Wilhelm Schmid rät zu einer nachhaltigen Lebensweise

Bei der Nachhaltigkeit geht es für Wilhelm Schmid zuallererst um die ökologische Frage, das heißt, wie sich die Existenz des Menschen wieder in die Zusammenhänge der Natur, in eine ökologische Integrität eingliedern lässt. Dabei ist es hilfreich, die eigenen Gewohnheiten zu hinterfragen, von denen viele ökologisch relevant sind, zum Beispiel der gewohnheitsmäßige Gebrauch von Stoffen und Dingen aller Art. Wilhelm Schmid erläutert: „Weit mehr als anonyme Mächte stehen alte Gewohnheiten einer nachhaltigen Lebensführung entgegen. In den Banalitäten des Lebens liegen die eigentlichen Verhängnisse verborgen.“ Allerdings kann der Einzelne nicht alles im Blick haben, sondern nur das, was für ihn selbst wichtig ist. Nicht die reine Lehre zählt für Wilhelm Schmid, sondern der Kompromiss, der einen kleinen Schritt weiterführt. Wilhelm Schmid lebt als freier Autor in Berlin und lehrt Philosophie als außerplanmäßiger Professor an der Universität Erfurt.

Alltagshandlungen sollten auf ihre ökologischen Konsequenzen hin hinterfragt werden

Der eigene Beitrag zur Nachhaltigkeit mag angesichts des großen Ganzen winzig klein erscheinen, aber er ist nicht bedeutungslos. Wilhelm Schmid erklärt: „Es lohnt sich die unscheinbaren Alltagshandlungen auf ihre ökologischen Konsequenzen hin zu befragen, denn selbst bei kleinen und kleinsten Dingen, die vernachlässigenswert erscheinen, kann die dauerhafte Bewahrung von Zusammenhängen und somit der eigenen Lebensgrundlagen in den Blick kommen.“ Die Gegenwart mag kurzatmig sein, aber es liegt an jedem Einzelnen selbst, sie mit längerem Atem umzugestalten.

Bewusst zu leben heißt für Wilhelm Schmid in diesem Fall, das Leben auf eine Weise zu führen, die sich durch ein Gespür für nachhaltige Zusammenhänge auszeichnet. Jeder Mensch kann damit für sich ein Maß im Umgang mit Ressourcen und Techniken ausfindig machen, das ökologisch verträglich ist. Wilhelm Schmid fügt hinzu: „Allerdings reicht das bloße Wissen um die Notwendigkeit von Veränderungen nicht aus, vielmehr bedarf es einer geduldigen, langwierigen Einübung veränderter Gewohnheiten und Verhaltensweisen, die zur zweiten Natur werden.“

Die Nachhaltigkeit ist auch ein wichtiger Bestandteil bei der sozialen Frage

Auf Nachhaltigkeit zielt zudem die soziale Frage, wie angesichts der Dynamik der modernen Desintegration noch eine soziale Integrität zwischen den vereinzelten Menschen zustande kommen kann. Wilhelm Schmid erläutert: „Ein Bindemittel für die moderne Gesellschaft, in der viele Bindungen zerbrechen, kann die Sorge um Gerechtigkeit sein, die Einzelne und ganze Gruppierungen zu ihrem Anliegen machen, um der Kälte und Gleichgültigkeit, die Gesellschaft zersetzen, etwas entgegenzusetzen.“

Auch wenn es laut Wilhelm Schmid keine absolute Gerechtigkeit bei der Verteilung von Gütern, Lasten und Chancen geben kann, so doch eine relative, angewiesen auf das Engagement möglichst vieler Menschen zum Beispiel gegen relative Armut in der Wohlstandsgesellschaft, gegen absolute Armut in der Weltgesellschaft. Wilhelm Schmid ergänzt: „Gesellschaftliche Gerechtigkeit bedarf einer Nachhaltigkeit sozialer Sicherungssysteme, die allerdings auf die Nachhaltigkeit der Geburtenrate angewiesen ist, m die wiederum nur Einzelne sich kümmern können.“

Von Hans Klumbies

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