Vinzens Mansmann unterscheidet zwölf Phasen des Burn-out

Vinzenz Mansmann unterscheidet zwölf Phasen der Erschöpfung bei Burn-out. Zuerst einmal ist da der Drang nach Anerkennung und übertriebener Ehrgeiz. Der Betroffen erfüllt seine Aufgaben mit sehr großer Begeisterung. Allerdings überfordert er sich oftmals dabei un setzt sich zu hohe Ziele. Dazu kommt eine übertriebene Leistungsbereitschaft. Vinzenz Mansmann erklärt: „Um den eigenen Ansprüchen zu genügen, wird noch mehr Energie aufgebracht und alles dafür getan, den Ansprüchen doch noch gerecht zu werden. Das Gefühl, unersetzbar zu sein, steigt. Deshalb werden kaum Aufgaben abgegeben und Arbeitsentlastung findet kaum statt.“ Drittens blendet der Betroffene seine eigenen Bedürfnisse aus. In dieser Phase tritt das Verlangen nach Ruhe, Schlaf und Regeneration immer weiter in den Hintergrund. Häufig nimmt der Konsum von Alkohol, Nikotin und Kaffee zu. Dr. med. Vinzenz Mansmann (*1955) ist Facharzt für Allgemeinmedizin, Naturheilverfahren, und Experte für Burnout-Therapie und Stressbewältigung.

Warnsignale werden zunehmend ignoriert

In der vierten Phase kommt es zu Ausblendungen von Warnsignalen und zu Überforderung. Dadurch häufen ich Unzuverlässigkeit und Fehler im Arbeitsalltag. Danach kommt es zu einer verzerrten Wahrnehmung der Realität. Alle Grundsätze verlieren an Wert: Freundschaften und berufliche Kontakte, die vorher eher Entlastung und Unterstützung waren, werden nunmehr als Belastung empfunden. Die Wahrnehmung wird reduziert auf ein Minimum. Probleme in der eigenen Beziehung treten auf.

Die nächste Phase zeichnet sich dadurch aus, dass erste Beschwerden ausgeblendet werden. Die Probleme häufen sich im Leben des Betroffenen und auch körperliches Unbill wie Müdigkeit, Kopfschmerzen und Angst setzen ein. Jedoch werden diese Warnsignale ignoriert oder es wird ihnen kaum Beachtung geschenkt. Gleich darauf beginnt die Rückzugsphase: Hoffnungslosigkeit breitet sich aus und verdrängt alle positiven Gefühle. Alkohol und Medikamente dienen nun häufiger zur Ablenkung. Das soziale Umfeld wird als Bedrohung angesehen und als überfordernd empfunden.

Im letzten Stadium kommt es zur totalen Erschöpfung

Anschließend baut sich eine Beratungsresistenz auf. Vinzenz Mansmann weiß: „Der Betroffene wird unflexibel im Denken und schränkt sich immer mehr ein, was sein eigenes Verhalten anbelangt. Kritik wird komplett zurückgewiesen und als Angriff auf die eigene Persönlichkeit empfunden. Er zieht sich immer weiter zurück.“ In der neunten Phase kommt es zur Entfremdung. Jetzt fühlt sich der Erkrankte sich selbst gegenüber fremd. Es kommt ihm vor, als würde er nur noch automatisch wie ein Roboter funktionieren, ohne freien Willen.

Anschließend tritt eine innere Leere auf. Mutlos und erschöpft versucht der Betroffene seinen Alltag zu meistern. Angst und Panikattacken verfolgen ihn. Mitunter versucht er, seine Probleme mit Kauftouren und Fressorgien zu kompensieren. In der elften Phase treten Depressionen auf. Dauerhafte Verzweiflung und Niedergeschlagenheit stellen sich ein. Andere Erkrankungen wie Magersucht können auftreten. In der letzten Phase kommt es zur totalen Erschöpfung. Die andauernde geistige und körperliche Müdigkeit beeinflusst das gesamte Leben. Das Immunsystem ist geschwächt, die Selbstmordgefahr ist in diesem Stadium am höchsten. Quelle: „Burn-In statt Burn-Out“ von Klaus D. Biedermann

Von Hans Klumbies


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