „Daher ist es unsinnig, Marktergebnisse nach moralischen Gesichtspunkten zu bewerten.“ Der Markt ist seiner Meinung nach unverantwortlich und daher in seinen Distributionsleistungen weder gerecht noch ungerecht. Es bedarf daher auch keiner sozialstaatlichen Korrektur von Ungerechtigkeit, die durch den Markt erzeugt worden ist.

Der Begriff der sozialen Gerechtigkeit besitzt für Wolfgang Kersting in den wohlfahrtsstaatlichen Gesellschaften der Gegenwart einen großen moralischen und propagandistischen Wert. Wolfgang Kersting erklärt: „Er versammelt nicht nur die moralisch Feinfühligen und zuverlässig Betroffenen hinter seiner Fahne, sondern ist auch interessenpolitisch gut verwendbar und daher in den Verteilungskämpfen unseres Gruppen- und Verbändestaats von erheblichen strategischen Nutzen.“

Die Entwicklung und Gestaltung komplexer Systeme ist nicht steuerbar

Die von Friedrich August von Hayek herausgestellten Gemeinsamkeiten zwischen Planwirtschaft und totalitärer Ideologie einerseits und dem Programm sozialstaatlicher Verteilungsgerechtigkeit andererseits ist für Wolfgang Kersting nicht von der Hand zu weisen. Wolfgang Kersting begründet dies wie folgt: „In beiden Fällen haben wir es mit Gestalten einer gesellschaftlichen Globalsteuerung zu tun; in beiden Fällen wird ein Wissen beansprucht, die Entwicklung der Gesellschaft und das Zusammenspiel ihrer Segmente nach Maßgabe der vorausgesetzten moralischen und politischen Kriterien planen und kontrollieren zu können.“

Die Entwicklung und Gestaltung komplexer Systeme ist für Wolfgang Kersting grundsätzlich nicht steuerbar. Komplexe freiheitliche Ordnungen wie Markt und Demokratie, müssen seiner Meinung nach sich selbst überlassen bleiben und offen für die verschiedensten Entwicklungen gehalten werden. Das verlangt nicht nur die politische und ökonomische Klugheit, sondern auch das Menschrecht. Denn die Freiheit der Menschenrechte ist nicht mit einer Globalsteuerung der Politik und der Wirtschaft verträglich.

Von Hans Klumbies


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