Wilhlem Schmid untersucht die Liebe der Menschen zur Natur

Die bejahende Beziehung zur Natur und im besonders zum Garten ist nicht nur durch die Sinne, sondern auch durch den Magen geprägt. Denn die Natur nährt, und was selbst angebaut wurde, schmeckt immer noch am besten. Wilhelm Schmid behauptet: „Menschen brauchen Gärten, insbesondere moderne Menschen, von denen zumindest einige in dem Maße, in dem sie die Beziehung zur Natur im Laufe der industriellen Entwicklung verloren haben, danach suchen, ihr von Neuem Raum zu geben.“ Wer sich keinen eigenen Garten leisten kann, sucht sein individuelles Bedürfnis nach Natur wenigsten in der Balkon- und Zimmerpflanzenkultur zum Ausdruck zu bringen. Ein Hauch des grünen Glücks der Nachhaltigkeit ist auf solche Weise auch in der modernen Zeit erfahrbar und spendet den Menschen etwas Trost in einer Epoche, in der die zerstörerischen Folgen einer besinnungslosen Modernisierung immer deutlich werden. Wilhelm Schmid lebt als freier Autor in Berlin und lehrt Philosophie als außerplanmäßiger Professor an der Universität Erfurt.

Der Blick in das Wunderwerk der Natur kann endloses Staunen hervorrufen

Die Zustände der Erschöpfung greifen immer mehr um sich und der Widerwille der Menschen gegen das ständige Angetriebenwerden wächst. Dies sind zwei der Quellen, aus denen sich die neue Liebe zur Natur speist. Mit dem grünen Glück ist keine bloße Maximierung der Lust gemeint, die in Zeiten ihrer Minimierung scheitert. Wilhelm Schmid erklärt: „Nur zum Teil ist es ein Wohlfühlglück, weit eher sind Nachhaltigkeit und Dauerhaftigkeit mit dem Glück der Fülle zu erreichen, das auf der Wahrnehmung der gesamten Fülle des Lebens in seiner Vielfalt und Gegensätzlichkeit beruht.“

Das nachhaltige Selbst bemüht sich um grüne Inseln der Muße in all dem Stress, dem es ausgesetzt ist. Auf diese Weise lebt es den größeren Lebensgenuss vor, für den es keiner Luxusgüter bedarf. Eine Fülle von Sinn wird durch die Natur auf allen Ebenen erfahrbar. Durch den gedachten, gefühlten und sinnlichen Sinn. Der nachhaltige Mensch ist nach Wilhelm Schmid einer, der schaut, denn Schauen macht glücklich. Der sinnliche und gedankliche Blick in das Wunderwerk der Natur kann endloses Staunen hervorrufen.

Die Liebe zur Natur kann dem Leben einen Sinn verleihen

Auf ganz weltliche Weise hält die Natur selbst einen transzendenten Sinn bereit, denn der Mensch lernt Ressourcen in ihr kennen, die nicht von Menschenhand geschaffen worden sind. Wilhelm Schmid fügt hinzu: „Er nimmt Kreisläufe wahr, in die nicht nur die einzelne Pflanze, sondern auch die gesamte Natur, nicht nur der einzelne Mensch, sondern auch die gesamte Menschheit eingebettet sind. So gewinnt er eine Vorstellung vom ewigen Werden und Vergehen, somit vom Sinn eines umfassenden Seins.“

Ein Mensch, der diese Zusammenhänge sieht und darauf achtet, hat sich die Basis eines sinnerfüllten Lebens geschaffen. Sie nicht zu sehen und sie zu missachten, befördert eher den Eindruck eines sinnlosen Lebens. Einen Grund für den verlorenen Sinn in moderner Zeit sieht Wilhelm Schmid im zweifellos vorhandenen Nichtverhältnis vieler Menschen zur Natur. Auf die beunruhigende Frage nach dem Sinn des Lebens kann die Liebe zur Natur eine beruhigende Antwort geben. Denn sie macht existentielle Zusammenhänge wieder bewusst.

Von Hans Klumbies

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