Guter Journalismus versucht der Wahrheit auf die Spur zu kommen

Timothy Garton Ash ist seit 40 Jahren als Journalist und Wissenschaftler tätig. In dieser Zeit hat sich die Antwort auf die Frage „Was ist ein Journalist?“ dramatisch verändert, während die Antwort auf die Frage „Was ist guter Journalismus?“ völlig gleich geblieben ist. Es ist völlig gleichgültig, ob jemand als Journalist betrachtet wird oder nicht, er kann auf jeden Fall guten Journalismus machen. Im Oxford English Dictionary lautet die erste Definition von Journalist: „eine Person, die durch Redigieren oder Schreiben für eine oder mehrere Zeitschriften ihren Lebensunterhalt verdient.“ Das wirkt heute herrlich altmodisch. Denn sehr schlecht bezahlte freie Mitarbeiter und frisch entlassene Redakteure sind heute eher die Regel. Timothy Garton Ash ist Professor für Europäische Studien an der Universität Oxford und Senior Fellow an der Hoover Institution der Stanford University.

Eine der besten Quellen sind Augenzeugenberichte

Wenn man Journalismus als Geschäft, als Beruf und als Beschäftigung unterscheidet, ist es nicht erwiesen, dass immer die Art von Journalismus dem Gemeinwohl am besten dient, die Berufsjournalisten für Medienunternehmen ausüben. Timothy Garton Ash nennt die Gründe: „Der Profitzwang und die harte Hand der Eigentümer, Inserenten, PR-Leute, Lobbyisten und politische Kräfte können den Vorteil durchaus aufwiegen, den festangestellte Journalisten an Zeit und Mitteln haben.“

Welche Eigenschaften hat nun ein guter Journalismus? Guter Journalismus versucht der Wahrheit auf die Spur zu kommen oder wenigsten einem Teil davon. Er sucht nach allen möglichen Quellen, einschließlich solcher, die schwierig und gefährlich zu erreichen sind. Er überprüft die Fakten, über die er berichtet, und äußert sich ausdrücklich zur Qualität seines Materials. Eine der besten Quellen sind Augenzeugenberichte von wichtigen Ereignissen. Wenn ein guter Journalist eine Geschichte recherchiert, versucht er, sie so klar und lebhaft wie möglich zu erzählen.

Gute Medien zeichnet Vertrauenswürdigkeit aus

„Der Journalismus ist in erster Linie der Wahrheit verpflichtet“, lautet das allererste der „Elemente des Journalismus“, die Bill Kovach und Tom Rosenstiel auflisten. Wer „nichts will als die Wahrheit sagen“ benötigt laut Hannah Arendt „die Einsamkeit des Philosophen, die Isolierung des Wissenschaftlers und Künstlers, die Unparteilichkeit des Historikers und des Richters und die Unabhängigkeit dessen, der Fakten aufdeckt, also des Zeugen und des Berichterstatters“. Manche Journalisten fühlen sich unbehaglich, weil der Anspruch, die Wahrheit zu verkünden, so riesengroß ist.

Deshalb zieht Timothy Garton Ash den bescheideneren Anspruch vor, den Tatsachen auf den Grund zu gehen, wie er in der Einleitung zu seinem Buch „Jahrhundertwende“ ausgeführt hat. Redlichkeit ist das zentrale Merkmal dessen, was Timothy Garton Ash unter vertrauenswürdig versteht, also unter einer Eigenschaft, die guten Medien auszeichnen muss. „Unparteilichkeit“ im BBC-Stil ist nur ein Weg, um sich dieses Vertrauen zu verdienen. Der Versuch, fair und unparteiisch zu berichten, ist dabei eine hervorragende Übung. Quelle: „Redefreiheit“ von Timothy Garton Ash

Von Hans Klumbies

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