Menschen gehen gerne längerfristige Beziehungen ein

Das Leben der meisten Menschen hat seinen Schwerpunkt in einer Zweierbeziehung. Die Paarbindung wurde kritisiert und geschmäht, man hat die notwendigen Kompromisse beklagt und die drohende Langeweile beschworen – und doch hat sie sich als überraschend widerstandsfähig erwiesen. Schon vor zwei Jahrhunderten hielt Charles Fourier die Ehe für einen Irrweg, der „alle Keime der Zwietracht und des Überdrusses“ enthält. Thomas Junker schreibt: „Es ist richtig, dass der Staat mehr oder weniger sanften Druck ausübt, um die Ehe zu zementieren, so wie es in frühen Zeiten die Kirchen getan haben.“ Das würde aber nicht so gut funktionieren, wenn Menschen nicht von sich aus bereit wären, längerfristige Bindungen einzugehen. Leben Menschen also in einer dauerhaften Zweierbeziehung, weil es ihrer Natur entspricht? Thomas Junker ist Professor für Biologiegeschichte an der Universität Tübingen.

In der Biologie versteht man unter „Monogamie“ ein Bündnis auf Zeit

Thomas Junker hält das durchaus für möglich, da es Paarbildung auch im Tierreich gibt. Für Tiere spielen kulturelle Ideen und moralische Vorurteile natürlich keinerlei Rolle, sondern sie leben monogam, weil sie biologisch damit erfolgreich sind. Im Prinzip könnte dies auch für die Spezies Mensch gelten. Insofern ist der Vergleich mit anderen paarlebenden Tieren höchst aufschlussreich. Sollten sich grundlegende Übereinstimmungen feststellen lassen, dann wäre das ein Hinweis darauf, dass die Paarbindung auch beim Menschen biologisch angelegt ist.

Lassen sich hingegen nur äußerliche Ähnlichkeiten beobachten, dann sind die Zweierbeziehungen der Menschen vielleicht wirklich erzwungen und künstlich. Dann könnten andere Formen des Zusammenlebens besser zur Natur des Menschen passen. Thomas Junker weist darauf hin, dass mit dem Wort „Monogamie“ nicht die von der traditionellen Moral geforderte unauflösliche Ehe gemeint ist: „In der Biologie versteht man unter „Monogamie“ ein Bündnis auf Zeit. Arten werden bereits als monogam klassifiziert, wenn ein Paar nur für eine einzige Fortpflanzungsperiode zusammenbleibt. Beim Menschen würde es sich also um wenige Jahre handeln.“

Das Lebensmodell der Zweierbeziehung gibt es in vielen Kulturen

Bei allem Streit darüber, wie lange Paare zusammenleben sollten, teilen viele Autoren die Überzeugung, dass Menschen in mehr oder weniger stabilen Zweierbeziehungen leben wollen. Tatsächlich ist dieses Lebensmodell in vielen Kulturen anzutreffen und oft als so selbstverständlich, dass es auf den ersten Blick überrascht, wie selten es bei Säugetieren im Allgemeinen vorkommt. Die Schätzungen bewegen sich unter zehn Prozent der Arten. In manchen Ordnungen, beispielsweise bei Walen oder Delfinen, sind Paare gar nicht anzutreffen.

Der Verdacht, dass die Zweierbeziehung und ihr emotionales Bindemittel, die romantische Liebe, Erfindungen der Männer zur besseren Kontrolle der Frauen sind, wurde vor allem von feministischer Seite vorgebracht. Thomas Junker stellt fest: „Der Wunsch, die Partnerin für sich allein zu besitzen, kam allerdings nicht erst mit dem Patriarchat auf, sondern seine Ursprünge reichen weit in die Evolution der Säugetiere zurück.“ Schon bei den Jägern und Sammlern waren die Männer eifersüchtig, aber sie hatten meist nicht die Macht und die Mittel, die Frauen zu kontrollieren und zu beherrschen. Quelle: „Die verborgene Natur der Liebe“ von Thomas Junker

Von Hans Klumbies

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