Die Nationalsozialisten ergriffen am 30. Januar 1933 die Macht

Ausschlaggebend für die Machteroberung der Nationalsozialisten 1933 in Deutschland waren vor allem zwei Faktoren: zum einen das stete Hinarbeiten der nationalkonservativen Führungsgruppen auf eine autoritäre, nicht parlamentarisch gebundene Elitendiktatur; zum anderen die Tatsache, dass nach dem abermaligen Zusammenbruch der deutschen Wirtschaft ein wachsender Teil der Gesellschaft das Vertrauen in das politische System von Weimar verloren hatte und entschlossen war, radikalere und zukunftsträchtigere Alternativen auszuprobieren. So wurde am 30. Januar 1933 die neue Regierung vereidigt, der allerdings nur drei Nationalsozialisten angehörten. Adolf Hitlers Regierungserklärung unterschied sich in der Sache nicht wesentlich von denen seiner Vorgänger. Ulrich Herbert erklärt: „Überwindung von Massenarbeitslosigkeit und Agrarkrise; Reform des Verhältnisses von Reich, Ländern und Kommunen; Fortsetzung der Sozialpolitik und Wiederherstellung der außenpolitischen Gleichberechtigung Deutschlands – das waren die wesentlichen Programmpunkte.“ Ulrich Herbert zählt zu den renommiertesten Zeithistorikern der Gegenwart. Er lehrt als Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg.

In nur wenigen Monaten entstand die nationalsozialistische Diktatur

Aber mit Adolf Hitler war eben kein Vertreter der alten Honoratiorenparteien und auch kein vom Reichspräsidenten abhängiger General an die Macht gekommen, sondern der Führer einer modernen „faschistischen“, Massenbewegung, deren Dynamik für beständige Beschleunigung der politischen Umwälzung sorgte. Und obwohl es sich bei der neuen Regierung eigentlich um eine Koalitionsregierung handelte, mit Ministern aus Deutschnationaler Volkspartei (DNVP), Zentrum, „Stahlhelm“ und NSDAP sowie mehreren Parteilosen, feierte die NS-Bewegung die Kanzlerschaft Adolf Hitlers wie eine Revolution.

Ulrich Herbert stellt fest: „Hier war bereits zu spüren, dass die Vorstellung, man könne Hitler in dieser Regierung „zähmen“ oder „einrahmen“, sich schon bald als Illusion erweisen würde. Tatsächlich dauerte es nur wenige Monate, bis sich aus der Präsidialregierung Hitler die nationalsozialistische Diktatur entwickelt hatte.“ Ausgangspunkt waren die für den 5. März 1933 festgelegten Neuwahlen, die schon vom Terror der NS-Milizen überschattet waren. Vor allem Kommunisten wurden nun überall drangsaliert und verfolgt.

Die „Reichstagsbrandverordnung“ setzte alle wichtigen Grundrechte außer Kraft

Dabei kam den Nationalsozialisten der Zufall zu Hilfe: Eine Woche vor den Wahlen wurde der Reichstag angezündet, und niemand glaubte, dass der bereits wenige Stunden später als Brandstifter festgenommene holländische Maurergeselle Marinus van der Lubbe tatsächlich ein Einzeltäter war; zu gelegen kam den Nazis diese Tat. Die Regierung setzte daraufhin mit der „Reichstagsbrandverordnung“ alle wichtigen Grundrechte außer Kraft. In der Folge wurden bis Ende März etwa 20.000 Kommunisten verhaften , in Gefängnisse oder in die überall errichteten „wilden“ Lager gebracht, in denen die Sturmabteilung (SA) ihre politischen Gegner gefangen hielt und misshandelte.

Bei den unter diesen Umständen abgehaltenen Reichstagswahlen erreichten die Nationalsozialisten dann knapp 44 Prozent der Stimmen, während ihr Koalitionspartner DNVP (8 Prozent) leicht verlor. Ulrich Herbert ergänzt: „Trotz der Verfolgungswelle erhielt die KPD noch 12,3 Prozent, während sich katholisches und sozialistisches Milieu bei leichten Verlusten als stabil erwiesen.“ Ohne Zweifel hatte die NSDAP einen großen Wahlsieg errungen, nahezu das gesamte bürgerliche Lager aufgerollt und zudem viele Stimmen von links erhalten.“ Quelle: „Das Dritte Reich“ von Ulrich Herbert

Von Hans Klumbies

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