Das Hormon Oxytocin ist für das Bindungsverhalten zuständig

Eine der Erklärungen, warum sich Familienangehörige, trotz aller Streitigkeiten, unterstützen und zueinander stehen, lautet: „Blut ist dicker als Wasser.“ Wenn zwei Menschen sich aneinander binden und nicht mehr ohne den anderen sein können, dann heißt es: „Das muss wohl Liebe sein.“ Werner Bartens stellt deshalb die Frage, was dafür verantwortlich ist, dass die Menschen zusammenblieben und sie die gegenseitige Nähe spüren lässt. Werner Bartens erklärt: „An Tieren konnte schon weitaus früher als beim Menschen gezeigt werden, wie prägend das Hormon Oxytocin für enge Bindungen ist.“ Bei Menschen ist dieses Hormon ebenfalls für elementare Muster des Bindungsverhaltens zuständig. So ist Oxytocin zum Beispiel vermehrt aktiv, wenn Mütter ihre Kinder liebkosen oder Partner einander die ewige Liebe versprechen und sich im Liebesrausch befinden. Werner Bartens ist Autor von Bestsellern wie „Das Ärztehasser-Buch“, „Körperglück“ und „Was Paare zusammenhält“.

Das Kuschelhormon Oxytocin wirkt bei Stress beruhigend

Oxytocin hält das Bedürfnis nach Nähe und Körperkontakt aufrecht und unterstützt das Verlangen nach Berührung. Die Sehnsucht nach Bindung drück sich hormonvermittelt nicht nur körperlich aus, sondern sie ist auch ein Gefühl, das Zuversicht und geistige Nähe verstärkt. Das Kuschelhormon Oxytocin scheint nicht nur Nähe zu stiften, sondern der körpereigene Botenstoff hat auch andere positive Eigenschaften. Werner Bartens erläutert: „Bei Stress wirkt er beruhigend und stabilisiert die Stimmung, zudem aktiviert er das körpereigene Belohnungssystem.“

Belastungen werden zwar trotz Oxytocin weiterhin auch als anstrengend empfunden, aber trotzdem kommt nicht das Gefühl auf, überfordert zu sein. Menschen, die in ihrem Umfeld als besonders herzlich gelten und andere eher einmal in den Arm nehmen und ihnen öfter ihre Zuneigung und Wertschätzung zeigen, sind deshalb zumeist auch deutlich widerstandsfähiger gegen Stress. Herzliche und umgängliche Menschen können sogar mit anstrengenden Denkaufgaben besser umgehen oder nachdem sie einen Konflikt beobachtet haben, diesen besser verarbeiten.

Wissenschaftler haben ein Oxytocinspray getestet

Wie viel des Kuschelhormons bei Jugendlichen und Erwachsenen zur Verfügung steht und bei Bedarf aktiviert werden kann, kann man nicht selbst beeinflussen. Werner Bartens stellt fest: „Die Konzentration des Oxytocins scheint vielmehr hauptsächlich davon abhängig zu sein, wie eng und liebevoll die mütterliche Bindung während der ersten Lebensjahre war. Von der Intensität der frühkindlichen Bindungserfahrung ist es auch abhängig, wie in späteren Jahren Stress verarbeitet werden kann und ob jemand eher aggressive und feindselig oder gelassen und ausgeglichen reagiert, wenn es mal anstrengend oder konfliktgeladen ist.“

Wissenschaftler haben ein Oxytocinspray bei Paaren getestet, die miteinander in Streit gerieten. Das Ergebnis war verblüffend: Oxytocin in der Nase verbesserte die Kommunikation und emotionale Nähe der streitenden Paare ganz erheblich, zudem waren die Kortisolwerte der Probanden deutlich niedriger, wenn sie zuvor das Kuschelhormon bekommen hatten. Die Autoren der Studie sagen: „Das Hormon spielt bei engen Beziehungen und dem liebevollen Verhalten von Paaren eine wichtige Rolle.“

Von Hans Klumbies


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